Donath, Adolph [Editor]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 2.1920/​21

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Über den Miniaturmaler Wenceslaus Chudy sind keine
weiteren Daten bekannt, als daß er, nach Thieme-Becker, in
Dobrusko in Böhmen geboren wurde und 1759 in die Wiener
Akademie eintrat. Er wohnte damals in Wien in der Leopold-
stadt im „Goldenen Einhorn“1), welches Haus in der alten Be-
schreibung der K. K. Haupt- und Residenzstadt Wien“, dem dritten
Teil einer österreichischen Topographie von Weiskern, als „Bier-
haus“, bezeichnet wird; vielleicht deutet dieser letzte Umstand
auf einen nur vorübergehend beabsichtigten Aufenthalt in Wien hin.

Ob der Künstler auch in der Wiener Porzellanfabrik tätig
war, ist nicht erwiesen, doch befindet sich in der Sammlung
Dr. Figdor, Wien, außer einer Emailminiatur, einem weiblichen
Porträt, eine von ihm bemalte Altwiener Porzellandose mit dem
Doppelporträt des Dauphin und der Dauphine und mit Gruppen
von spielenden Putten, signiert und datiert 1758. Diese Dose
war, unter anderem, auf der Wiener Miniaturen-Ausstellung im
Jahre 1905 zu sehen.

ln dem Artikel, „Die Miniaturen-Ausstellung in Wien2) meint
der Verfasser, Chudi wäre jedenfalls einer der hervorragendsten
Porzellanmaler. Auch in der Besprechung der Miniaturen-Aus-
stellung im Kaiser Franz Josephs-Museum in Troppau3) ist der
Künstler erwähnt, als einer der Emailleure, die um die Milte und
in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts auftauchten, Porträts
und Dosen, aber auch Porzellan malten, so die schon erwähnte
Dose bei Dr. Figdor.

Außerdem kennt man als Werke seiner Hand ein Männer-
portrait bei Baronin Exlerde, Wien, ein zweites bei Dr. List in
Magdeburg, beide aus dem Jahre 1759. Ferner in der Sammlung
Jaffö, Hamburg, zwei ovale Emaille, Allegorien, je zwei Putten
mit Frauenbüsie und Erdkugel, ein Porträt auf Elfenbein, Bildnis
eines Grafen Demin-Borkowski, bezeichnet „Chudi pinx“ in der
Sammlung Gottfried Eißler, Wien. Endlich im Prager Kunst-
gewerbemuseum drei Email-Porträts, ein Herr und zwei Damen,
von W. Chudi in Wien gemalt 1760, und ein emailliertes Kreuz,
den Cruzifixus darstellend, mit einer Widmung an Papst
Clemens XIII., signiert, ohne Datum; es dürfte übrigens auch
zwischen 1758 und 60 gemalt geworden sein, vielleicht anläßlich
der im Jahre 1758 erfolgten Papstwahl.

Vor kurzem fand ich im Kunsthandel eine Miniatur auf
Pergament, einen Heiligen, Johannes von Gott darstellend, durch
die feine Ausführung, verglichen mit anderen derartigen Heiligen-
bildern, auffallend. Auf der Rückseite befindet sich die mit
schwarzer Farbe gemalte Signatur: „pinxit Wenceslav Chudy 1757“>
die unter der Abbildung wiedergegeben ist. Es ist dies eine
frühere Datierung, als die auf den bisher bekannten Miniaturen.

Heiligendarstellungen auf Pergament waren um diese Zeit
sehr häufig. Besteller dieser Bilder waren Kirchen und Klöster,
welche ihre Gnadenbilder oder Reliquien vervielfältigen ließen;
Kupferstiche gab es unzählige, doch unter den vielen, die ich
schon gesehen, war keine Darstellung dieses Heiligen, der aller-
dings hauptsächlich von Interesse für den Orden der Barmherzigen
Brüder, als deren Stifter er verehrt wird, sein dürfte.

Manche Künstler malten derartige Bildchen mangels anderer
Aufträge; so soll schon Murillo eine Zeitlang sein Fortkommen
durch Anfertigung billiger Andachtsbilder gefunden haben. Auch
von Watteau ist bekannt, daß er in jungen Jahren gezwungen
war, in eine Bilderfabrik einzutreten, wo er dutzendweise Heiligen-
bilder anfertigte, um seinen Lebensunterhalt — drei Livres die
Woche und täglich einen Teller Suppe — zu verdienen.4) Er
soll damals besonders häufig den hl. Nikolaus gemalt haben.

*) Leischlng, Bildnisminiatur in Österreich.

2) Schestag, Kunst- und Kunsthandwerk, VIII. Jahrg.

3) E. W. Braun, Kunst- und Kunsthandwerk, VIII. Jahrg.

4) Watteau, von E. H. Zimmermann.

W. Chudy

pinx. 1757

Möglicherweise ist auch bei Chudi derselbe Grund vor-
handen gewesen, doch ist nicht anzunehmen, daß diese Bildchen,
die nur unter dem Zwang der Not gemalt wurden, mit besonders
großer Sorgfalt oder gar Andacht ausgeführt worden sind, so wie
das vorliegende.

Es ist ganz in graubraunen Tönen gehalten, der hingebende
Ausdruck des Gesichtes und der geschlossenen Augen, die fein-
gezeichneten verschlungenen Hände, könnten fast zu der An-
nahme führen, daß der Künstler bei den Spaniern der Barockzeit,
den Malern der verzückten, asketischen Heiligen in die Schule
gegangen sei.

Der Heilige, St. Johannes von Gott, 1495 in Portugal ge-
boren, begann seine Laufbahn als Soldat und zog viele Jahre in
fremden Landen umher. In Granada richtete er sich dann einen
kleinen Buchhandel ein. Später widmete er sich der Kranken-
pflege. Durch reiche Gaben wurde es ihm möglich, sein Haus
zu erweitern, er fand Anhänger und so entstand allmählich der
Orden der barmherzigen Brüder.5) Zum Patron aller Kranken-
häuser und Kranken wurde er erst im Jahre 1886 vom Papst
Leo XIII. erklärt.

Ob dem Maler irgend ein Gemälde oder ein Stich zur Vor-
lage diente, ist mir nicht bekannt.

Jedenfalls ist damit ein kleiner Beitrag zu den Daten des
Miniaturmalers Chudy gegeben.

I d a Köhler.

Kunftffiftung füt? die Stadt Pacts.

Edward Tuck und Frau, ein in Paris ansässiges amerika-
nisches Ehepaar, haben, wie uns berichtet wird, die Stadt Paris
von ihrer Absicht in Kenntnis gesetzt, ihre Kunstsammlung (in der
Avenue des Champs Elysöes) der Stadt vermachen zu wollen.
Die Sammlung umfaßt eine Anzahl W a 11 e a u s und Bouchers,
wie auch eine Serie alter Gobelins (Brüsseler, Aubusson und
Beauvais). Die Sammlung soll ihr endgültiges Heim im Petit
Palais finden. Die Stifter setzen noch einen Betrag von einer
Million Francs zur Erhaltung dieser Kostbarkeiten aus.

5) Liefmann, Kunst und Heilige.

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