Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 5.1930

Page: 407
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/form1930/0477
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
RUNDSCHAU

DIE AUSSTELLUNG „DER BILLIGE GEGENSTAND

Wir haben in Heft 7 des Jahrgangs 1929 der
„Form" ein Programm zur Reform der Kunstgewerbe-
museen entwickelt, das die Eingliederung des Serien-
erzeugnisses in die Sammlungen forderte, und zwar
nicht nur der Fabrikate, die durch ihre vollendete
Form als Spitzenleistungen anzusprechen sind, son-
dern auch der in der Form gesunden — wenn auch
nicht vollkommenen—, aber durch äußerste Billigkeit
als Standardleistungen hervorstechenden Gegen-
stände. Wir haben diesen Plan der Generaldirektion
der Frankfurter Museen vorgelegt, die besonderen
Anlaß hätte, mit den Sammlungen des Kunstgewerbe-
museums der vorbildlichen, alle Zweige moderner
Formung vorwärtstreibenden Arbeit Stadtrat Mays
zu sekundieren, und ihn weiter für die Neugestaltung
der Bayerischen Landesgewerbeanstalt in Vorschlag
gebracht, die für solche Aufgaben ihrer ursprüng-
lichen Bestimmung entsprechend besonders ge-
eignet wäre — leider in beiden Fällen mit bislang
negativem Resultat.

Dagegen hat die von Professor von Wersin leben-
dig geleitete „Neue Sammlung" in München soeben
eine Ausstellung herausgebracht, die eine erste Ver-
wirklichung solcher Gedanken darstellt. Die Aus-
stellung ist enger als ihr Titel, sie beschränkt sich
mit dem Erfolg gründlicher Darbietung auf die Woh-
nungseinrichtung vom fertig vorgeführten Zimmer bis
zur Kaffeetasse. Wichtiger als die eingerichteten
Räume — Schlafräume, Wohnzimmer, Küche, ein
Raum „Das bewegliche Heim" mit Wochenendhaus-
Mobiliar — sind die übersichtlichen Reihen einzelner
Gegenstandsgruppen vom Stuhl bis zu Tapeten,
Stoffen. Gläsern, Emaille, Steingut, Porzellan und
Bestecks. Besonders ausführlich ist das Tischgerät
gezeigt, vor allem die Auswahl an Glas und Porzellan
ist interessant. Die exakt durchbildeten neuen For-
men sind nur spärlich vertreten, weil sie sich bis auf
wenige Ausnahmen, etwa den Thonet-Stuhl, fast nir-
gends noch den billigsten Preisstandard erobert
haben, dagegen finden sich eine Fülle guter Fabri-

Foto Reidt, München

Teekannen von 0.80 bis 5.40, Kaffeekannen von 0.90 bis 2.50, Milchkannen von 0.30 bis 1. , Tassen von 0.15 bis 1.60 RM

p°ts et tasses de l'exposition d'objets bon marches

Teapots, coffee-pots, jugs and cups of the exhibition of cheap objects

407
loading ...