Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 1): Die Kunstdenkmäler des Kreises Konstanz — Freiburg i.Br., 1887

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.1229#0381

DWork-Logo
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
AMT KONSTANZ. — REICHENAU-NIEDERZELL. 357

Das KLOSTERGEBÄUDE, welches Bischof Fugger 1606 neu aufführen
Hess, lag nicht nördlich von dem Münster, wie der alte Bau, sondern stiess südlich
an die Kirche; 1838 von der Gemeinde angekauft, wird der Bau, soweit er, wie
die Fürstenwohnung, nicht abgebrochen ist, zu Gemeindezwecken benutzt. Der an
die Kirche stossende Theil ist Pfarrhaus. Der anstossende Flügel hat zwei drei-
stöckige Rundthürme mit Helmdächern und Wendeltreppen. Die Scheune zeigt
Barockgiebel, dsgl. Portal mit schönem fürstbischöflichem Wappen.

Von anderen Gebäuden der Insel (vgl. STAIGER S. 32 f.) sind zu er-
wähnen :

Der BAUHOF, früher Eigenthum des hl. Geistordens, 1567 diesem abgekauft
von Balth. Mayer, 1850 von den pensionirten Klosterfrauen von Münsterlingen
erworben.

Das KÖNIGSECKER SCHLÖSSCHEN, viereckiger, von vier Rund-
thürmchen flankirter Bau, den Grafen von Königsegg durch B. Johann VII für die
Chorherren von Beuron abgekauft (daher Beuroner Schlösschen genannt). Ein
späterer Besitzer, Hr. Deichmann, baute es 1843 um.

Das WILTLINGERSCHLÖSSCHEN, früher dem hl. Geistspital in
Memmingen gehörig, wurde 1680 von der Abtei Kreuzungen erstanden, in unserem
Jh. durch Hrn. v. Seyfried umgebaut.

Der RATZENRIEDER HOF, ehem. (1480) Hundpiss von Ratzenried
geh.) seit 1816 Privateigenthum. Im Keller Reste des alten Baues mit Findlings-
mauern; an beiden Seiten des Walmdachs ein eisernes Doppelkreuz.

Das ALTE RATHHAUS und der RASTHOF sind j. ganz umgebaut.

REICHENAU-NIEDERZELL

STIFTSKIRCHE S. PETER UND PAUL (s. Grundriss unserer Fig. 92,
ADLER Bl. f/I». Ausserumsicht eb. Bl. II3. Details eb. V'-5). Dreischiffige
flachgedeckte (Rocaille-Decke des 18. Jhs.) etwas nach Süden orientirte Säulenba-
silika, in drei nach aussen platt geschlossenen Apsiden ausladend, in allen Theilen
von grosser Einfachheit und geringen Dimensionen: Vorhalle 22' 7" 1., 21' 10" br.
Mittelschiff br. 21', 7", 1. 47', 8". Abseiten br. 10' 7" und 10' 6". Länge des
ganzen Baues 100', des Westbaues 85' 7" (nach ADLER). Man tritt durch eine
niedrige quadratische Vorhalle (einen Bau späterer Zeit, unter demselben ein bis
jetzt nicht untersuchtes Gewölbe) in das dreischiffige im 18. Jh. im Stil des Ro-
coco überarbeitete Langhaus, dessen fünf rundbogige Arcaden auf leise geschwellten
und verjüngten Säulen (vgl. unsere Fig. 87, ADLER Bl. V2~4) mit meist ver-
deckten Basen und sehr verschiedenen Capitellen, meist sehr roher Behandlung
(besser die a. a. O. abgebildeten Vierungs- und Apsispfeiler) ruhen. Die kurzen

n*

[357]
 
Annotationen