Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

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Ausheilungen

„Frühlingshymne“ in einem Raume vereinigt, der
ausfchließlich dem großen Schweizer gewidmet
fein foll.
Madrid
EinGreco-Saal imPrado. Kürzlich) wurde
im Prado ein neuer Saal eingeweiht, in dem alle
in der Galerie befindlichen merke El Grecos
vereinigt find, ausgenommen die beiden, die aus
dem Vermächtnis von D. Pablo Bofch ftammen,
ein Mönchporträt und die „Krönung der hl-Jung-
frau“, die in der Sammlung diefes Stifters ver-
bleiben (abgeb. im Cic., Jahrg. V., S. 168). Die
Leitung des Mufeums hat damit wieder ein Stück
ihres Plans verwirklicht, jedem großen Meifter
der Malerei einen befonderen Saal einzuräumen.
Derjenige für die (Uerke El Grecos liegt zwifchen
dem Velasquez angewiefenen Raum und den
Sälen der italo-fpanifchen Meifter. Er ift ge-
räumig und hat gutes Oberlicht.
Äusftellungen
Frankfurter Kunftfcl)au
I. Frankfurter Kunftmeffe im Römer.
Die Kunftmeffe und ihr neugeplantes Verfteige-
rungsunternehmen ift bereits im Juliheft des
„Cicerone“ charakterifiert worden. In diefer 3eit-
fchrift muß derVerfuch, die internationalen Be-
ziehungen zwifchen den Völkern durch das Band
der Kunft wieder herftellen zu wollen, freudig
begrüßt werden. Frankfurt ift prädeftiniert für
diefes Amt. Einmal find die Baulichkeiten des
Römers und der ihn umgrenzenden Ältftadt ganz
dazu angetan, das Bild vergangener 3eiten \)er~
aufzubefchwören, in denen in der Nähe der
Römerhallen fchon feit dem 15. Jahrhundert Buden
errichtet waren, und blinkendes Gefchmeide und
feltene Kleinodien feilgeboten wurden, fo daß
die heutige Meffe gleichfam eine Forlfe^ung be-
deutet, zudem kann Frankfurt feit dem Friedens-
fchluß durch feine geographifche Lage als „Aus-
fallstor nach dem CCIeften“ angefehen werden.
Gerade der meffeartige Charakter der Äusftellung,
das Bazarhafte, die Maffe der Objekte, das
a-hiftorifche Ineinandergreifen der Nationen und
Stile, das Vermähltfein von Malerei, Plaftik und
Kunftgewerbe gibt der ganzen Schau einen Reiz
von Phantaftik. Flüchtig gewonnene Eindrücke
aus dem Fjotel Drouot in Paris erwachen wieder.
Der Fülle des Materiales in einer Befprectjung
gerecht zu werden, ift unmöglich. 3war hat
eine großzügige Organifation unter Leitung von
Dr. Lübbecke eine wohlerwogene Gruppierung
vorgenommen, aber etwa anderthalb Laufend
Kunftwerke laffen fich nicht überfchauen. — Der

weiträumige, majeftätifctje Kaiferfaal mit feinem
feftlichen Gepräge krönt die CLIerke des italie-
nifchen Barock. Durch wallende Gobelins find
die Kaiferbilder der Cüände liebevoll verhüllt.—
Das Erdgefchoß des noch ganz in den Formen
feiner Entftehungszeit (um 1400) erhaltenen, an-
grenzenden FJaufes „Löwenftein“ wurde diefes
Mal hinzugenommen. Der gewölbeartige Cha-
rakter des Raumes verleiht den köftlid) mittel-
alterlichen OQerken der Groß- und Kleinkunft
eine weihevoll fakrale Stimmung. FJier befinden
fich in fchöner gegenfeitiger Ergänzung frühefte
0Qerke der Malerei und Plaftik, von denen als
befte Arbeiten erwähnt feien: das Mittelftück
eines niederländifchen Flügelaltares um 1430,
das von ftiller Einfalt und zarter Empfindung
getragene Bild eines füddeutfdjen Meifters
„Chriftus am Ölberg“, die flächenhaft kompo-
nierte Darftellung der „Laufe Chrifti“, „Die Stei-
nigung des Stephanus“ von Lukas Cranach, dem
Älteren, die Ältarflügel mit renaiffancetjaft großer
Gebärde und kühnen, mantegnahaften Verkür-
zungen von FJans Burgkmair, das lecker ge-
malte Gemälde „Im Schlachthaus“ von Leniers,
der pofaunenblafende Engel eines Schlußfteines
und endlich die in gebrochenen Farbtönen fchim-
mernde „Anbetung der Fjirten“ von Cornelis
Corneliffen von Fjaarlem.
Der daneben befindliche große Saal beher-
bergt die Kunftfchä^e, Gemälde und Möbel aus
dem Stammfilj der Freiherren von üleljel auf
Schloß Ober-Mörlen, ein im 30jährigen Krieg
erworbener Kunftbefitj, der bis zum Ausgang
des 18. Jahrhunderts erweitert wurde. Die reiche
Möbeleinrichtung zeigt eine große Anzahl von
Barock-Armfeffeln und Lehnftühlen mit hand-
geftickten Bezügen in petit point, Schränke,
Lruhen und Lifche, an denen fich die ganze
Entwicklung vom Barock bis zum Empire ab-
lefen läßt.
Die verfonnene Fjaltung der Geftalten auf zwei
lebensgroßen Fresken eines umbro-florentinifchen
Quattrocentiften heben fich vorteilhaft von dem
fliefenhaften Isphahanfragment eines Leppidjs
ab. Schräg gegenüber feffelt die von barocker
Romantik erfüllte „Leda mit dem Schwan“ eines
niederländifchen Manieriften aus dem 16. Jahr-
hundert. Ein Govaert Flinck „Flötenfpielender
FJirte“ mit fchön gemalter Fjand, ein in der Kon-
vention der 3^it vornehm fteifes Damenporträt
von van der FJelft, ein an Canaletto erinnern-
des Bild aus Venedig, heroifctje Landfchaften
von ftarker Naturempfindung von Joachim Franz
Beid) und ein an die Farbennuancen von Lie-
polo • gemahnendes Bild von Andrea Celefti
„Chriftus unter dem Volk“ feien erwähnt.

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