Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 5.1930

Page: 384
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/form1930/0450
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Gedenkmünzen, Entwurf Rudolf Bosselt

Medailles commemoratives
Commemorative coins

Wir haben einmal auch an einer Arbeit des Bild-
hauers Rudolf Bosselt, von dem der Entwurf zu
einer von der Öffentlichkeit und von uns abgelehn-
ten Münze stammt, Kritik üben müssen. Wir freuen
uns, hier zwei andere Arbeiten von Bosselt abbilden
zu können, die sich weit über alles erheben, was die
Staatliche Münze sonst in dem letzten Jahr heraus-
gebracht hat. Es ist uns unerfindlich, warum es
nicht gelingen soll, zum mindesten dieses Niveau
ganz allgemein zu halten. R-

BAUPOLITIK UND BAUWIRTSCHAFT

ALEXANDER SCHWAB

100 Millionen.

Wenn alles programmgemäß geht, wird bei Er-
scheinen dieses Heftes der Stand der Ankurbelungs-
aktion für den Wohnungsbau der sein, daß die Re-
gierung wunschgemäß die Möglichkeit haben wird,
noch vor Genehmigung des Haushalts über 100 Mil-
lionen Reichsmark für Wohnungsbauten zu verfügen,
und daß außerdem die Deutsche Bau- und Boden-
bank in der Lage sein wird, auf Grund einer sach-
lichen und zeitlichen Erweiterung des Reichsbürg-
schaftsgesetzes Zwischenkredite für zwei bis drei
Jahre, bis zur Beschaffung erster Hypotheken, in
höherem Maße als bis jetzt zu vergeben. (Schon
zum Jahresende 1929 war die Höhe der heraus-
gelegten Zwischenkredite der Bau- und Bodenbank
auf 185 Millionen gegen 119 zu Ende 1928, ange-
wachsen.) Das wird ganz gut und schön sein, aber
eben doch sehr wenig, und außerdem nicht ganz
unbedenklich. Was soll mit den 100 Millionen ge-
schehen? Es ist beabsichtigt, in Gegenden mit star-
kem Wohnungsbedarf und gleichzeitig starker Ar-
beitslosigkeit den Bau billigster Kleinwohnungen zu
fördern, und zwar durch Gewährung von billigen
Hypothekendarlehen zu ähnlichen Bedingungen wie
die Hauszinssteuerhypotheken.

Zwei grundsätzliche Fragen erheben sich,
unabhängig von der Höhe des Gesamtbetrags, und
ungeachtet einer Anzahl von Nebenfragen. Erste
Frage: der Verteilungsschlüssel; zweite Frage: der
Einfluß auf die Produktion. Zum Verteilungs-
schlüssel: es ist schon zweifelhaft, ob die Formu-
lierung „Gegenden mit starkem Wohnungsbedarf
und gleichzeitig starker Arbeitslosigkeit" glücklich
ist. Muß man nicht mit der Möglichkeit rechnen, daß
manche — nicht alle — Gegenden mit starker Ar-
beitslosigkeit dauernd Krisengegenden bleiben wer-
den? Sollte man nicht Klarheit darüber schaffen, ob
und wie aus solchen Gegenden eine Umsiedlung
nach andern Bezirken mit besseren Zukunftsmög-
lichkeiten bewerkstelligt werden kann? Diese Frage
der Landesplanung ist vielleicht doch wichti-
ger als die regionale Verteilung der Arbeitslosig-

keit; diese nämlich ist im Baugewerbe fast überall
gleich, und die Rückwirkung auf die Vorlieferanten
ist kaum regional festzulegen: Eisen kommt eben
aus Westfalen, Schlesien usw., Zement aus den
großen Syndikatswerken. Zur Produktionsfrage:
Hierzu hat der Reichsarbeitsminister einen Gesetz-
entwurf „über Maßnahmen zur Verbilligung des mit
öffentlichen Mitteln geförderten Kleinwohnungs-
baues" ausgearbeitet. Er will die Verteilung dieser
Mittel im Gegensatz zum bisherigen Verfahren
vom 1. April 1931 ab zur Hälfte bei den ober-
sten Landesbehörden zentralisieren und durch ver-
bindliche, vom Reichsarbeitsminister aufzustellende
Richtlinien regeln. Diese Richtlinien sollen umfassen
die Höhe der Hauszinssteuerhypotheken, die Bewilli-
gung zusätzlicher Mittel für Wohnungen für Kinder-
reiche, wirtschaftliche Planung, Vergebung und Aus-
führung der Bauvorhaben, Zahl der Wohnräume,
Größe der Wohnfläche, Ausstattung der Wohnungen.
Es wäre denkbar, daß man sich für diese Zwecke
zur Kontrolle im einzelnen der Reichsforschungsge-
sellschaft bedienen will. Es wäre schließlich denk-
bar, daß man sogar einen Druck auf die Kosten der
Baustoffe ausüben will.

Wir wissen nicht, ob solche Absichten bestehen.
Aber wenn sie bestehen, so kann man mit größter
Sicherheit darauf rechnen, daß ihnen die Bauwirt-
schaft (einschließlich mancher „gemeinnütziger" und
sogar mancher halbamtlicher Unternehmungen) den
zähesten Widerstand entgegensetzen wird, und daß
außerdem andere Ministerien ihre „Zuständigkeit"
entdecken werden .....

Anschriften der Mitarbeiter dieses Heftes:

Stadtbaumeister J. J. P. O u d , Rotterdam

H. de Fries, Professor der Kunstakademie Düsseldorf

Professor Paul Renner, Oberstudiendirektor der Gewerbeschule

München, Pranckhstr. 2
Hans Schmidt, Binningen bei Basel, Im Hölzli

Professor Dr.-Ing. Paul Klopfer, Oberstudiendirektor der Landes-

Baugewerbeschule, Holzminden
Dr. Alexander Schwab, Berlin W 57, Potsdamer Str. 93

384
loading ...