Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

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Neue Bücher

fein eine kurz orientierende Einführung voraus-
fchicken, die jeder Handfchrift ihren Pla^ in der
hiftorifchen Entwicklung der Buchmalerei zu-
weift. Der Preis des Klerkes wird allerdings
kein niedriger fein, in feiner Ankündigung fpricht
der Verleger von einem unverbindlichen Sub-
fkriptionspreis von 1200 Mark. Dennoch möchte
ich diefer wundervollen Veröffentlichung, deren
Erfcheinen noch für das Ende diefes Jahres ge-
plant ift, einen vollen Erfolg wünfchen. v. R.
Neudrucke von Romanen deslS.Jaljr-
Ijunderts
Der Verfuch, Dichtungen und vor allem Romane
des 18. Jahrhunderts im Gewand ihrer 3eit neu
erftehen zu laffen, ift im letzten Jahrzehnt recht
häufig unternommen worden. Die Bücherei der
Abtei Chelem, die der felige Bierbaum bei Georg
Müller herausgab, die entzückende Klertheraus-
gabe des Infelverlags, Gellerts Fabeln und ähn-
liche Drucke bei Kiepenheuer ftehen noch heute
im guten Andenken bei allen Bücherfreunden.
Chodowieckis Kupfer bilden bei diefen Unter-
nehmungen in der Regel den Hauptanziehungs-
punkt, denn fie finden bei uns genau wie zu
ihrer 3eit zahlreiche Liebhaber, die fiel) an den
leicht hingeworfenen Bildern diefes unvergleich-
lichen Sittenfdjilderers erfreuen.
Die Romanreihe, die der Pantheon-Verlag
in diefen Lagen mit „Bunkels Leben, Bemer-
kungen und Meinungen“ eröffnet, nimmt troj$
Neuerung und Papiernot diefe 3iele wieder auf.
Ob allerdings Johann Bunkel, der von den
Freunden der Aufklärung mit Beifall begrüßt
wurde, den kein Geringerer als Leffing über-
feinen wollte und deffen Erfcheinen einen wort-
reichen literarifchen Streit zwifchen tüieland und
Nicolai heraufbefchwor, jetjt noch den Lefer
wird feffeln können, kann mit Recht bezweifelt
werden. Die von C. Moreck beforgte Ausgabe
hat allerdings, von dem richtigen Gefühl geleitet,
nicht zu viel bieten zu dürfen, im Kürzen das
Menfchenmögliche.geleiftet und auch Änderungen
nicht gefcheut, um das Ganze genießbar zu
machen. Von Bunkels „Meinungen“ ift bei diefem
Verfahren natürlich nicht allzuviel übrig ge-
blieben.
Der Klert des Bändchens liegt fomit vornehm-
lich in der ftilvollen äußeren Ausftattung und in
den liebenswürdigen Kupfern Chodowieckis, die,
den Arbeiten zu Nicolais Notanker naheftehend,
der beften Seit des Künftlers angehören. Der
ttliedergabe find nicht die meift fehr mäßigen
Drucke der Buchausgabe, fondern Probedrucke
zugrunde gelegt worden, fo daß die Behauptung
des Herausgebers, daß diefe neue Ausgabe das

Original übertreffe, zu Recht befteht. Nach diefer
gelungenen Probe wird man die fpäteren Bände
der Reihe, die unter anderem Rouffeaus Neue
fjeloife bringen wollen, mit Spannung erwarten
dürfen. v. R.
Neue Bücher
Ein Monumentalwerk über antike
Gläfer1
Nur wenigen Bevorzugten und Befreundeten
war es bisher bekannt gewefen, daß] fich in Rom
in den letzten zwanzig Jahren eine der größten —
in Italien wohl die bedeutendfte — Privatfamm-
lungen antiker Gläfer gebildet hatte. In vor-
nehmer 3Ufückhaltung hatte der Beßrer Giorgio
Sangiorgi im Stillen gefammelt. Große Sach-
kenntnis, einflußreiche Beziehungen zum [In— 'und
Auslande und bedeutende Mittel, die nicht ge-
fdjont wurden, festen den jugendlichen Schöpfer
und Befiljer der Sammlung in die Lage, überall
das Befte des Dargebotenen auszufuchen. Es
war eine wahre Freude, die Sammlung unter
feiner Führung fehen und genießen zu können.
Endlich hatte fich Giorgio Sangiorgi auf das
Drängen der Freunde hm entfchloffen, feine
Sammlung zu publizieren, der Lext war fd>on
gedruckt, die Cafeln zum großen Ceile hergeftellt —
da brach der ttleltkrieg aus und der Autor eilte
zu den Fahnen feiner Heimat. Nun bietet er uns
als erfte italienifche wiffenfchaftliche antiquarifche
Frucht des Friedens eine glänzende Publikation
feiner Sammlung, die in der italienifchen Editions-
technik geradezu eine Epoche bildet. Die bis
jetjt fchönfte Publikation antiker Gläfer, die far-
bigen Cafeln der Greau-Morganfchen Sammlung
verblaffen im wahrften Sinne des Klortes beim
Vergleiche. Die geheimnisvolle, merkwürdigfte,
dehnbarfte und zugleich zerbrechlichste aller Ma-
terien, welche je menfchlicher Erfindungszeit ge-
bar, das antike Glas, das uns in feiner langfamen
Auflöfung eine märchenhafte Kielt von Farben
fpendet, hier fehen wir es in farbigen Reproduk-
tionen, die fchwerlich überboten werden können
und die völlig eine Autopfie erfe^en. Der Alt-
meifter der Erforfchung antiken Glafes, Klilhelm
Fröhner, fpricht in einer gehaltvollen, für die
vielen Verehrer feiner Feder leider allzuknappen
Vorrede von den vorausgehenden Sammlungen
antiken Glafes, das als folches eigentlich erft
feit etwa hundert Jahren gefammelt wird. Hier-
1 Collezione di vetri antid)i dalle origini al V. sec. d. C.
ordinati e descritti da Giorgio Sangiorgi con prefa-
zione di CU. Froetjner. Casa editrirce d’arte Bestetti e
Cuminelli Milano-Roma 1914. Gr. 4°. 96 p. Cext, 60 Cafeln.
In 250 numerierten Exemplaren gedruckt. 500 Lire.

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