Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

Page: 342
DOI issue: DOI article: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cicerone1920/0368
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Neue Bücher und 3eitfd)riften

auffchlußreichen Kulturbild der erften Fjälfte des
18. Jahrhunderts geworden ift, weil die Stationen
im Leben Fiedlers, Pirna, Leipzig, Paris, Darm-
ftadt, durch intereffante kulturtnftorifche Einzel-
heiten neu beleuchtet und Fiedlers ausgedehnte
perfönlidje Beziehungen dargelegt werden. So
war diefes Buch in befonderer ttleife für die
erfte Veröffentlichung der neuen Gefellfchaft ge-
eignet. Der Verfaffer, ihr Vorfitjender, hat auch
die Ausftattung geleitet und in Änpaffung an
den Inhalt von allem übertriebenen Luxus frei-
gehalten: klare, fchöne Fraktur auf gutem Bütten,
ein paar ftilechte Vignetten, 24 Nachbildungen
von Bildern Fiedlers und alten Änfichten von
Pirna, Leipzig und Paris auf verfdjieden ge-
töntem Papier auf fchwarzer Unterlage und hell-
grün überzogener Pappband mit dem Namen
des Künftlers in Golddruck auf dem Vorder-
deckel. Nur die Drahtheftung mußte eine Ge-
fellfchaft von Bücherfreunden vermeiden.
Hls zweite Gabe liegt ein wundervolles Einzel-
blatt vor: „Oberfter Kriegsherr. Für die
handfchriftliche Kriegsordnung des Grafen Rein-
hard von Solms und des Ritters Konrad von
Boyneburg gezeichnet, gefchnitten und ausge-
malt von Fjans Doering Ä. D. 1545“. Vor-
arbeiten für eine Veröffentlichung des Fjiftorifchen
Vereins für das Großherzogtum Fjeffen über diefen
bisher nur als Monogrammiften Fj. D. bekannten
Meifter hatten im Befiß des Gräflichen Fjaufes
Solms-Laubach diefen einzig noch vorhandenen
Originalholzftock auffinden laffen, von dem nun
der Darmftädter Kunftdrucker Philipp Volk
diefen Neu-Äbdruck mit der PJandpreffe herftellte
und mit der Fjand kolorierte, und zwar 30 Exem-
plare auf altem Royal-Bütten aus dem Jahre 1742
und 170 Exemplare auf altem handgefchöpften
Bütten des Nikolaus Fjeisler zu Bafel um 1750,
die es dank der Unterftüljung des feitherigen
Großherzogs noch zu erhalten gelang. Diefe
Gabe ift fo fd)ön und feiten, zugleich fo wert-
voll für die Kunft Fjeffens und die Kunft über-
haupt, daß kein Mitglied der Gefellfchaft es be-
dauern wird, wenn die buchgewerblichen Schwie-
rigkeiten unferer 3eit Veranlaffung waren, bei
diefer zweiten Gabe von einer literarifchen Ver-
öffentlichung abzufehen. —
Von dem Grundfatj ausgehend, daß zur Fjer-
ftellung guter Druckfachen in erfter Linie vor-
nehme Schriften, ihre gefchmackvolle Anwendung
und klarer Druck auf gutem Papier gehören,
haben die Graphifchen Kunftanftalten J. J. (Heber
in Leipzig unter demCitel„Das Schriftmaterial
derGraphifchenKunftanftaltenJ. J. Uleber,
Leipzig, Berlin, IJamburg“ eine Äuslefe
ihrer Schriftproben zufammengeftellt, und zwar

22 Schriftarten in Petit, 22 in Korpus, 22 in
Cicero und 10 in Mittel, und dann noch einige
3ierlinien, 3ierftücke, Einfaffungen und Orna-
mente beigegeben. Die Anregung ging von dem
Direktor Fritj Bruhm aus, der das Buch auch
druckte, für deffen typographifche und zeich-
nerifdje Ausgeftaltung Georg Belwe forgte.
Es ift ein wirklich fchönes Buch auf beftem
Bütten mit gefchmackvollem Vorfa^papier und
einfach vornehmem weißen Pappband entftanden,
das die Freunde und Gönner des Fjaufes, denen
es gewidmet ift, mit aufrichtiger Freude ent-
gegennehmen werden. Es gewährt nicht nur
einen Einblick in 'das Schriftmaterial und die
Leiftungsfähigkeit der Druckerei, fondern kann
in der Cat, wozu es auch beftimmt ift, ein Binde-
glied zwifchen Auftraggeber und Klerkftatt fein.
Solche Schriftproben, wie fie uns 1919 auch
Poefchel & Crepte darboten, find hervorragend
geeignet, den Gefchmack des Publikums zu bilden
und die Kultur der Fachleute zu fteigern, und
fie find die geeigneten Vorarbeiten für einen
Schriftenatlas, der immer wieder von neuem
gefordert werden muß. Fjier bietet fich Ver-
legern und bibliophilen Vereinigungen eine Auf-
gabe, mit der fie fich am die deutfdje Buchkunft
weit höhere Verdienfte erwerben können als mit
all den Luxusdrucken. GeorgMinde-Pouet.
Neue Büdjer und 3eitfd)riften
Literatur zu den Jahrhundertfeiern
von Leonardo da Vinci und Raffael
Anläßlich der Gedächtnisfeier des vierhundert-
jährigen Codestages Leonardos find in den lebten
Jahren eine Reihe bedeutfamer Schriften er-
fchienen. Das neugegründete Inftitut der Studi
Vinciani in Rom gab einen umfangreichen Sam-
melband heraus, in dem Mario Cermenati mehr
als fechzig kleinere Studien italienifcher und
franzöfifcher Leonardo-Forfcher zufammengefaßt
hat. Das Buch wendet fich an weitere Kreife
und ift nicht fo ernft zu nehmen wie der bereits
im Jahre 1910 erfchienene Band der Conferenze
Fiorentine, der Beiträge von Männern wie Spi-
nazzola, Benedetto Croce, Ifidoro del Lungo und
Luca Beltrami aufzuweifen hatte.
In den „Analecta Ambrosiana“ erfchienen:
Ambrogio Mazenta: Le memorie su Leonardo
da Vinci und Luca Beltrami: La mano destra
di Leonardo da Vinci. Gleichzeitig gab Beltrami
feine Dokumente und Erinnerungen über Leo-
nardo heraus und fchrieb über ihn als Architekten
in dem Buche eines Anonymen, der fich Polifilo
nennt: Leonardo e i disfattisti suoi. GQeiter

342
loading ...