Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 5.1930

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KOGAN UND DIE GRIECHEN

W. RIEZLER

Wie unberührt von den Erschütterungen der denen ..aus zweiter Hand-', wie es zu Zeiten aus

Zeit schafft Moissej Kogan, der Jude aus Bes- der sehnsüchtigen Schwärmerei für entschwun-

sarabien, nun fünfzigjährig, seit Jahrzehnten in dene Schönheit entsteht. Es ist kein „Klassizis-

seiner Werkstatt in Paris kleine Figuren und Re- mus", sondern echte klassische Welt, wenn auch

liefs, die mehr als irgend etwas, das heute ent- in engem Bereich.

steht oder seit langem entstanden ist, der Welt Diese Tatsache ist merkwürdig genug. Der
der Griechen echt verwandt zu sein scheint: Rassentheoretiker freilich sollte sich darüber
Werke von einer vollkommenen, ganz unge- nicht wundern. Denn seit den großen jüdischen
brochenen Harmonie und einer strengen „Schön- Geistern der Spätantike hat durch die Jahrhun-
heit", wie sie den Schöpfungen der Griechen in derte hindurch, über Spinoza bis zu Felix Men-
einer ganz bestimmten, heute besonders hoch delsohn und Marees jüdisches Denken und jüdi-
geschätzten Epoche, der der olympischen Skulp- sches Schöpfertum immer wieder eine geheim-
turen, eigen ist, — dabei voll von unmittelbarer nisvolle Hinneigung nicht nur, sondern auch Ver-
Empfindung und einer echten Lebendigkeit, die wandtschaft zum klassischen Geist bewiesen,
sie deutlich scheidet von all dem Nachempfun- Aber in der Tat der Überlegung wert ist die

Relief, Terrakotta, glasiert

Moissej Kogan

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