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Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 1): Die Kunstdenkmäler des Kreises Konstanz — Freiburg i.Br., 1887

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https://doi.org/10.11588/diglit.1229#0388

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364 KREIS KONSTANZ.

WINDECK oder 'Bürgle', 'Bürglin', ein Lehen der Abtei, das 1590
die Danketschwyl besassen, das dann an die Familie Gremiich kam, welche es
162g an wieder an die Reichenau, um 3000 fl., verkauften. Die Abtei Hess es
restauriren bez. umbauen (Datum 1667 über der Hausthüre und bei einem Kamin
des zweiten Geschosses) und benutzte es als Erholungsort der Conventualen. Einige
Daten des 18. Jhs. scheinen auf weitere Restaurationen zu deuten. Nach Auf-
hebung des Fürstbisthums wurde das Schlösschen von der Domänen Verwaltung 1817
verkauft. Es ging durch verschiedene Hände, bis es Eigenthum des jetzigen
Besitzers, Sanitätsraths Dr. Benzinger, wurde. Im untern Stock zeigt man eine
frühere Kapelle mit einem der Spätrenaissance angehörenden Gratgewölbe; im
obern mehrere Säle mit Täfelung des 16. und 17. Jhs. Im dritten Stock nach
dem See zu das Zimmer, welches Martin V zu Zeiten des Concils bewohnt haben
soll; auch dieses hat gute Renaissancetäfelung. Es ist das wol die von OHEIM
S. 160 erwähnte Wohnung des Papstes: 'ain lustigs hus und ort, da noch ain gemurate
kamer statt, die man nempt babst Martins Kam er'. NEUWIRTH sucht wol
mit Unrecht (S. ySJ die Martinskammer in einem nun verschwundenen andern Bau.

REICHENAU-OBERZELL

STIFTSKIRCHE DES HL. GEORG (Grundriss Fig. 95, dsgl. FICKLER
Taf. IV. ADLER Bl. III3. Durchschnitte bei FICKLER a. a. O. ADLER
Bl. IV 2- Ansicht ADLER Bl. II2. Details eb. Bl. V"-'6. Unsere Figg. 96, 87).
Dreischiffige Säulenbasilika mit Querhaus, geradlinig geschlossenem Chor, Krypta,
Vorhalle, wie Niederzeil zwei sofort zu unterscheidenden Bauperioden angehörend.
Wie dort ist auch hier die Osthälfte die ältere. Die Technik des Mauerwerks an
derselben (d. h. also an Chor, Krypta, Querhaus und Vierung mit dem über ihr
aufsteigenden mit einem Helmdach gedeckten Glockenthurm), welche ganz zu Nieder-
zell stimmt (ganz rohe, mittelgrosse Rheingeschiebe, in Mörtellagen eingebettet, nur
in den obern Parthieen des Thurms Eckquadern), die sehr kleinen Dimensionen
(Spannweite ig — 22' gegen 27' im Mittelschiff) und die äusserste Einfachheit der
Bildung sprechen für das karolingische Zeitalter. Die Krypta (9' 1" h.), durch
zwei tonnengewölbte und sich vereinigende Seitengänge zugänglich, hat sich ver-
jüngende und geschwellte Säulen (sVa' h.) mit ausladenden Capitellen in Bossen-
form, in welchen ADLER (S. 10, vgl. Bl. V2) byzantinische Art zu erkennen
glaubt (?) und deren Basen nicht mehr erkennbar sind. Die 22" br. Kryptafenster
sind stark geschmiegt; 3 X 3 rohe gedrückte Tonnengewölbe, ohne Gurte und Grate
sich durchschneidend (vgl. Längendurchschnitt bei ADLER Bl. IV'). Fussboden
mit Plattenbelag, etwas erhöht. Kleine Fenestellae verbanden, nach altchristlicher
Art, ehemals das westliche Tonnengewölbe mit dem Chor, wie in S. Gallen. Der
Altar der Krypta (Tit. s. Brigittae), ein roh zugehauener Sandsteinblock, und mit
nach unten abgeschmiegter Platte, kann der ursprüngliche sein.

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