Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

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Von Künftlern und Gelehrten — Älte und neue Graphik

vom Sebaldusgrab, von Riemenfdßneider 99,
von Konrad Meit 17, von fjans Backoffen und
feiner Schule 25 ufw. Die Gefellfcßaft gibt fid)
der Hoffnung ßin, daß die Husftellung zur üüieder-
erweckung unferer nocß immer im Dornröscßen-
fcßlaf liegenden nationalen Scßäße einen kräf-
tigen Änftoß geben werde. Mehr wie je ßat
der Deutfcße es nötig, ficß auf feine eigene
Kraft zu befinnen, und ßier vor allem gilt das
(Hort: „öüas du ererbt von deinen Vätern ßaft,
erwirb es, um es zu befißen“.
Eine Äusftellung Schweizer Künftler
in Ämerika
Im (Hinter 1920/21 wird im Mufeum in New
York die erfte offizielle Äusftellung fcßweizeri-
fcßer Kunft ftattfinden, die vorwiegend retro-
fpektiven Cßarakter ßaben wird, obwoßl aucß
die bedeutendften lebenden Maler, Bildhauer
und Architekten zu ttlorte kommen follen. Die
Organifation diefer Veranftaltung, die fpäter
aucß nod) in einer Reiße der wicßtigften Städte
der Vereinigten Staaten gezeigt werden foll,
ßat foeben begonnen und erfreut ficß der be-
fonderen ünterftüßung fowoßl des Eidgenöffi-
fcßen Departements als aucß der Eidgenöffifcßen
Kunftkommiffion. Mufeen und Privatfammler
find zur Beteiligung aufgefordert, damit vor
allem die retrofpektive Äbteilung ein würdiges
und lückenlofes Gefamtbild über das leßte Jaßr-
ßundert fcßweizerifcßen Kunftfcßaffens ermög-
licßt. Fraglos ift, daß diefer Äusftellung, wenn
ße ricßtig aufgebaut, von Engßerzigkeit frei
bleibt, eine große Kraft der Propaganda inne-
woßnen dürfte.
Von Künftlern und
Geleßrten
Stadtbaurat IJans Poelzig
in Dresden ßat um feine Entlaffung aus ftädti-
fcßen Dienften gebeten, um auf Einladung des
preußifcßen Kultusminifteriums ein Meifteratelier
für Ärcßitektur mit dem Siß in Potsdam zu
überneßmen.
Kafimir von CljlQdowfki
bekannt durcß feine kulturßiftorifcßen CHerke
über Siena, Ferrara, Rom und Neapel ift kürz-
licß in Hlien geftorben.
Ändre Michel
der feit langen Jaßren bereits an der Ecole du
Louvre doziert, ift als Nacßfolger von George
Lafeneftre zum Profeffor am College de France
ernannt worden.

Älte und neue Grapßik
Unter Leitung von
Dr. Karl Scßwarz, Berlin CH. 30,
Äfd)affenburger Str. 20.
Sammlung Paul Davidfoljn
Kupferstiche alter Meister. Teil I. A—F.
Versteigerung 3.-8. Mai 1920 durchC.G.Boerner,
Leipzig.
Es ift ein ganzes Kupferfticßkabinett, von dem
Paul Davidfoßn nacß fünfzigjäßriger, unermüd-
licßer Sammelarbeit nun in ßoßem Älter Äb-
fcßied nimmt, um es in drei aufeinanderfolgenden
großen Auktionen wieder aufzulöfen. Ein fcßön
gedruckter, reicß ausgeftatteter Katalog, der in
feinen genauen Angaben vielfacß auf den gründ-
lichen Studien des Sammlers berußt, läd zur
Verfteigerung des erften "Ceils der Sammlung,
der die Bucßftaben Ä—F des Künftleralpßabets
umfaßt, für den 3.—8. Mai nacß Leipzig ein, und es
ift zu erwarten, daß dieVerwaltungen derKabinette,
die Sammler und Fjändler diefe feltene Gelegen-
ßeit nießt unbenußt werden vorübergeßen laffen.
Davidfoßn ßat in den fiebziger Jaßren des
vorigen Jaßrßunderts in England geweilt und
dort den Grundftock für feine Sammlung gelegt.
In der feinfinnigen und auffeßlußreießen Ein-
füßrung, die Max Friedländer dem Katalog bei-
gefteuert ßat, wird auf diefe Catfacße befonders
ßingewiefen, und es ift aucß unverkennbar, daß
dieBeftrebungen englifeßerSammler, ißreNeigung
zu metßodifcßer Überficßt über das gefamte
künftlerifcße Erbe der Vergangenßeit, Davidfoßn
den Cüeg gewiefen ßaben, den er, bis der dlelt-
krieg mit feinen traurigen Folgeerfcßeinungen
ein Fjalt gebot, unverdroffen verfolgt ßat. CHenn
man feine Sammlung dureßmuftert, fo feßeint
fie nur von dem einen Prinzip beßerrfeßt, alle
irgendwie wefentlicßen grapßifcßen Erzeugniffe
bis zum Jaßre 1800, das von vornßerein als
zeitliche Grenze beftimmt war, möglich ft lückenlos
in guten Drucken zu vereinigen. Cendenzen der
Äuswaßl, wie die fo ßäufige Bevorzugung der
„Malerradierer“, oder gewiffer Nationen, be-
fonderer Epocßen, feßlen ißr ganz. Fjöcßftens die
geringere Berückficßtigung der galanten Fran-
zofen des 18. Jaßrßunderts könnte dem wider-
fpreeßen, aber das naße Verßältnis, in dem diefe
Künftler gerade in ißren beften Leiftungen zur
Bucßilluftration fteßen, verbot woßl dem ftrengen
Sammler der reinen Grapßik die Äufnaßme diefer
Erzeugniffe in feine Mappen. (Henn aucß Farb-
ftieße in der fjaupfaeße feßlen, fo ßat vielleicht
der ßoße Liebßaberwert diefer Blätter von
größeren Erwerbungen abgeßalten, denn es muß
betont werden, daß diefe Sammlung durchaus

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