Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

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Büd)erfammelwefen

3iele zufteuert, mit der Nadel Cüirkungen kon-
zentrierter Potenz hervorzubringen.
Cham, „Qualen der Mode“, Acht Litho-
graphien. Verlag Alfred Richard Meyer,
Berlin - Wilmersdorf. M. 30.—.
Amedee de Noe, diefer ergötzliche und geift-
reicbe Karikaturift des „Charivari“ ift bei uns
fo gut wie unbekannt. Anläßlich der Berliner
Modewoche erlaubt fid) der Verlag Alfred Richard
Meyer den Scherz, die reizenden Mode-Lithos
des Franzofen in muftergültiger Ausführung
wieder herauszugeben, wofür wir ihm bei dem
billigen Preife dankbar fein müffen. Es ift er-
ftaunlicb, mit welchem Charme die Künftler vor
50 Jahren in Frankreich den lithographifd)en
Stift zu nutzen verbanden, wie geiftvoll fie in
ihren Karikaturen waren, und mit welcher künft-
lerifchen Vollkommenheit felbft kleine Scherze, wie
diefeModenbilder, ausgeführtwurden. DieKennt-
nis folcher verdienftvollen Wiedererweckungen
kann uns künftlerifch entfchieden mehr nützen
als vieles von dem, was als unerfchöpflicher
Quell tagtäglich an Neuem gefchaffen wird.
Bücherfammelwefen
ünter Leitung von
Bibliotheksdirektor Dr. E. von Rath
Leipzig, Ferdinand Rtjodeftr. 35.
Neue fdjöne Bücher
Wie eine Leipziger Huldigung fürGrillparzer
fieht die neue fchöne Ausgabe der „Ahnfrau*
aus: Karl Ul. Fjierfemann hat fie verlegt, Spa-
nier hat den üext gedruckt, Georg Witkowfki
überwachte den Druck und fügte ein Nachwort
an, fjugo Steiner-Prag lieferte 18 Stein-
zeichnungen, darunter 13 ganzfeitige, die Meißner
& Buch auf der Fjandpreffe druckten, und die
Leipziger Buchbinderei-A.-G. vormals Guftav
Fritzßhe fertigte die Einbände. Der Verleger
hat die Auflage auf 160 Exemplare befchränkt,
von denen 150 auf Bütten und in Fjalbleder,
10 auf Japan und in Ganzpergament ausge-
geben wurden (300 und 600 M.). Alle Bilder
hat der Künftler handfchriftlid) figniert; zur
Identifizierung diefer Illuftrationen hätte es der
Signierung nicht bedurft, da ja Fjugo Steiner-
Prag mit feinem Griffel eine unverkennbare
Fjandfcbrift fchreibt. Daß diefer Meifter in der
Kunft, das Dämonifche und Überfinnliche im
Bilde zum Ausdruck zu bringen, der rechte Mann
war, um auch die Geifter der „Ahnfrau“ zu be-
fdjwören, wird nicht beftritten werden, und fo
wird diefe neue Ausgabe des (Clerkes von den
Bücherfreunden mit Freude aufgenommen wer-
den; fie ift in allen Einzelheiten echt und folide

und hält ßich von den Mädchen der modernen
Buchkunft fern.
Der Avalun-Verlag in Wien und Leipzig,
deffen erfte beide Drucke in Fjeft 21 des vorigen
Jahrganges angezeigt wurden, hat den 3. und
4. Druck herausgebracht. Den 3. Druck bildet
„üriftan und Ifolde von Richard Wagner “
mit einem Nachwort von Berthold Viertel, von
Drugulin in der Ehmcke-Cicero auf kartonartigem
3anders-Bütten gedruckt und von Enders hand-
gebunden in einen Fjalbpergamentband mit
grünem Kleifterpapier, Goldtitel auf dem Vorder-
deckel, Goldmonogramm auf dem Rücken und
durchgezogenen Pergamentbünden. Die Per-
fonennamen im Cext find filbergrau gedruckt,
was mir als eine wohltuende Abweichung von
dem hierfür üblichen Rot erfcheint, dagegen
empfinde ich den dem Druck untergelegten matt-
braunen Condruck als ein 3uviel; fo bedeutend
auch der Fjelligkeitsgrad des Papiers für die
Wirkung des Druckes ift, hier erfcheint mir diefes
Mittel nicht ganz einwandfrei. Aber das ift ein
Bedenken, das niemand abhalten wird, diefem
Buche volle Anerkennung zu zollen, deffen Aus-
ftattung Alois Kolb geleitet hat, und dem er
außerdem durch einen reichen radierten Bild—
fchmuck befonderen Reiz und Wert verliehen
hat. Der wundervolle Doppeltitel, das herrliche
Schlußblatt, die 10 üextbilder, zum Ceil orna-
mental gefcßmückt, zeigen in ihrer feinen Ver-
bindung von Realiftik und Symbolik wieder die
gleiche Erfindungsgabe und Kraft, die wir in
des Künftlers Illuftrationen zu den „Kronpräten-
denten“ und zum „Michael Kohlhaas“ bewundert
haben; vielleicht entfprechen diefe Radierungen
nicht immer dem Geifte Wagners, dann liegt
ein beachtenswertes Beifpiel vor, daß die „Wahl-
verwandtfcßaft“ zwifchen Dichter und Illuftrator
vielleicht keine unanfechtbare Forderung ift, oder
daß Richard Wagners Kunft Auslegungen und
Verarbeitungen zuläßt, an die er felbft nicht
immer gedacht hat. Neben diefer Ausgabe,
deren Citelblatt vom Künftler figniert ift (300 M.),
erfchien noch eine andere Ausgabe in Ganz-
pergament und mit den einzeln pgnierten Ra-
dierungen auf Japan (450 M.).
Der 4. Avalun-Druck bringt die fchönfte alt-
franzöpfche Novelle, die Chantefable „Aucassin
und Nicolette“ in neuer Überfettung von
Erwin Rieger und zeigt eine von Rudolf Junk
herrührende Ausftattung, die zunächft beraufdbt
und blendet, wie die füdliche Sonne, die aus
der Dichtung felbft uns anglüht: Format24x35cm,
Fjandeinband von Karl Scheibe in (üien in gold-
braunem Dogleder mit Eitel in reicher Gold-
prägung, weißes Büttenpapier, Sah und Druck

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