Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

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V,
Da die neue Kunftgefinnung fiel} von vornherein nid)t mit dem Ballaft eines feft-
umriljenen Programms und beftimmter Doktrinen befdßwert hat, läßt fie für die Ent-
wicklung der Landfchaftsmalerei die Möglichkeit einer weiteren Steigerung erhoffen.
££Iir dürfen in den bisher vorliegenden Klerken vielleicht die Ergebniffe ihrer Sturm-
und Drangzeit erblicken, die Vorboten einer zukünftigen Äusdruckskunft, für die ein
neu heranreifendes Gefdßecht völliges Verftändnis bekunden wird, — ein Gefchlecht,
das [ich nicht damit zufrieden gibt, in der Kunft die materialiftifche Note des nach
Augenblickserfolgen jagenden modernen Lebens widergefpiegelt zu finden, deffen
Sehnfucht vielmehr auf Ewigkeitswerte, auf die Ideen der Erfcheinungsformen gerichtet
ift. Der Künftler der 3ukunft Toll ein Führer durch das weite Reich diefer Ideen, ein
Interpret des unendlichen Reichtums der Natur fein, deren tiefe Symbolik er uns er-
kennen lehrt. Er wird zwar felbft wohl [tets ein Suchender fein, aber zugleich auch
ein RJiffender, der durch göttliche Eingebungen begnadet, für das geheimnisvolle Leben
der Natur und den 3ufammenhang und die wunderbaren Klechfelwirkungen der kos-
mifchen Erfcheinungen einen Ausdruck und eine Sprache finden wird, die auch die
Seele des Befchauers mit einer Ahnung für den hohen Sinn und die ewige Bedeutung
der Geheimniffe des Alls zu erfüllen vermag. Vielleicht wird der ülunfd) und die
Sehnfucht einer ganzen Generation in der Schöpfung [olcher Kunftwerke Geftalt und
Ausdruck finden.


Rbb. 7. Franz Seckendorf. Fjüttenwerk.

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