Donath, Adolph [Editor]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 2.1920/​21

Page: 232
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Bet?Un.

Bei Karl Ernst Henrici findet am 25. Februar eine Ver-
steigerung von frühen französischen Farbstichen
aus ehemaligem fürstlichen Besitz statt. Die Sammlung enthält
zwar nur 25 Stücke, steht jedoch in qualitativer Hinsicht auf hoher
Stufe. Besonderes Interesse erregt die Reihe der Blätter von
Louis Maria Bonnet, mit dem berühmten Blatt: „La femme aux
fleurs“. Auch Demarteau und Jan in et sind vorzüglich
repräsentiert.

*

Am 28. Februar beginnt bei Hollstein und Puppel die
Auktion einer fast zweitausend Nummern umfassenden Kupfer-
stich-Sammlung. Der erste Teil enthält englische und fran-
zösische Stiche des 17. und 18. Jahrhunderts, darunter sehr wert-
volle Arbeiten von Bartolozzi, Bonnet, Hogarth,
Morland, Smith u. a., ihr zweiter Teil Kupferstiche alter
Meister. In dieser Serie sind die deutschen Altmeister
hervorrageud vertreten. Überaus reich ist die Dürer-Gruppe
mit ihrem qualitätsstarken „Adam und Eva-Blatt“ und dem wunder-
vollen Abdruck der „Melancholie“. Aber auch Schongauer,
Beham, Hollar usw. finden sich hier in guten Drucken. Reiclt

ist auch die Abteilung Rembrandt.

*

Vom 8. bis 11. März d. Js. findet in Rudolph Lepke’s
Kunst-Auktions-Haus eine Versteigerung von Antiquitäten
statt. Der erste Tag bringt eine Reihe vorzüglicher alter Ge-
mälde, darunter Werke von D. de Blieck, P. v. Laar, Joh. Bak-
huijzen, Fr. Franken d. J., C. Huysmans, P Dandini, Fr da Santa
Cioce, J. Ribera Atelier, Schule Roger v. d. Weyden, A. Kauffmann
u. a. Ferner Kupferstiche und Farbdrucke von F. Callot, D. Cho-
dowiecki, G. F. Schmidt, C. W. E. Dietrich, P. Drevet, J. G. Wille
u. a. Das kunstgewerbliche Material, darunter Beiträge
aus mitteldeutschem Fideikommißbesitz und deutschen Museen,
ist sehr reichhaltig. Unter den Möbeln befinden sich besonders
hervorragende Arbeiten des 16. Jahrhunderts und der Empire- und
Biedermeierzeit, auch spätere Epochen sind gut vertreten. Neben
Porzellanen und Fayencen, Silberarbeiten und Werken der Klein-
kunst verdienen besondere Beachtung einige alte Glasgemälde,
Miniaturen usw. von höchster Qualität, sowie eine reiche Sammlung
von Werken ostasiatischer, persischer und indischer Herkunft,
Broncen, Elfenbeine, keramische Arbeiten, Textilien usw.

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Im Anschluß an die Sammlung Busch, Mainz, wird die Firma
Joseph B a e r & C o., am 6. und 7. Mai dieses Jahres Bücher aus
dem Nachlasse der bekannten Bibliophilin Frau Ida S c h o e 11 e r,
Düren, versteigern. Die 1. Abteilung dieser Sammlung gibt einen
fast vollständigen Überblick über die Bücherillustration des XVIII.
und XIX. Jahrhunderts. Ferner enthält die Sammlung Erstausgaben
der deutschen Literatur, bibliographische und kunsthistorische
Werke, Privat- und Luxusdrucke, schöne Einbände, Pergament-
miniaturen und Graphik. Ein illustrierter Katalog ist in Vorbereitung.

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Im Auktionshaus für Altertümer Glückselig undWärn-
dorfer wird vom 7. bis 11. März der erste Teil des Nachlasses
Janos Graf Palffy versteigert. Die Ausstellung der berühmten
Sammlung, die die Kunst des Empire in ganz erlesenen zum Teil
kunstwissenschaftlich längst gewürdigten Stücken vorführt, unter
denen die Möbel und Bronzen die erste Stelle einnehmen, wird
vom 27. Februar bis 4. März im Palais Palffy veranstaltet. Die
Firma teilt mit, daß die Ausfuhrbewilligung für die er-
standenen Gegenstände gesichert ist. Der illustrierte Katalog
(300 Kr. == 403 Mark) erscheint auf dem Subskriptionsweg in
600 Exemplaren.

