Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

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Sammlungen

Ausheilungen

mieden, zu den Vorgängen in tüeimar Stellung
zu nehmen. Nachdem aber Gropius vor dem
Landtag diefes deutfchen Freiftaates feine Sache
vertreten und als Sieger aus dem Konflikt bjer-
vorgegangen ift, freut es uns, feftftellen zu können,
daß trog der Ideologie eines erzreaktionären
Spießbürgertums auch über dem geiftigen Hori-
zont an der Ilm ein neues Morgenrot aufleuchtet
und daß man hoffen darf, daß die neuen künft-
lerifcfjen Prinzipien, deren Vorkämpfer Gropius
geworden ift (ihm gebührt Dank und Sympathie)
bald das Lebenslicht jener veralteten Kunfhoch-
[chule Mackenfenfcher Cradition, für deren Er-
haltung [ich die Rechtsparteien eingefegt, gänz-
lich zum Verlöfchen bringen möchten. Mit dem
Vertrauensvotum, das Gropius die beften Köpfe
des künftlerifchen Deutfchlands ausgeftellt, wird
er feinen dleg unbeirrt weiter verfolgen. Die
ffleimaraner aber, die diefen „bolfchewiftifcben
Modernen“ hoffen wie den leibhaftigen Gott-
feibeiuns, werden eines Lages (natürlich zu fpät)
erkennen, daß fie es eigentlich gar nicht ver-
dient hatten, daß fich einer der beften fchöpfe-
rifchen Perfönlichkeiten unferer3eit um die Auf-
frifchung einer Atmofphäre bemüht hat, die eigent-
lich längft zum Sterben reif gewefen ift. B.
GCI i 11} e 1 m 5aurenrtcin u n d die
Münchner Kunft
3u dem bereits im legten HeÜ vermerkten
Rücktritt Fjaufenfteins fcßreibt uns unfer Münchner
Mitarbeiter:
ttlilhelm Haufen ft ein ift aus der Redaktion
der „Münchner Neueften Nachrichten“, wo er die
Abteilung „Bildende Kunft“ leitete, ausgetreten.
Die politifche ümfchichtung des Blattes gab den
äußeren Anlaß. Syftematifche Angriffe, die von
jenem Leil der Künftlerfchaft, der die Craditionen
der Münchner Kunft gepachtet zu haben be-
anfprucht, erhoben wurden und die in einem
verbreiteten Organ der Münchner Cagespreffe
lebhaften CDiderhall fanden, mögen den Ent-
fchluß angebahnt und erleichtert haben. Der
Verluft, den dasMünchnerKunftleben durch diefen
Schritt erleidet, ift groß. Die junge Münchner
Kunft, aber auch die wefentlidje europäifche
Produktion, wurde mit Nachdruck und Erfolg
an diefer Stelle propagiert, lüohl die wichtigfte
kunftpolitifche Pofition im Süden Deutfchlands
ift, fo fcheint es, verloren gegangen. Als Nach-
folger Haufenfteins zeichnet gegenwärtig wieder
fein Vorgänger: Frig von Oftini. [Und das ift
beinahe fymbolifch! Die Red.] K. P.
□ □

Sammlungen
Überfiedelung ins Berliner Schiloß
In diefen Lagen hat der Umzug des Kunft-
gewerbemufeums aus [einem ehemaligen Standort
an der Prinz Albrechtftraße nach dem alten Schloß
begonnen. Geheimrat v. Falke wird perfönlich
die Neuaufteilung der kunftgewerblichen Samm-
lung übernehmen, die an einem muftergültigen
Beifpiel die Lrennung der Schau- und Studien-
fammlung aufzeigen foll. Späteftens im Oktober
wird das neueMufeum eingerichtet fein und der
Öffentlichkeit übergeben werden. — Das frühere
Kunftgewerbemufeum dient fortan der Erweite-
rung der völkerkundlichen Sammlung und wird
im unteren Stockwerk außerdem die hiftorifche
Inftrumenten- und Mufikfammlung aufnehmen,
deren Ordnung der Mufikhiftoriker Dr. Gurt
Sachs übernimmt.
Berichtigung
Herr Dr. Feulner, Konfervator des Refdenz-
mufeums München, erfucht uns um folgende
Richtigftellung:
„In Heft 13 des Cicerone, S. 515, findet fich der
Sag, daß die Einrichtung des Refidenzmufeums
vor allem Konfervator Dr. Feulner gedankt wird.
Die Angabe ift in diefer Form nicht richtig. Die
Leitung und die Initiative bei der Einrichtung
hatte Prof. Dr. Fr. H° Hof mann, Direktor des
Refidenzmufeums. Meine Arbeit war auf wiffen-
fchaftliche Mithilfe befchränkt.“
Aufteilungen
Die (Diener Kunftfcl)au 1920
Die von den Staatsämtern, der Stadtverwal-
tung und durch Mitwirkung der Kunftfammler
unterftügte und ermöglichte Kunftfdjau 1920
in den Räumen des Öfterreichifchen Mufeums
bedeutet für ÜLIien einen großen Schritt und ein
beredtes 3ougnis für die Situation des öfter-
reichifchen Kunftlebens. Mit ihr wird eine Kunft
offziell und fozufagen gefellfchaftsfähig, die bis-
her wohl in öffentlichen Ausfüllungen innerhalb
befonderer Gruppen in Erfcheinung treten durfte,
vom Publikum aber mehr als ein fich breit
machendes Übel, denn als Notwendigkeit ge-
wertet wurde. Daß unter dem Präfidium Jofef
Hoffmanns eine Auswahl des Beften in edlem
Rahmen ftattfnden würde, war zu erwarten.
Freilich bedeutet diefe Kunftfchau nicht das, was
ihre Vorgängerinnen desfelben Namens waren:
das bewußte Einlenken in neue Bahnen, von
der Begeiferung und dem Ulillen jugendlicher
Kräfte getragen. Die hier vorgeführte Kunft be-

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