Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 5.1930

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ZUM THEMA JUGENDHERBERGE

Jugendheim

Entwurf von Hermann Blomeier, Schüler der Landesbau-
gewerkschule Holzminden

Bereits in unserer Besprechung des Hauses der
Jugend in Aachen in Heft 19 des vorigen Jahrgangs
haben wir auf die Notwendigkeit hingewiesen, die
Bauten, die aus der Jugendbewegung und Jugend-
pflege heraus entstehen, in moderner Gesinnung zu
errichten. Wir haben uns gefreut, daß kürzlich Pro-
fessor Klopfer uns eine Nummer seiner Schulzeit-
schrift zuschickte, in der ein Entwurf für ein Jugend-
heim, von einem Schüler entworfen, abgebildet ist,
von dem auch wir eine kleine Skizze zeigen. Beson-
ders zu beachten sind einige Sätze aus den dazu-
gehörigen Ausführungen des Schülers, der selbst
mitten in der Jugendbewegung steht. Wir geben sie
im folgenden wieder:

„Die Jugendbewegung hat sich frei gemacht aus
den Fesseln der Tradition, hat ein Ziel, das wohl
nicht klarer als durch Rankes Worte ausgedrückt
werden kann: ,Stehen bleiben, es wäre der Tod:
Nachahmen, es ist schon eine Art von Knechtschaft:
eigene Ausbildung und Entwicklung, das ist Leben
und Freiheit!' — Diese Menschen flüchten im Som-
mer während ihrer Frei- und Sonntage aus den Stät-
ten des Lärms, des Hastens, des maschinellen Tak-
tes in den Rhythmus der Natur. Doch für die Abende,
für die kalten, regnerischen Tage, für Arbeit nach
außen (Darbietungen, Versammlungen) brauchen sie
einen Raum, um sich ihrer Gemeinschaft erfreuen
zu können.

Was für Räume standen den Jugendlichen und
ihren älteren Mitarbeitern bis vor kurzem zur Ver-
fügung? — Konnten sie in ,Gesellschafts'- oder
,Klubzimmern' der Gasthäuser ihre Gedanken aus-
tauschen, ihre Lieder singen? — Nein!

Zuerst aus eigenen Mitteln, später erfreulicher-
weise von städtischen und staatlichen Körperschaf-
ten unterstützt, entstanden überall, über ganz
Deutschland zerstreut, Jugendheime und -herbergen.

Doch sehen wir uns um, wandern wir durch die
Lande, was für Herbergen und Heime sind entstan-
den? — Fühlen wir schon bei der äußeren Erschei-
nung dieser Bauten: Hier wohnt neuer, junger Geist,
hier finden sich Menschen zu Arbeitsgemeinschaf-
ten? — Leider wird man diese Frage nur selten be-
jahen können, denn romantische Verirrungen haben
fast allen diesen Bauten den Stempel der Türmchen-
und Erkerromantik aufgedrückt. Alles ist Maske,
wirkt theatralisch, gar nicht dem Zweck ent-
sprechend, also: unwahr."

Wenn die Jugend so spricht, ist sie auf gutem
Wege. Hören wir dagegen, was ein Prähistoriker,
Wissenschaftler und Architekt, Franz Krüger, zu dem
Streit um die Lönsherberge in Müden bei Celle, die
wir in Heft 2 dieses Jahrgangs behandelten, zu
sagen hat:

„Ohne auf die gefühlsmäßigen Argumente einzu-
gehen, die immer so gewendet werden können, wie
man will, ist nur das zu sagen, daß nun einmal in die
niedersächsische Landschaft der klare ruhige Bau-
körper mit dem Steildach gehört, daß er mit ihr ver-
wachsen ist durch Überlieferung, daß hier geistige
Beziehungen bestehen, die nicht mit Redensarten
aus der Welt zu schaffen sind. Schließlich haben
ja auch die alten Meister ihre jahrhundertealte wirt-
schaftliche Erfahrung mit dem Steildach gemacht,
obgleich ihnen flache Abdeckungsstoffe zur Ver-
fügung standen, wie die Barockzeit beweist. Und
schließlich ist auch der niedersächsische Bauer nicht
so beschränkt, um nicht zu wissen, daß er das Zeit-
gemäßeste', das Modernste zur Lebens- und Wirt-
schaftsführung unter einem Steildach genau so gut
— und auf die Dauer billiger — haben kann, als unter
Pappdach ... Es ist alles Entwicklung, und wir Heu-
tigen kommen um die Tatsache nicht herum, daß wir
letzten Endes doch nur auf den Schultern unserer
Vorgänger stehen."

BAUPOLITIK UND BAUWIRTSCHAFT

ALEXANDER SCHWAB

Was wird aus Berlin?

Die Diskussion über das künftige Schicksal der
Reichshauptstadt mußte einmal kommen. Sie wurde
zwar unerfreulich und wenig sachlich begonnen,
aber jetzt ist schon festzustellen, daß sie in sach-
lichere Bahnen einzulenken beginnt. Nachdem vor

kurzem der Wettbewerb um den Reichstagsausbau
eine Frage des künstlerischen Städtebaus in den
Blickpunkt gerückt hatte, wird jetzt das Problem
Berlin wirtschaftlich und verwaltungsmäßig ange-
schnitten. Zwei Tendenzen stehen sich hierbei
gegenüber: die eine zielt auf eine Einkreisung.

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