Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

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Aus den Vereinen und Gefellfd)aften

den Namen des alten Sammlers und Kunft-
freundes übernommen, was vielleicht nicht ganz
richtig war, weil fo der Eindruck erweckt werden
kann, als handle es [ich bei diefer fchönen und
vornehmen Publikation um eine lokale An-
gelegenheit. Genau das Gegenteil ift aber der
Fall. Denn diefes Buch ift eine europäifche An-
gelegenheit und fucht, wie der Herausgeber im
Vorwort treffend bemerkt, „nach EntfcFjeidungen,
die jenfeits von Gewalt und Materie liegen“.
Es ift ein feiner, rhythmifch gegliederter Bau,
deffen Linien und Geile aus einem fchöpferifchen
Glauben geboren find. Einzelheiten, die fich
programmatifch zum Kunftwerk weiten, wenn
man fie in der Idee nebeneinanderreiht. ((las
hier Dichter und Maler zu einem Ganzen zu-
fammengetragen haben, ift Bekenntnis an die
wirkende Kraft des Geiftes diefer fcheinbar
innerlich fo auseinanderftrebenden 3eit. Die
Namen find Programm, die Arbeiten felbft Go-
talität einer produktiven Gefinnung, die höchftes
Lob verdient.
Ein feines, nachdenkliches Buch, typographifd)
vorbildlich, das in viele Hände kommen follte,
im einzelnen reich mit Originalgraphik durch-
fe^t, unter der Arbeiten von Qeckel, Barlach,
Feininger, Seewald, Viegener, Klee, Plünnecke,
Burdjarh u. a. bedeutfame Proben des jungen
Deutschland find. Neben den Originalbeiträgen
von Dichtern und Dramatikern (erftmalig er-
fcheint als neue Hoffnung Karl Schenzinger
mit einem Drama „Berggang“) verdienen an
diefer Stelle die Äuffä^e von Felixmüller über
künftlerifche Geftaltung, ein gedankenftarker Bei-
trag (üilhelm (dorringers „Bemerkungen zum
Kubismus“ und ein feines Effai von GCIilli
(üolfradt „Das Haus“ befonders unterftrichen zu
werden. Mit Ergriffenheit lieft man die hier
veröffentlichten Briefe des viel zu früh gefallenen
Karl Chylmann an feine Frau, deren Veraus-
gabe in Buchform bevorfteht. B.
Mufarion-Älmanad) 19201
Vielen Verlegern ift es eine liebe Gewohnheit
geworden, am Jahresende ihren Lefern im Al-
manach Koftproben aus erfchienenen oder neu-
geplanten Büchern darzubieten. Auch der vor
Jaljresfrift gegründete Mufarion-Verlag will in
einem anfprechend ausgeftatteten Bändchen zum
erftenmal über feine literarifchen und künft-
lerifchen Beftrebungen in der Form eines Alma-
nachs Bericht erftatten.
Aus dem etwas bunten Inhalt erweckt Inter-
effe eine bisher ungedruckte Abhandlung Nieh-
fcijes über das Pathos der ((lahrheit, die wohl
3 München, Mufarion-Verlag.

auf die vom Verlag geplante Monumental-
ausgabe der öüerke diefes Philofophen \)in-
weifen foll. Daneben kommen Dichter wie Voll-
moeller, A. von Bernus, Felix Braun und Fjarry
Kahn zum (dort und geben eine anfchauliche
Vorftellung von dem ziemlich hohen Niveau,
auf dem fich die Produktion diefes Verlages
bewegt. — Von dem Buchfchmuck find befonders
anziehend die graziöfen 3eichnungen, die Al-
phons ((loelfle beigefteuert hat. Auch der von
Fjoerfchelmann gezeichnete Eitel verdient Be-
achtung. v. R.
Aus den Vereinen
und Gefellfchaften
Danzig
Eine Reihe ausübender Künftler (auf dem Ge-
biete der Malerei, Plaftik, Architektur, des Kunft-
gewerbes und der Mufik) hat fich hier unter
dem Namen „Die 3unft“ zufammengetan, um
deutfcher Kunft eine Stätte zu bereiten.
Darmftadt
Die im Vorjahr gegründete „Vereinigung
heffifcher Bücherfreunde“ bot als erfte Gabe
ihren Mitgliedern Graf Kuno v. Hardenbergs
„Herkunft, Leben und (Uirken des Hofmalers
JoF). Chriftian Fiedler“, ein Buch, mit Liebe
gefchrieben, mit Gefchmack ausgeftattet, wert-
volle Ergebniffe über einen feF>r beachtenswerten
Porträtiften der Barockzeit bietend. Die zweite
Jahresgabe der Vereinigung verdankt ihre Ent-
ftehung der Forfchung über den Maler Hans
Döring (geft. ca. 1559), die zur (üiederauffindung
des Holzftocks zu dem prächtigen „Oberften
„Kriegsherrn“ aus dem „Kriegsbuch“ des Gfn.
ReinF). v. Solms (1554) führte. Vortreffliche Ab-
züge, von dem jugendlichen Maler Phil. Volk
mit der Hand koloriert, in prächtigen (Imfchlag
gekleidet und mit geiftvollem Gext begleitet,
find die Freude aller Buch-und Kunftfreunde. 3U
öüeiFmachten 1919 bot der Verein feinen Freunden
drei Juwelen der Druck- und graphifchen Kunft
an, von der Feder oder dem Stift feiner Mit-
glieder gefcFjmückt: Die letzte Nacht der Giron-
diften, ausgeftattet von F. Ul. Kleuckens; Der
Furchtfame von Honan, und Jorinde und Joringel,
beide mit Buchfchmuck von Chr. Beyer, bei
(üittich und bei Hohmann gedruckt. Vivant
sequentia!
(Xlürzburg
(Inter dem Namen „Das junge Franken“
hat Alexander Abufch eine Vereinigung von in
Franken und den angrenzenden Gebieten woh-
nenden Künftlern ins Leben gerufen.

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