Kraus, Franz Xaver [Hrsg.]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 1): Die Kunstdenkmäler des Kreises Konstanz — Freiburg i.Br., 1887

Seite: 455
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AMT PFULLENDORF. — PFTJLLENDORF. 455

PRIVATGEBÄUDE. Neben dem Rathhaus ein HAUS von Kloster-
wald, bez. 156g, mit drei Wappen.

FRUCHTSCHEUER, grosses Giebelhaus mit Staffelgiebel, an der Vorder-
seite zweibalkiges Kreuz "j mit dem unvollständigen Datum 15 . .

HAUS Schober No. 33: Hochinteressanter Holz- und Riegelwerkbau des
14. Jhs. An einer Ecke noch Molassesandstein-Buckelquadern. Der alte Innen-
eingang zeigt das Datum / 3 JA • . Also sicher eines der ältesten Privathäuser West-
deutschlands und eines der wenigen datirten der Zeit. In den Zimmern colossale
Balkendecken. Einige Thüren mit Täfelung. Der obere Theil ist spätgothisch auf-
gebaut. Ein Eisenofen hat das Datum 1714. Der untere Theil des Hauses
muss vor Befestigung Pfullendorfs gestanden haben, da die Stadtmauer angebaut ist.
HAUS 'zum Hof, ehem. Wohnung der Familie Hundbis, j. Bierbrauerei.
Zwei Häuser geben wir nach Zeichnungen des Herrn Maler Weysser
(Fig. 118 und 119), ersteres ist das des Mich. Sigle, letzteres, j. völlig verbaut.

SAMMLUNG des Bez.-Arztes Dr. Rossknecht. Zwei bemalte Majolica-
wappen von Salem, unten das Wappen mit dem Pelikan. — Sculptur aus
Hermansberg, die Krönung Christi; verdeckt mit Butzenscheiben. — Holz-
tafel von 1609: Christus zwischen Johannes und Maria — Einige Rococo-
und Zopfgemälde, z. B. ein Christus als Apotheker (!). — Rococoschneider-
wappen 1699. — Relief mit der Kreuzigung von 1751 (zugleich erneuerte
Zunfttafel von 1627).

Wohnung des OBERAMTMANNS (früher Zehnthof der Turn-Taxis).
Wappen von Petershausen. Im Garten ein Dreiviertel-RUN DT HURM ('Pfleger-
hofthurm' aus Ziegelwerk, mit guter offener Charpenterie und Schiessscharten.
HAUS No. 224 Wappen (in der Nähe der Bierbrauerei zum Baum).
RESTE der BEFESTIGUNGEN. Es haben sich beträchtliche Reste
der alten Stadtmauer erhalten; dsgl. stehen noch zwei nach innen offene
Rundthürme (von denen einer im Garten des Reg. Ober-Amtmannes, oben).
Den Ausgang der Stadt nach Zell hin beschirmen zwei gothische Thore,
ein inneres mit Staffelgiebel und zwei spitzbogige Einlasspforten; ein äusseres, dessen
Einlassthor von zwei halben Rundthürmen flankirt ist. (Vgl. unsere Fig. 120.)
Ueber dem äussern Relief: Darstellung des Gekreuzigten zwischen Maria und
Johannes, darunter ein Wappen (heraldischer Adler zwischen zwei wilden Män-
nern), über dem Crucifixus das Datum j H u 4 (also 1505 nicht 1404), auf dem
Kreuzestitel in gothischer Schrift i n t \, unter dem Wappen:

Üienohiert SCnno 1655
2Bnbere Äaljl anno 1771.

Beide Thore haben Balkendecken über dem Eingang.

MÜNZFUND. Beim Pflügen wurde auf dem fürstl. Fürstenbergischen Hofgut
Krähenried ein Topf mit alten Münzen, meist aus den J. 1630—40 auf-
gefunden (Acten des Gh. Minist, d. Inn.J.

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