Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

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Älte und neue Graphik

der magenbauer nabeftebßund ferner eine Gruppe
von Genremalern angefdpoffen, unter denen der
unbekannte, einft in München tätige Heidelberger
Karl Happel zufaramen mit neuen merken
feines Freundes Karl Spißweg überzeugend
hervortritt. G.
Älte und neue Graphik
Unter Leitung von
Dr. Karl Schwarz, Berlin Ul. 30,
Äfdjaffenburger Str. 20.
Neue grapl)ifrf)e Veröffentlichungen
Lovis Corintb hat für die erftmalige Ver-
öffentlichung bisher unbekannter, morgenländi-
fdjer Sagen und Gefcbicbten aus dem Nachlaß
Friedrich Rückerts, die in dem bibliophilen Ver-
lag 0. Goldfcbmidt-Gabrielli, Berlin, heraus-
gegeben werden, 4 Radierungen gefdjaffen, die
als flotte Skizzen den fd)ön ausgeftatteten, mit
wertvollem Einband verfebenen Band fcbmücken.
Es ift auch hier wieder intereffant zu beobachten,
wie Corintb fich in jeden Stoff hineinzufinden
weiß und jedes Cßema großzügig anpackt. Ein
Hauch der morgenländifcben Gefänge geht durch
diefe Blätter, den nur ein Künftler wie Corintb
in fo flüchtigen Skizzen Bildform zu leihen
verftebt.
Im Verlage von Ämsler & Rutbardt, Berlin,
ift nunmehr die vor langem bereits angekündigte
Publikation „Carl Stauffer-Berns grapbi-
fd)es ttlerk“ in originalgetreuer Kliedergabe
feiner fämtlicben 37 Radierungen, mit einem
Vorwort von Hans m. Singer, herausgekommen.
Äls Citelbild ift die Originalradierung „Selbft-
bildnis mit 3igarre“ zum Äbdruck gelangt. Der
Handkupferdruck, in dem die Radierungen in
Originalgröße reproduziert find, ift gerade für
Stauffers Graphik manchmal etwas zu weich,
fo daß man doch nicht den reftlofen Eindruck
der Originale bekommt. Das nur in 150 Exem-
plaren erfcbienene merk wird aber von der
großen Stauffergemeinde ficherlich freudig auf-
genommen werden und bald vergriffen fein.
Mappenwerke
„Van Zantens glückliche Zeit.“ 20Holz-
schnitte von Otto Lange, mit einem Geleitwort
von Hans F. Secker. Mappenwerk in 40Exem-
plaren erschienen; Nr. 1—10 auf Japan, Nr. 11—40
auf Bütten. — Verlag Galerie Arnold, Dresden.
Ein eigenartiges, fonnendurcbglüßtes Eagebud)
einer fernen, traumhaften Infel hat uns Laurids
Bruun in feinem Buche „Van 3antens glückliche
3eit“ gefcbenkt. Die Leidenfcbaft des freien
Menfcben, der, unangekränkelt von irgendwelcher

Kultur, fein Leben ganz auf den Äugenblick ein-
geftellt hat, fucbt der bildende Künftler in feinen
Holzfchnitten nacbzuempfinden und das Pßan-
taftifcbe einer fernen Ideenwelt in farbige Holz-
fcbnitte umzuformen. — Otto Langes Holzfchnitte
find in ftrengem Rhythmus gebunden; die hand-
gedruckten, farbigen Blätter ftrömen eine ftarke
Kraft aus, die jeder empfinden wird, der fich
des pbantaftifcben Inhaltes von Bruuns fehn-
fucbtsvollen und leidenfdjaftsdurchpeitfchten Ro-
man erinnert. Hißr fpürt man wirklich etwas
von dem Nacherleben einer dicbterifcben Nieder-
fcbrift, ein Nachempfinden eines empfindfamen
Meifters und ftarken Könners feiner Kunft.
Die Bibel, eine Folge von 30 Holzschnitten
von Bruno Goldschmitt. Verlag F. Bruck-
mann A.-G., München.
Von den fünf Lieferungen diefes Monumental-
werkes ift foeben die erfte mit fecbs Cafeln er-
fcbienen, die erkennen läßt, daß wir es mit
einem beachtenswerten merke zu tun haben,
aus dem eine folide Behandlung des Cecbnifchen
fpricbt.
Bruno Goldfehmitt entwickelt in feinen Blät-
tern eine reiche Pbantafie, die er bildmäßig zu
meiftern und zu dekorativen (Xlirkungen zu er-
heben fucbt. Es find wahre Holzfchnittarbeiten,
d. h- Blätter, in denen die Technik wohl aus-
gewertet und die Linie, fowie der Gegenfaß
von HeH und Dunkel, zum Grundakkord der
Kompofition wird.
Der Verlag Ä. R. Meyer, Berlin-milmersdorf,
feßt feine Serie vorzüglicher Neudrucke alter,
in Vergeffenbeit geratener Graphik mit einem
Mappenwerkeben fort, das fich ebenfo wie das
erfte durch die für den erftaunlicb billigen Preis
vorzügliche Ausstattung auszeichnet und ein ver-
dienftvolles ünternehmen, um ein entzückendes
Kleinod bereichert. Henri Mofes’ in zarten
ümrißlinien geftodbene Blättchen atmen den
ruhig ausgeglichenen Eon des Empire und führen
uns in eine längft verklungene Cüelt, in die uns
ein Künftler, der die Nadel mit großer Reinheit
und Sicherheit meiftert, blicken läßt.
milbelmGoyert, Köln, der feiner graphifeßen
Abteilung demnäcbft einen Gemäldefalon anfügen
will, veröffentlicht foeben zwei Mappenwerke
von Paul Prött: „Köln“, 8 radierte Stadt-
bilder darftellend, und 10 Radierungen mitRbein-
landfcbaften.
Der Reiher-Verlag, meimar, veröffentlicht
ein neues Mappenwerk malter Klemms, „Das
Paradies“, 6 handkolorierte Steinzeichnungen
enthaltend, und zeigt gleichzeitig von demfelben
Künftler an: „DieScböpfungsgefcbicl)te“in

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