Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 5.1930

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PROBLEME DER MODE

RENATE RICHTER-GREEN

Das Tageskleid.

Zu gewissen Zeiten wurde ein Kleid um seiner
selbst willen geschaffen! Um ein Drahtgestell
herum drapierte man Stoffe, Spitzen, Sticke-
reien, Blumenranken, Bänder, Rüschen, Schlei-
fen. In dieses Dekor wurde eine Frau gesteckt,
um es zu bewegen.

Inzwischen bedingte eine neue Lebensweise
eine andere Kleidungsart.

Der Körper wurde nicht mehr eingeschnürt, um
seine Bewegungen nicht zu hemmen und der Ge-
sundheit nicht zu schaden____

die Röcke wurden kurz, um den Beinen Bewe-
gungsfreiheit zu geben ____

übermäßige Verzierungen fielen weg aus
Gründen der Hygiene und der Bequemlich-
keit ....

ohne aber zu einer bewußten klaren Neu-
gestaltung zu führen, wie wir sie z. B. in der
Architektur haben.

Die Modeschöpfer arbeiten ausschließlich für
die wenigen Frauen, die imstande sind, ein
Luxusleben zu führen.

Die Konfektion, die für die Minderbemittelten
da ist, kopiert diese Modeschöpfungen.

Aber 90 v. H. aller Frauen arbeiten heute, und
diese 90 v. H. brauchen eine rationelle Kleidung.

Es kann sich nicht darum handeln, fest-
stehende Gesetze zu geben. Das Leben ist in
fortwährender Bewegung. Es wandelt sich die
Vorliebe für Linie, Farbe, Haltung, und diese Be-

Foto: Lee Miller, Paris

Kleid aus blauweißem Wollstoff mit LedergUrtel, weißem
Kragen und Manschetten. Modell Cyber

Toilette en etoffe de laine blanc-bleu, avec ceinture de cuir, col
blanc et manchettes

Dress of blue and white woollen goods with leather belt and white
collar and cuffs

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