Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 5.1930

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Kaffeehaus im Nürnberger Stadion

Architekt O. E. Schweizer

EIN KAFFEE

JUSTUS BIER

In Heft 10 hatten wir das Sonnenbadkaffee von
O. E. Schweizer im Nürnberger Stadion ver-
öffentlicht. Inzwischen hat Schweizer noch ein
zweites Stadionkaffee im Scheitel des hufeisenför-
migen Gartenhofes errichtet, der sich an die Tri-
bünenrückfront anschließt. (Vgl. den Plan „Form"
1928 S. 420, in den der Bau, der in der Gesamtpla-
nung vorgesehen, eingezeichnet wurde.)

Es ist Schweizer durch die Art der Einfügung des
kleinen Bauwerkes gelungen, dem Tribünenvorhof
eine stärkere räumliche Festigung zu geben und zu-
gleich durch die Zartheit und heitere Leichtigkeit
dieses Glasbaus einen Gegenwert zu der strengen
Tribünenrückfront zu schaffen. Die sehr reizvolle
Lösung eines zwischen zwei runde Gasträume ver-
spannten Büfetthauses entstand aus der Notwendig-
keit heraus, ein großes Büfett, das bequeme Bedie-
nung des zum größten Teil im Freien sich abspielen-
den Gastbetriebes ermöglicht, mit verhältnismäßig
geringfügigen, geschlossenen Gasträumen zu ver-
binden. Dem Charakter der Gasträume als Aussichts-
räume wie dem wegen der Gartenbedienung auf
starken Konnex mit dem Freiraum angewiesenen

Büfettraum entspricht die Ausbildung der gesam-
ten Front in Glaswänden, die an den Betonkrag-
dächern aufgehangen sind. Die runden Gasträume
sind vom Büfettbau auch konstruktiv gesondert. Sie
stellen schirmartige Betonkonstruktionen vor, mit
einem Mittelpfeiler, um den das Runddach frei aus-
kragt. Eine leichte Neigung dieser Dächer nach
ihrem Mittelpunkt ließ den Wasserablauf im Innern
der hohlen Mittelpfeiler anordnen, Festigkeit erhält
der Bau durch die massiv aufgemauerte Rückwand
des Büfetthauses, das in geschickter Grundrißanord-
nung auch Toiletten und zwei abgetrennte Räume
für Küche und Vorrat enthält. Der Reiz der Schau-
seiten wird ganz durch die gläserne Ungreifbarkeit
und Durchsichtigkeit des Bauwerks bestimmt. Ein
seltsamer Eindruck, wenn beim Umherwandern im
Tribünenvorhof sich die runden Glaskioske vor die
Tribünenfront schieben und der große ernste Bau
durch die leichte Glasarchitektur hindurch spricht,
die ihren eigentümlich fantastischen Charakter nur
streng architektonischen Mitteln, der konsequenten
Anwendung und Verbindung heutiger architektoni-
scher Elemente, verdankt.

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