Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

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Neue Bücher und 3eitfd)riften

Japanbütten in Ganzpergament-Mappe, vergriffen;
Äusgabe II: 15 Exemplare auf echtem 3anders-
Bütten in Fjalbpergament- Mappe M. 1000.—;
Äusgabe III: 35 Exemplare auf Büttenpapier in
Qalbpergament-Mappe M. 500.—.
Neue Bücher und 3eitfd)riften
Ja!
Stimmen des Hrbeitsrates für Kunft in Berlin.
Verlag Pf)otograpfiifcf)e Gefellfchaft, Cßar-
lottenburg 9.
In diefem Buche find die Äntworten vereinigt,
die die zum Ärbeitsrat für Kunft zufammen-
getretenen Künftler und Kunftgelebrten auf eine
Umfrage f)in abgegeben haben. Es füllte die
Stellung der Künftler und Gelehrten zu den For-
derungen der 3eit feftgeftellt und eine gemein-
fcf)aftlicf)e Bafis für die künftlerifcfje Ärbeit der
3ukunft gefunden werden.
Äls wicf)tigfte der 13 aufgegebenen Fragen
feien erwähnt:
„Nach welchen Geficf)tspunkten f>at der fozia-
liftifche Staat Mittel für künftlerifcfje Fragen und
Unterftütjung der Künftler zur Verfügung zu ftellen ?
ttlelche Forderungen find an die Staatsleitung
zu richten, damit Gewähr gegeben ift, daß die
in den kommenden Jahren entgehenden Siede-
lungen nacf) weitgefteckten kulturellen Geficfjts-
punkten angelegt werden?
Ulie kann erreicht werden, daß die breite
Maffe des Kunftproletariats für das IJandwerk
gewonnen wird und bei der drohenden wirt-
fcfjaftlicfjen Kataftropße dem Untergang entgeht?
<XIelcf>e Forderungen müffen an den Staat ge-
richtet werden, daß der Nachwuchs von vorn-
herein Äusbildung auf rein handwerklicher Grund-
lage erfährt?
Cüelche neuen ttlege find geeignet, um das
Volk wieder für das Gefamtkunfthandwerk —
Architektur, Plaftik und Malerei in ihrer Ver-
einigung— zu intereffieren? Staatliche Probier-
plätje an Stelle Salon-Kunftausftellungen.
öüelche praktifchen Forderungen müffen dem
Staat gegenüber erhoben werden, damit die
öffentlichen Bauten von den Künftlern geftaltet
werden, anftatt wie bisher von Cechnikern und
Baubeamten?
Cüelche Ulege find einzufcfjlagen, um möglichft
lückenlofe Verbindung mit gleichgefinnten, aus-
ländifcfjen Künftlergruppen zu erzielen?“
Das Buch erweift ficf) in feinen divergierenden,
ficf) oft widerfprechenden Äuffaffungen als inter-
effantes 3eitdokument einer cfmotifchen Epoche.
Äls ausgezeichnet bewährt fich auch hier das
bekannte Programm vonGropius, der die Ulieder-
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Vereinigung der werkkünftlerifchen Difziplinen
anftrebt, und von dem Grundfalje ausgehend,
daß Kunft nicht lehrbar fei, handwerkliche Aus-
bildung in Ulerkftätten fordert. Ofthaus bietet
Ideen zur Entfpannung der allzu fcf>wer lösbaren
3eitprobleme; Campendonk erteilt den vom
reinften Idealismus getragenen Ratfcfjlag, die
Lehrer an den Akademien ehrenamtlich anzu-
ftellen, damit nur innerlich berufene Künftler
ohne egoiftifche CUünfche das verantwortungs-
volle Amt in 3ukimft übernehmen follen.
Von höherer (Harte aus beantwortet Valentiner
die Fragen. Er fd)lägt kurzweg eine Äbfcfjaffung
der Kunftfcfmlen, wenigftens im Notfälle, vor, will
fich allein auf den künftlerifchen Lebensdrang
ftütjen, beantragt nach Bartnings Programm die
Bildung des Rates der Meifter, der als oberfte
Kunftinftanz auch vom Staate anzuerkennen fei.
Er hofft, daß durch akapitaliftifcfje, vorbildliche
Siedelungen in Europa oder Amerika der Grund-
ftein zu einer Gemeinfcfmftskultur gelegt werde,
in der die einzelne Künftlerperfönlichkeit mit
Freude untertauchen könne.
Valentiner hat den Schwung über die zeit-
gebundene um der zeitlofen, großen Kunft willen
hinwegzufehen. In diefem Äuffaß weht der
frifche dlind revolutionärer Kunftkampfesfreude.
Die beigegebenen Abbildungen aus der Archi-
tektur, Malerei und dem Kunftgewerbe bereichern
die Publikation. Aber fie find in ihrer Qualität
recht ungleich, nur locker durch das ihnen ge-
meinfame Programm der Moderne zufammen-
gehalten. Safcfja Schwabacher.
Die (Uaijrijeit über Änna Blume
nennt Chriftof Spengemann eine im 3wee-
mann-Verlag, Fjannover erfchienene Schrift,
die den Untertitel führt: Kritik der Kunft — Kritik
der Kritik — Kritik der 3Git- Der zu rafcher
Berühmtheit gelangte Dichter jenes „ungezählten
Frauenzimmers“ Ä. B. — ift der Maler Kurt
Schwitters. Und Spengemann, der vor einem
Jahre zuerft an diefer Stelle über Schwitters
gefchrieben, hat fein neueftes Opus „allen deut-
fchen Kunftrichtern zugeeignet, die es nicht
faffen können“. Das werden ausgenommen Adolf
Behne, Däubler und einige fehr CUenige fo un-
gefähr alle fein, die in diefem tintenkleckfenden
Säkulum die kritifche Feder über Kunft — frei-
willig und unfreiwillig — führen. Ulenn nur
die Ungezählten diefer Art diefe in der Schärfe
der Diktion nicht leicht zu übertreffende Kampf-
fchrift lefen möchten, die wie eine feingefchlif-
fene Uoledaner Klinge mit frechem CUife in
das nach Fäulnis riechende Fjerz diefer tradi-
tionell und einfeitig verbildeten 3G^ vorftößt.
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