Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

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Neue Bücher und 3^itfct)riften

Sein Hauptwerk ift Michael Pacher gewidmet.
In einem 1911 erfchienenen Sammelwerk unter
dem Citel „Michael und Friedrich Pacher“ t)at
Semper feine grundlegenden Ärbeiten über das
Gefamtgebiet der Kunftgefchichte Cirols vereinigt.
— Der Hamburger Baudirektor Prof. Schumacher
ift zum Stadtbaurat und Beigeordneten der Stadt
Köln als Nachfolger des verftorbenen Rehorft
berufen worden. Klie man hört, wird Schu-
macher zunächft nur für drei Jahre nach Köln
gehen. Für diefe 3eit ift er vom Hamburger
Senat beurlaubt worden. — Dr. Ulrich Chri-
ftoffel, bisher an der Münchner Pinakothek,
ging als Direktorialaffiftent an die Galerie in
Bafel. — Dr. Friedrich Behn, Äffiftent am
Römifch-Germanifchen 3entralmufeum in Mainz
und Privatdozent an der tedmifchen Fjocbfchule
in Darmftadt ift zum Profeffor ernannt worden.
— Der Münchner Privatdozent Dr. Paul Frankl,
der ein tiefgründiges Klerk über die Entwick-
lungsphafen der neuen Baukunft gefchrieben hat,
ift als Nachfolger Klaetjoldts auf den Lehrftuhl
für Kunftgefchichte als ordentlicher Profeffor an
die Univerfität Fjalle berufen worden. — Karl
Piepho, der bekannte Münchner Maler und
eines der älteften Mitglieder der Sezeffion ift
Ende Mai im Älter von 52 Jahren in München
geftorben. — Prof. FJans Poelzig, deffen Be-
rufung nach Berlin zur Übernahme eines Meifter-
ateliers kürzlich gemeldet wurde, ift zum Mit-
glied des Senats der Berliner Akademie der
Künfte ernannt worden. — Äls Nachfolger Lud-
wig Manzels wurde Max Liebermann zum
Präfidenten der Berliner Akademie der Künfte
gewählt. Die Klahl bedarf noch der Beftätigung
des Kultusminifters.
Neue Bücher und 3eitfd)riften
Das Leben Ädolplj Menzels
nennt Guftav Kirftein ein reizvoll ausgeftat-
tetes Buch, das mit vier farbigen Uafeln und
achtzig Abbildungen vor einigen Monaten bei
E. Ä. Seemann, Leipzig erfchienen ift. Klarm
und mit perfönlicher Änteilnahme gefchrieben,
ift es das Buch über den Menfchen Menzel,
deffen kriftallklares Erdendafein hier wie auf einer
jener fchönen Gouachen des Künftlers — ge-
wiffermaßen mit einem biedermeierlichen Unter-
ton — neu zum Leben erfteht. Gm die einfach
fchlichte Erzählung diefes feltenen Künftler-
fchickfals, das durch die Einbeziehung all jener
Dokumente fowie der Korrefpondenzen mit der
Familie und den wenigen nahen Freunden dem
Lefer perfönlid) nahe gerückt wird, fchlingt fich

wie in einer feinen Arabeske von echtem Menzel-
ftil Kiefen, Bedeutung und Entwicklung des
künftlerifchen Schaffens felbft, deffen Perioden
ohne künftliche Differenzierungen, aber doch in
kluger Pjeraushebung des Klefentlidben, über-
fichtlich gefchieden werden. Diefer inneren An-
lage nach ift Kirfteins Arbeit eine fet>r will-
kommene Ergänzung der bisher vorliegenden
Menzel-Literatur. Es ift ein Volksbuch im beften
Sinne des Klortes und fo nahe wir auch zeitlich
noch dem Ablauf diefes Künftlerlebens ftehen,
beim Lefen diefer Seiten überkommt uns merk-
würdig genug das Gefühl, als läge jenes Seit-
alter, dem der „Fjofmaler“ Adolph Menzel in
feinen Klerken einen unvergänglichen Stempel
aufgeprägt, wie eine Ewigkeit weit hinter uns.
Es ift Fontane-Stimmung in dem Buch und etwas
von dem Motto diefes Dichters, das eingangs
dem Bilde der „kleinen Exzellenz“ gegenüber-
geftellt ift, liegt von ungefähr auch wie ein leife
mitfehwingender Akkord über diefer fchönen und
gefdßloffenen Darftellung eines deutfch-berline-
rifchen Künftlerlebens. B.
Liebhaberausgaben der Öfter-
reidjifdjen S t a a t s d r u ck e r e i
Es ift nicht das erftemal, daß eine Staats-
druckerei es unternimmt, eine Reihe von Klerken
in bibliophilen Ausgaben erfcheinen zu laffen.
Alle diefe Unternehmen konnten fich eines glän-
zenden Erfolges erfreuen, ich brauche nur an
die Verausgabe des Nibelungenliedes durch die
Reichsdruckerei mit den prachtvollen Illuftrationen
von Sattler zu erinnern. So werden es die
Bücherfreunde mit großer Freude begrüßen, daß
auch die Öfterreichifche Staatsdruckerei be-
abfichtigt, ihre bibliophilen Veröffentlichungen
durch eine Reihe von Mufterdrucken zu er-
gänzen. Äls erfter Band follen „Die Märchen
des Steinklopferhans“ von Ludwig Anzengruber
erfcheinen, die Segnungen für den Einband
und der Buchfehmuck werden von dem bekannten
Kliener Graphiker Dr. Rudolf Junk beforgt. Es
ift bezeichnend für den Geift des Unternehmens,
daß als erftes das fchöne Klerk diefes echten
kernigen Volksdichters gewählt wurde. 3wölf
Exemplare der Ausgabe werden auf Japan-
Dokumentenpapier in Ganzledereinband und
200 Exemplare auf beftem, altem Büttenpapier
in gutem Pappband hergeftellt. Der Subfkrip-
tionspreis beträgt für den Lederband 3000 Kro-
nen (2000 Mark) und für das andere Exemplar
600 Kronen (400 Mark), die Subfkriptionsfrift
läuft anfangs Juni d. J. ab. Der hübfehe Profpekt
läßt gute Qualitätsware erwarten. v.R.

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