*

Auf die Monatsauktion der Bilder und Antiquitäten, die das
Dorotheum für den 14. bis 19. Februar ansetzte, folgt vom

14. bis 19. März die Versteigerung der Sammlung Grimus
v. Grimburg (Baden b. Wien), die neben Bildern und Stichen
eine hervorragende Serie von Keramiken (Kachelöfen, Zinnsachen,
Bronzen usw., sowie eine wertvolle Bibliothek (auch Inkunabeln)
enthält. Vom 11. bis 16 April werden wieder Bilder, Graphik
und Antiquitäten ausgeboten und vom 2, bis 10. Mai versteigert
das Dorotheum die Sammlung Erzherzog Ludwig Viktor
aus Schloß Kleesheim bei Salzburg.

Kunftausftellungeru

Beeliru

Der Versuch, A11 - C h i n a - Kunst mitten unter köstliche
Orchideen und Kakteen zu stellen, ist Friedmann & Weber
und Hermann Rothe geglückt. Diese Ausstellung hat schon
ihre großen Reize und man darf sich freuen, daß sie zustandekam.
Sie gibt zwar keinen entwicklungs-geschichtlichen Überblick über
die chinesische Kunst, und das war wohl auch nicht beabsichtigt,
aber sie zeigt unter den zahlreichen Stücken, die die Privatsammler
und Kunsthändler geliehen haben, doch eine respektable Serie
vorzüglicher Qualitäten. Der Kunsthandel — wir verweisen hier
auf die Porzellane um 1700 und die alten Bronzen, die von
Ludwig Glenk, Ernst Fritzsche, Hugo Helbing und
Theodor Rozendaal ausgestellt wurden — steht hier im Vorder-
grund. Immerhin befinden sich auch unter den China-Schätzen
der Berliner Privatsammler manche Kostbarkeiten. Sehenswert
sind da die Stücke aus den Sammlungen Hugo Benario,
Walter Bondy, Dr. Philipp Lederer, Franz Lissa,
Geheimrat Dr. Morgenroth, Ernst O p p 1 e r u. a. Die Aus-
stellung ist mit künstlerischem Geschmack arrangiert und nament-
lich für unsere jungen Künstler von Nutzen. Daß hier schließlich
auch der China-Sammler auf seine Kosten kommt, soll besonders
hervorgehoben werden.

*

Die Neue Kunsthandlung bringt Graphik von
C. E. U p h o f f - Worpswede. Die interessante Schau eines
interessanten Künstlers, der bisweilen durch sein technisches
Raffinement überrascht. Er hat (siehe: die Passionsfolge) Phantasie
und Stil, aber er stilisiert mitunter heftig, in allen Varianten, er
gotisiert und er kubistelt auch (siehe „die Verkündigung“). Von
reinstem Künstlertum ist der feine, wie hingehaucht radierte
Mädchenkopf. Hier ist so etwas wie verinnerlichte Plastik.

*

Carl Nicolai bietet in seinem Kunstsalon Ausschnitte aus
der Kunstbewegung der letzten vier Jahrzehnte dar. Manches von
den Bildern, die erzeigt, kennt man schon aus seinen früheren Aus-
stellungen, so den schönen Schuch, den alten Liebermann
von 1876, das Frauenporträt Trübners von 1909, manches
wieder ist uns neu, wie die starke Landschaft von Habermann
aus dem Jahre 1903 (Habermann als Landschafter ist überhaupt
eine Seltenheit) und das überaus feine Stilleben von Hagen.
Auch ein früher Schönleber und ein B r e n d e 1 gehören zu
den gewählten Beständen der Sammlung. Aus der jüngsten
Kunstgeneration sind Heckei, Feininger,Jaekel, Cäsar
Klein ebenso vertreten wie Othon Friesz, de Via-
ni i n c k u. a.

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Bei Conrad Zimmermann hat die Freie Vereinigung der
Graphiker zu Berlin eine E x 1 i b r i s - Ausstellung. Wer sich
für diese Art der Griffelkunst interessiert, findet hier reiches und
zum Teil gutes Material. Der Frankfurter Meister Wilhelm
Steinhausen, der kürzlich seinen 75. Geburtstag beging,
bringt eine Reihe seiner poesievollen zarten Blätter, Bruno
Heroux eine Kollektion seiner figurensatten Kompositionen,
Emil Orlik seine mit sicherem kunstgewerblichen Geschmack
entworfenen Stücke. Otto Protzen, Meta Cohn-Hendel
und H. Reifferscheid verwenden für ihre Exlibris in der
Hauptsache landschaftliche Motive: es sind künstlerisch an-

sprechende Arbeiten, die sie ausstellen. Auch Hans Bastanier
und Otto Ubbelohde verdienen Erwähnung.

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