Illustrirte kunstgewerbliche Zeitschrift für Innendekoration — 3.1892

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Die mit -i- versehenen Illustrationen sind
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verbreitet in allen Aultnrstaaten. — Vertreter in Leipzig! Eduard Krlpnidt,
Vuerstraße 2 t- — Erhältlich durch jede Buchhandlung des In- nnd Auslandes.—
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lich. Telegr.-Adr.: Verlag Koch, Darmstadt.

III. Jahrgang. Darmstadt, im Dezember 1892. Dezember-Heft.

be japanisch^ Minist und unfern japanischen Wepstugenheiteii

iii der modernen ^dIchmings-Musstattnng.

vom Architekten Karl Heinrich Dtto.

leicb

von

unserer Jugend, der beim Nennen
„Tausend und eine Nacht" oder
„ Toopers Lederstrumpf - Erzählungen"
alle sieben Himmel aufsteigen, erblickt
die Mehrzahl der wahren gebildeten
Kunstfreunde in dem Aaiser-Mikado-
Reiche Japan ein Wunderland für
Kunst und Dichtung. Nom Welt-
meer umspült und bedacht mit Allem,
was die Natur zu vergeben hatte an
Wohlthaten und schrecken, wechselreich
anmuthigen und majestätischen Bildern,
schmeichelnden und tobenden Elementen,
erscheint uns das alte Japan — bis
sich Europäer seiner wieder erinnerten
— als eine vom übrigen Erdball un-
abhängig für sich bestehende kleine Welt.

Um japanische Kunst und japa-
nisches Kunsthandwcrk verstehen und
würdigen zu lernen, muß man tiefer
in die Kultur und Geschichte des Landes
eingedrungen sein und sich mit seiner
Natur, Flora und Fauna vertraut ge-
macht haben -— mehr aber noch muß man mit dem japanischen Wesen,
mit der vom Reinsten und Idealsten durchdrungenen Volksseele intim
geworden sein. — Japan für sich lehrt ein Stück Weltgeschichte, Kultur-,
Aunst- und Literaturgeschichte — durchsetzt mit blutigen, siegreichen
Lorbeeren, Heldengesängen, Legenden, Sagen und Märchen, so poesie-
und inhaltsvoll wie solche das deutsche Volk sein Eigen nennt. In
Diesem stehen aber als lichtvoll glänzende Merksteine und Zeugen: die

Schöpfungen der einzig in ihrer Art sich bethätigenden handwerklichen
Aünste. Eigentlich ist in Japan jeder Kunsthandwerker ein Künstler,
die Scheidung im Sinne des „gebildeten" Abendlandes kennt man dort nicht.

Was der japanischen Kunst ihr eigenthümliches Wesen und Gepräge
leiht: ist die malerisch-dekorative Ausdrucksweise und Sprache kindlich-
naiver Menschen aus dem Schatze einer reichen, in den feinsten Fein-
heiten vibrirenden und in die Herzen dringenden Natur.

Ich will mich, dem Kern der Sache entsprechend, nur auf Haupt-
sachen beschränken, um den Krankheitskeim ausrotten zu helfen, der
in falsch verstandener Japan-Nachahmung und -Uebertreibung wuchert
und schon mehrfach von den größten Japankennern in ärztliche Be-
handlung genommen ist. — Es sei daher an dieser Stelle aus die er-
giebigen Quellen aufmerksam gemacht, aus denen viele Andere und
auch ich zur steten Läuterung und Frischhaltung begründeter Japan-
verehrung geschöpft haben:

I.I.Rein, Japan nach Reisen ».Studien; 2Bde., Leipzig s88s—s886;

Louis Gonse, IIAvt jAponLis; 2 Bde., Paris s882;

S. Bing, Japanischer Formenschatz; 6Bde.,Paris ».Leipzig s889—ys;

Justus Brinckmann, Kunst u. Handwerk in Japan; s Bd., Berlin s889;

William Anderson, TKe pictoriAl Akts ok chAMn; London.
Sämmtlich mit zahlreichen Abbildungen, Tafeln, Karten, Tabellen usw.
Eine umfassende Ergänzung dazu bilden die vielen in den Handel ge-
brachten japanischen Zeichenbücher, Skizzen, Vorlagen, Studien, orna-
mentalen Kompositionen und Zierrathen erster japanischer Maler und
Illustratoren in meisterhaften Holzschnittreproduktionen.

Au meinen weiteren Ausführungen übergehend, will ich nicht un-
erwähnt lassen, daß die meisten Reisenden voll Hellen Lobes über die
Japaner sind. Dieselben würden von einer Glücklichkeit getragen, um
die manche andere Rasse sie beneiden könnte. Ich will hier nicht für
alle die schönen und hohen Karaktercigenschaften der Japaner eintreten;
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