Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

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Kunftpolitik — Sammlungen

wol}lfal)rt, mit dem dringenden Erfucben um fo-
fortige Gefeßesänderung weitergegeben werden.
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Nochmals d e u t f d) - f r a nz ö fi [ d) e
Kunftbeziel)ungen
3u der im lebten beft an diefer Stelle abge-
druckten Mitteilung fcßreibLuns der „Sturm“"
Berlin:
„Wiederaufnahme der deutfcb - franzöfifcben
Kunftbezielmngen? — Qnfere Beziehungen waren
nie unterbrochen. Seit einem Jahre wecbfeln
wir Briefe mit Leger, mit Gleizes, mit Arcbi-
penko, mit einer Anzahl neuer Künftler, mit
Delaunay, Frau Delaunay u. a. Von der letzt-
genannten haben wir bereits eine Äusftellung
gebracht, um die [ich die gefamte Kritik nicht ge-
kümmert hat. Im näcbften Monat [teilen wir eine
belgifcbe Künftlerin, Cour Donas, Schülerin von
Hrcbipenko aus-Gleizes fcbreibt uns, die
kürzlich durch die deutfcbe Preffe lancierte Notiz
(an die hier inf)eft9 angeknüpft wurde) fei falfcl).
Die Section d’or wird im „Sturm“ ausftellen.“
Im Fjinblick auf die bedauerliche Catfache, daß
faft die gefamte Berliner Kritik die Unterneh-
mungen des „Sturm“ fyftematifch totzufcbweigen
pflegt, halten wir uns für verpflichtet, die obigen
Mitteilungen befonders zu unterftreichen. An den
vor der Gefd)ich)te feftftebenden Verdienften, die
gerade der „Sturm“ um die Pflege der modernen
Kunftund wertvollfter internationaler Beziehungen
gehabt hat, ift heute kein3weifel mehr möglich.
Die Ausfuhr von Kunftwerken aus
Frankreich)
Die franzöfifcbe Deputiertenkammer hat kürz-
lich eine Regierungsvorlage angenommen, wo-
nach die Ausfuhr von Kunftwerken aus Frank-
reich in 3ukunft nur mit Erlaubnis der Regierung
erfolgen kann. Der Abbe Wetterle regte bei
diefer Gelegenheit wieder mal an, daß Deut fcb-
land durch die Wiedergutmacbungskomiffion
verpflichtet werden folle, an Stelle der während
des Krieges zerftörten und noch nicht erfeßten
Kunftwerke andere Werke aus deutfcßen Mufeen
auszuliefern.
3ur Abwanderung deutfdjer Kunft
ins Ausland
Die kürzlich in Stuttgart zufammengetretene
Konferenz [amtlicher Kunftreferenten aus den
Minifterien der deutfcben Bundesftaaten hat be-
fcbloffen, zum Schuß von Denkmälern und Kunft-
werken baldigft eine Verordnung ßerauszu-
bringen, welche die Verfcbleuderung des Kunft-
befißes von Körperfcbaften, öffentlichen Änftalten,
Stiftungen und Fideikommiffen verbietet.

Sammlungen
Das Goetlje-Nationalmufeura
hat aus Mainzer Privatbefiß vor kurzem Bild-
niffe von Goethes Großeltern erworben. Wie
der Berichterftatter der Voff. 3tg- meldet, find
diefe Bildniffe bisher der Goetbe-Forfcbung un-
bekannt geblieben, und da wir von Johann
Wolfgang Cextor, dem Bürgermeifter und Wirk-
lichen Kaiferlicben Rat fowie von feiner Frau
Änna Margareta, geb. Lindermeier, nur die bei-
den durch Reproduktion von Vogel bekannten,
in Mailand befindlichen Bildniffe befißen, ift die
Aufteilung der beiden vortrefflich reftaurierten
Ölbilder im Frankfurter 3immer des Weimarer
Goetbebaufes ein wirklicher Gewinn. Goethes
Großvater ift in braunem Bürgerkleid dargeftellt,
das nachdenkliche Geficbt von befonders febarfer
Einprägfamkeit, die Mutter, mit bäubeben und
in einer grünen, mit goldenen Schnüren ver-
zierten, bermelingefcbmückten Caille, verrät eine
außerordentliche Ähnlichkeit mit Frau Äja. Auch
ift es Dr. Wahl gelungen, zu der Scbmeller-
feben 3eicbnung von Cbriftianes Bruder, des
herzoglichen Bibliothekars Cbriftian Auguft Vul-
pius, ein von unbekannter band gemaltes und
von Goethe felbft an der Seite figniertes Ölbild
zu erwerben.
Die Befetjungsfrage am Germani-
fdjen Mufeum in Nürnberg
ift in ein neues Stadium getreten. Geheimrat
von Bezold ift gebeten worden, zunäcbft bis
zum 1. Oktober diefes Jahres fein Ämt als erfter
Direktor weiter zu verfeben und es ift zu hoffen,
daß bis dahin eine Entfcpeidung getroffen wird,
die in rein fachlicher Erwägung aller Momente
ohne kunftpolitifebe oder partikulariftifebe Neben-
abfiebten vor der 3ukunft diefes wichtigen In-
ftitutes befteben kann.
Köln
Im Kunftgewerbe-Mufeum ift jeßt die
koftbare Sammlung Clemens dem Publikum zu-
gänglich gemacht worden. Wie bereits früher
mitgeteilt, wird der Cicerone in einem näcbften
Fjefte eingehend an band von zahlreichen Ab-
bildungen über diefe wertvolle Stiftung berichten
und zwar wird Walter Cohen die Abteilung
der Gemälde, Max Creuß die des Kunftgewerbes
behandeln.
Paris
Das Musee du Luxembourg ift am 7. April
wieder eröffnet worden, nachdem es feebs Jahre
lang gefcbloffen war. Von einer Neuordnung,

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