Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

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L. PI). Debucourt. In Farben.
Verweigerung von dekorativen Kunftblättern des 18. Jahrhunderts durch K. E. FJenrici, Berlin, am 25. Oktober.

eben erfcßienenen 2. Serie der „Jungen Kunft“
und machen ganz befonders auf diefe poftume
Veröffentlichung aus feinem graphifchen Klerke,
deffen Katalog von Ädolf Bebne bearbeitet
wird, aufmerkfam.
Neue Büdjer und 3e^fd)riften
Die Freude
„Blätter einer neuen Gefinnung“ heißt der
Untertitel diefer fcbönen 3eitfchrift, die Klil-
heim Ußde, der verdiente Klegbereiter Fjenri
Rouffeaus, von der Burg Lauenftein in Ober-
franken aus in die Kielt fcbickt. Klas der Her-
ausgeber will, derRepräfentant der beften Geiftig-
keit diefer 3eit ift, hat er in einem erften Beitrag
unter dem Stichwort „Neue 3iele“ klar um-
fcbrieben. Diefe Klorte find Programm eines
fcböpferifcben Menfchen, der aus der Liebe,
der Inbrunft und heißem Bekennen zur reinen
Menfcblicbkeit die neue Gefinnung wacbfen fiebt,
die politifcb und geiftig die innere Bindung
vollzieht. Huf die Jugend, die Cräger der 3u-
kunft ift und in der Gefahr lebt, wieder wie
früher einer brutalen und materiellen Lebens-
auffaffung zu verfallen, gründet fid) zumeift die
Hoffnung auf die kommende Erneuerung, die
allein aus dem gegenwärtigen 3uftand des 3er-
falls herausführen kann. Über die nationali-
ftifcbe Befcbränktbeit hinaus gilt es, die Liebe
zu einem weiteren Vaterland „Europa“ zu wecken.
Diefe Verinnerlichung des geiftigen Menfchen findet
in der Pflege der Kunft ihren reinften Nieder-

fdjlag. Ein neues Deutfcbland, „das nicht durch
den Prunk feiner Uniformen und Klaffen die
Kielt bedroht und erfcbreckt, fondern durch den
Reichtum und Glanz feines Geiftes unter den
friedlich vereinten Völkern Europas den Plag
behauptet, der ihm gebührt“, ift legtes 3'iel
diefes von Ubde verkündeten Programms, das
weitefter 3ußimmung ficber fein darf. — Aus-
druck der hier mit wenigen Klorten umriffenen
neuen Gefinnung ift das vorliegende erfte Heft
diefer neuen 3eitfcbrift, das als ftattlicber Band,
mit prachtvollen Cafeln durchfegt, vor die Öffent-
lichkeit tritt. Huch in den literarifeben und künft-
lerifchen Beiträgen tritt die Cendenz der Menfcb-
heitsverföbnung durch den Geift der Liebe über-
zeugend hervor. Huffäge, wie der von Heinrich
Simon, „Der Kampf für die Jugend“ oder des
Grafen Kegferling Effay über den „Sozialismus
als allgemeine Lebensbafis“ haben über den
Rahmen der 3eitfchrift hinaus allgemein pro-
grammatifcbe Bedeutung. Daneben aber find
es die rein künftlerifcben Dinge, die textlich und
illuftrativ das neue Programm des „guten Euro-
päers“ Ubde überzeugend belegen. Fra Hnge-
iico und Boltraffio fteben neben Chagall, Picaffo,
Klee, Braque, Rouffeau, Cboma u. a. auf der
gleichen Linie, fobald man diefe Dinge über den
Rahmen zeitlicher und örtlicher Begrenztheit
hinaus im Sinne reiner Menfcblicbkeit wertet.
Im ganzen ein herrliches Buch, ein prachtvolles
Dokument wahren deutfdjen Geiftes, fo wie ihn
ähnlich Schillers Klorte über „Deutfcbe Größe“
widerfpiegeln, die das Heft eröffnen. Diefe

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