Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

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Verfd)iedenes — Bevorftefyende Verfteigerungen

Collalto (bei Conegliano) die mit leidenfdjaft-
lichem Temperament hingezauberten Fresken
des Pordenone, und ebenfalls da verfchwanden
die CHandbilder des edlen Tomafo da Modena.
Neugeordnet wird die Accademia. Mit fo
vielem, fpeziell aus der Kliener Sammlung
bereichert, gibt fie nun manches den Kirchen
der Stadt zurück. Die vom Prior des Frari-
klofters 1518 beftellte Himmelfahrt Tizians, die
fid) in der Äkademie befand (während des
Krieges in Pifa), ift bereits in der Kirche in Er-
wartung ihrer Aufteilung am F>auptaltar. Es
ift wohl vorauszufe^en, daß hier das Meifter-
werk in feiner wahren, urfprünglichen Pracht
bezaubernd wirkt, da Tizian die Tafel eigen-
händig in der Kirche malte. — Im Palazzo
Reale, den der König der Stadt gefrfjenkt, foll
nun das ftädtifche Mufeum önterkunft finden.
An diefer Stelle müffen wir auch den Tod des
Direktors diefes Inftituts, des Profeffor Scrinzi,
vermelden, der fich jedem, auch nicht empfohlenen,
unbekannten Forfcher unermüdlich felbft zur
Verfügung ftellte. — Das Arcbäologifcbe Mu-
feum im Dogenpalaft wird nun auch nach feinem
alten Silj verlegt, und zwar in die eigens von
Scamozzi erbauten Säle.
Schließlich, nach fünfjährigem Schlummer, wird
nächften Hpril die internationale Kunftausftellung
wieder ihre Tore öffnen. Es ift die zwölfte,
die hier abgehalten wird. Gefchloffen werden
hier die Schweiz, die Tfchecho-Slovaken und
Polen auftreten. Der langjährige Leiter diefer
Ausftellung, Äntonio Fradeletto, ift zurückgetreten
und an feiner Stelle haben die Kunftkritiker
Vittorio Pica und Romolo Bazzoni die Leitung
übernommen. L. Br.
Neuentdeckte Zeichnungen von Üdil-
liam Blake
Der bekannte englifche Dichter und 3eidbner
(1757—1827) gehört entwicklungsgefchichtlid) zu
jenen Künftlern, die in der Art ihres primitiven,
aber dennoch vifionären Schauens dem mo-
dernen Exprefßonismus befonders nahe ftehen.
Schon aus diefem Grunde wird die von der
Times veröffentlichte Tatfache auch in deutfchen
Kunftkreifen intereffieren, daß kürzlich unter den
Schäden des Herzogs von Hamilton ein un-
bekannter Band mit 114 3eichnungen von Blake
zu den Gedichten Grags wiedergefunden werden
konnte. Das Buch ift feinerzeit ein Gefchenk des
Künftlers an die Frau des bekannten 3eid)ners
Flaxmann gewefen und dürfte kurz nach 1790
entftanden fein. Äuf der erften Seite befindet
fich eine Federzeichnung Blakes mit dem Bilde
Flaxmanns.

Kfeftdeutfdje Baufezeffion
Onter diefem Namen haben, zunächft in Darm-
ftadt, einige Architekten eine neue Vereinigung
gefchaffen, die die radikal und fortfchrittlid)
gefinnten Architekten Kleftdeutfchlands zufam-
menfaffen will. Sie hat fich die Aufgabe ge-
teilt, keine wirtfchaftlichen Siele anzuftreben,
fondern Schaffung und Aufbietung alles erreich-
baren Einfluffes zur Durchfel^ung künftlerifcher
und kunftpolitifcher Formgedanken; Stärkung
jedes einzelnen in feinem radikalen Formwillen;
Pflege entfchloffener moderner Baugeftaltung
im ftaatlichen und privaten Bauwefen. Das
künftlerifche Programm ift auf Poelzig, Gropius
und Taut bafiert, welche fich ebenfalls der Be-
wegung angefchloffen haben. Die Gründung
geht von den Darmftädter Architekten Em. J.
Margold und Ard). Ing. Soeder aus.
Der Kun ft markt
Bevorftetjende Verfteigerungen
Eine Verfteigerung oftafiatifdjer
Kun ft in Berlin
In der 3eit vom 16. bis zum 18. März findet
durch Rudolph Lepke eine Verfteigerung von
Dubletten aus der Sammlung oftafiatifcher Kunft
der Berliner ftaatlichen Mufeen ftatt, die im
ganzen 1144 Nummern umfaßt, über die ein
reichilluftrierter Katalog im einzelnen Auskunft
gibt. Diefem hat der Direktor des oftafiatifchen
Mufeums, Prof.Kümmel, ein Vorwort beigegeben,
das in knappen 3ügen das Klefentlichfte unter-
ftreicht und den Charakter der Sammlung um-
reißt. Klie Kümmel mitteilt, beftand die Abficht
der nunmehr ftattfindenden Auktion bereits vor
dem Kriege. Vor allem find es die reichen
Schenkungen der lebten Jahre gewefen, die
vielleicht den lebten Entfchluß befrfjleunigt ha-
ben, das Entbehrliche auszufondern, um für die
neuen Mittel noch vorhandene Lücken zu füllen.
Von den Gemälden kommt nur eine kleine
Anzahl unter den Hammer und zwar meift folche
Dinge, die bereits in großer Anzahl und Güte
in der Berliner Sammlung vorhanden find. Auch
die plaftifchen Klerke find nicht fehr zahlreich
vertreten. Doch bringt diefe Abteilung nicht
nur eine hervorragende Arbeit des 12. Jahr-
hunderts, fondern auch eine kleine Anzahl früher
chinefifcher Skulpturen (Nr. 16—22), die, wie der
Verfaffer fagt, troij ihres handwerklichen Cha-
rakters die Größe des plaftifchen Stils der Ct)i-
nefen deutlich offenbaren. — Am breiteften ift

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