Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

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Entwurf von Albin Müller für ein Krematorium in Magdeburg.

Faflung II.

wirtfcfjaft entartet ift. So notwendig und er-
frifchend fonft auch der Kampf auf künftlerifchem
Gebiet fein mag, in unferer 3eit haben die
Äkademien mit ihrem veralteten Lehrbetrieb
jede Exiftenzberechtigung längft verloren. Vor-
gänge wie die hier aufgezeigten, müffen not-
gedrungen die Antipathie gegen den offiziellen
Kunftbetrieb im demokratifchen Preußen ver-
mehren und werden hoffentlich unfreiwillige
Schrittmacher einer nahen Erneuerung fein. ß.
Denkmalpflege
Die Kunftdenkmäler von Salonik
Prof. Strzygowfki ftellt uns folgende briefliche
Mitteilung des Fjerrn A.Grohmann über die Kunft-
denkmäler von Salonik zur Verfügung: „Bei
dem Brande ift die Fjagia Dimitria leider voll-
kommen zerftört worden. Es befteht keine Fjoff-
nung, die vorhandenen Crümmer für den Neu-
aufbau mit zu benützen. Die fchönen Säulen
find durch die Fjitje ganz verkalkt und werden,
foweit fie noch ftehengeblieben find, mit Eifen-
reifen zufammengehalten. Es ift jammerfchade,
daß diefes Bauwerk nicht gerettet werden konnte.
Betreffs des Wiederaufbaues möchte man von
fremder Seite, daß eine neue Demetriuskirche
an anderer Stelle erbaut werde, während die
fachverftändigen griectjifchen Kreife dafür ein-
treten, die neue Kirche auf den Grundmauern
der alten, welche ftark genug feien, zu errichten.
Man hat die unteren Gewölbe und Gänge von

Jahrhunderte altem Schutt gefäubert und kann
darin frei horumgehen, weil eiektrifche Beleuch-
tung eingeleitet wurde. Bei den Aufräumungs-
arbeiten find viele intereffante Funde gemacht
und mit Sorgfalt gefammelt worden. Da gibt es
eine önmaffe von Krügen in allen Größen und
Formen, fogar dünne Glasgefäße, wahrfcheinlich
für die Aufnahme des wundertätigen Öles be-
ftimmt, ferner Majolikaplatten, Mofaiken und
Verfdjiedenes. Man ift auch auf ein leeres Grab
geftoßen, beiläufig in der Mitte der Kirche; es
könnte vielleicht angenommen werden, daß fich
die ehemalige Grabftelle des Fjeiligen dort be-
fand, bevor fie nach der noch begehenden Seiten-
kapelle, dem angeblichen Gefängnis, verlegt
worden ift.
Die Fjagia Paraskevi ift zur 3eit mit thrakifchen
Flüchtlingen belegt, die leider viel dazu beige-
tragen haben, daß die noch vorhandenen Mo-
faiken zum Ceil verfchwinden. Die Fjagia Sofia
ift fo ziemlich unverändert geblieben, d. h- fo,
wie nach ihrer wenig kunftverftändigen Reftau-
rierung vor dem Befudje Sultan Mehmets im
Jahre 1909. Man hat eine neue Ikonoftafis ein-
gebaut (nach Entwurf von Peonides), einen Por-
tikus zum Vorhof (nach Entwurf von 3ahos)
und hat beim Brande wieder Anhaltspunkte ge-
funden, daß fich in der Umgebung der Fjagia
Soßa verfchiedene unterirdifcße Baulichkeiten be-
finden müffen. Bekanntlich liegt ja das ganze
Gebäude jetjt viel zu tief im Vergleiche zur
Straßenhöhe.“ 8. Juni 1920.
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