Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

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Ausheilungen

Von Künftlern und Gelehrten

feine Gemälde wirken in fatter Farbengebung
ßarmonifd) und im Aufbau durchaus gefcßloffen.
Das Landfcßaftlicße liegt ißm entfcßieden beffer
als das Figurenbild, in dem er zu leidet dem
Modegefcßmack Konzeffionen zu machen fud)t.
Die gediegene Gründlichkeit aber wird den jungen
Künftler ficßerlicß auch) über diefe Krife hinweg
zu weiterer Äusgeftaltung feiner Kunft führen.
Bei Gur litt füllt Bruno Krauskopf zwei
Säle mit Gemälden, bei denen dasfelbe zu fagen
wäre wie bei feinem Vorgänger in diefen Räu-
men, Kohlhoff: Qleniger wäre mehr gewefen.
Ivo Fjauptmanns Pointilismus, der uns auch
in der „Freien Sezeffion“ begegnet, wirkt etwas
fatal und befriedigt durchaus nicht. Dagegen
find Ä. Faiftßauers Porträts fehr intereffante
Leiftungen eines Künftlers, der feine eigenen
Qiege geht und Geftaltungsmöglichkeiten findet,
die feine Kunft einer weiteren Beachtung wert
erfcheinen laffen. Fjans Garbes Plaftiken mit
ihrer auf die äußerfte Formel gebrachten Kon-
zentration, die fiel) ganz in Rhythmus und Linie
auflöft und fernab aller Realität ganz Klang-
farbe zu werden verfucht, bilden den plaftifcßen
Schmuck der Äusftellungsräume.
Am 15. Mai werden die Berliner Sezeffion
und die Kunftausftellung am Lehrter Bahnhof
ihre Core öffnen, fo daß uns für den kommenden
Monat eine gewaltige Kunftfcßau in Äusficßt
fteßt. Karl Schwarz.
Die Berliner Sezeffion
ift von der Galerie Kleykamp im Fjaag zu
einer Kollektivausftellung eingeladen worden,
die am 1. Mai eröffnet wurde. Es ift die erfte
Äusftellung nach dem Kriege, die Qlerke deut-
feßer Künftler in Rolland zeigt.
Große Kunftausftellung Breslau 1920
Der Künftlerbund Scßlefien veranftaltet im
Verein mit dem Scßlefifcßen Mufeum der bil-
denden Künfte und der Akademie für Kunft und
Kunftgewerbe in diefem Sommer während der
Monate Juni-Juli eine Kunftfcßau im Äusftellungs-
gebäude der Jahrhundertfeier in Breslau, die nicht
nur Scßlefifcße Kunft, fondern auch Qlerke der
bedeutendften Künftler aus ganz Deutfcßland
zeigen wird.
Qm eine vollkommene Objektivität zu wahren,
wird die Äusftellung einen rechten, der die Im-
preffioniften und einen linken Flügel, der die
jüngere Kunft bis zum Expreffionismus umfaßt,
aufweifen, wodurch eine Überficßt über den Stand
des deutfeßen Kunftfcßaffens gegeben wird.
Die Räume des Poelzigfcßen Husftellungsßaufes
in Scßeitnig-Breslau find von der Stadt Breslau
in dankenswerter Qleife koftenlos zur Verfügung

geftellt worden. Die nötige ßnanzielle Bafis ift
durch geictmung eines Garantiefonds, der meßr
als das Doppelte der erforderlichen Fjöße erreicht
ßat, gefeßaffen.
Die Jury, die die Beurteilung und Äuswaßl
der eingefandten Kunftwerke vornehmen wird,
fetjt fieß aus folgenden Fjerren zufammen: Max
Berg, Robert Bednorz, FJeinz Braune, Cß.Effen-
berger, Äuguft Endeil, Cß. v. Gofen, L. QI. Gut-
bier, Karl Fjanufcß, Siegfried FJaertel, Oskar Moll,
Otto Mueller, Max Olislicenus.
Die Anmeldung der Qlerke feitens der Künftler
ßat zu erfolgen bis zum 5. Mai d. J., die Ein-
fendung vom 10.—15. Mai. Äusftellungspapiere
find zu haben von der Gefcßäftsleitung, Galerie
Ernft Arnold, Breslau V, Cauentjienplatj 1,
Cßemnit^
Die Galerie Gerftenberger zeigt eine
Corintß-Äusftellung, die am 11. April mit
einem Vortrage von Dr. Schwarz aus Berlin
eröffnet wurde. An FJand der ausgeftellten
30 Gemälde aus allen Schaffensperioden des
Meifters, dem vorzüglich vertretenen grapßifcßen
Qlerke und zahlreichen 3eicßnungen, entwickelte
der Redner vor einem dichtgedrängten Audito-
rium ein lebendiges Bild von dem Künftler und
Menfcßen Corintß und vertiefte fomit das Inter-
effe für diefe mit vielem Verftändnis zufammen-
geftellte Äusftellung.
Von Künftlern und
Gelehrten
Dr. Oskar Münfterberg
der Mentor der oftafiatifeßen Kunft, ift am
12. April im Älter von 54 Jahren in Berlin ge-
ftorben. Münfterberg war von Beruf Kaufmann
und ift als folcßer zuerft mit der Kultur des
Oftens in direkte Berührung gekommen. Er
felbft war Sammler, und wenn es feinen Arbeiten
auch oft an einer tiefgegründeten wiffenfeßaft-
licßen Disziplin gefehlt ßat, fo find doch feine
beiden Hauptwerke über die „Kunft Japans“ (in
drei Bänden) und die zweibändige „Cßinefifcße
Kunftgefcßicßte“ bedeutfame Schrittmacher auf
dem Olege der wiffenfcßaftlicßen Durcßforfcßung
der öftlicßen Kunftkultur gewefen.
Berlin
Frl. Prof. Frida Scßottmüller ift zur Direk-
torialaffiftentin der Abteilung für Bildwerke der
cßriftlicßen Epoche am Kaifer-Friedricß-Mufeum
ernannt worden.
Dresden
Cornelius Gurlitt, der kürzlich feinen 70. Ge-
burtstag feiern konnte, ßat feine Lehrtätigkeit als

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