Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 5.1930

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Fotografenatelier von Man Ray

Rayogramm von Man Ray

„Kopf" von Hans Arp

PARISER MOMENTAUFNAHMEN

ROGER GINSBURGER

Wieder ein Salon cTAutomne. Tausende von Men-
schen drängen sich am Eröffnungstage an Tausen-
den von Bildern vorbei. Die Menschen sehen aus,
als ob sie nicht wüßten, was sie hier tun. Die Bilder
auch. Sie erinnern an Manet, Renoir und Monet, an
Cezanne und van Gogh und Matisse und an viele
andere noch, mais en moins bien. Welche Ver-
schwendung von Leinwand und wozu? Wer will
diese Landschaften ansehen, wer sich diese Akte
ins Wohnzimmer hängen? Wer braucht das
heute?

Unten hat man zur Erfrischung und Erneuerung
Aquarelle und Zeichnungen von Kindern aufgehängt.
Schade, daß sie in 10 Jahren alle so malen werden
wie die richtigen Maler. Hoffentlich hören sie auf,
ehe es zu spät ist.

Daneben sind die „Dekorateure". Sie dekorieren.
Die große Mode: Metallsessel! Meist sind es nur
Holzmöbel aus Metall, mit Lötstellen statt Ver-
zapfungen. Die Beleuchtungskörper sind mit Liebe
und Geist durchgestaltet. Sie bestehen oft aus
mehreren Zylindern, die sich überschneiden. Vor
2 Jahren waren sie kubischer. Wie werden sie in
2 Jahren sein? Auch Materialschwelger sind da
mit rohem Holz und Sohlenleder. — Der Stand von
Le Corbusier—Jeanneret—Charlotte Perriand ist
noch ein Trümmerfeld zwischen 2 Segeltuchvorhän-
gen. Eigentlich sind wir deswegen gekommen!

Von da zur Ausstellung von Man-Rays älteren
Bildern und neusten „Rayogrammen". Hier erholt
man sich ein wenig. Und doch, ich weiß nicht, was
soll es bedeuten —, ist es die Grabesluft des
Herbstsalons oder Vorahnung, fangen wir nicht schon
an, genug Fotogramme gesehen zu haben?

Am Sonntag geht man hinaus zum Messegelände,
angelockt durch die Plakate des O.T.U.A. (Office
technique pour PUtilisation de l'Acier): „Demain les
maisons seront en Acier, aujourd'hui venez les voir
ä l'Exposition de l'Habitation.'- Man kommt und sieht
und staunt und denkt, daß das Comite des Forges
wirklich eine unglaubliche Macht besitzen muß. um
solch einen Bluff wagen zu können. Blechkästen,
die man zusammensetzt und deren Hohlraum man
mit „irgend etwas" ausfüllt, oder richtige Eisen-

konstruktion, innen und außen mit Blech bemäntelt.
Womit denken diese Leute nur? Am Rand des fla-
chen Daches aber hängt stolz ein Blechkasten als
Gesims!

Galerie Goemans. Cahen und Frau Arp

Galerie Goemans. Cahen und Frau Arp

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