Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

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Ausheilungen

Maler und Kunftßändler, hat feine aus fünfzig
wertvollen Gemälden befteßende Sammlung der
Gemäldegalerie des Castello Sforzesco hinter-
laffen.
Äusftellungen
Äusftellung aus Privatbefit$ im
Metropolitan Mufeum
Die fcßon einmal kurz erwähnte Jubiläums-
ausftellung des Metropolitan Mufeums
zu New York aus Anlaß des fünfzigjährigen Be-
fteßens ftellt fid) bei näherer Befichtigung als
ein ftolz~befd)eidener Hinweis nicht bloß darauf
heraus, was das Mufeum felber in der ver-
hältnismäßig kurzen 3eit zufammengebracht und
was es an Anregungen geleiftet hat, fondern was
im näheren Qmkreife feines öüirkungsgebietes
durch Sammler größeren und kleineren Qm-
fanges gefcßeßen ift. Nur New Yorker Sammler
wurden aufgefordert, einige ihrer Kunftfcßäße
dem Mufeum für die 3eit der befonderen Äus-
ftellung zu leihen, und die meiften pnd diefer
Aufforderung auch bereitwilligst gefolgt und
haben fogar in faft allen Fällen pcß offen als
Befißer der betreffenden öderke bekannt, vielleicht
aus einem gewiffen, ganz begreiflichen Stolz,
folcße exquifite, von hohem Gefcßmack zeu-
genden Kunftfcßäße ihr eigen zu nennen.
Nur drei Gemälde von Bedeutung find „anonyme“
Lehen: El Grecos erftaunlicße Vorwegnaßme
Cezannefcßer Landfcßaftsorganifation, feine im
frifcßeften Grün prangende „Anficht vonGoledo“,
und zwei große edle klaffifcße Landfcßaften des
Nicolas Pouffin mit Figuren aus der Orpheus-
legende.
Da es für die Lefer des Cicerone vielleicht
von befonderem Intereffe fein dürfte, zu erfahren,
welche öderke den Fjauptfammlern, foweit fie
in der Jubiläumsausftellung vertreten find, ge-
hören, mögen fie hier der Reiße nach an-
geführt werden, wobei bemerkt fei, daß die
Gemälde alter Meifter den Hauptakzent ab-
geben. Daß unter ißnen gerade die Primitiven
eine verhältnismäßig fo große Rolle fpielen, ift
befonders bezeichnend für den gegenwärtigen
Sammlergefcßmack.
Da ift vor allem der noch junge, entßußaftifcße
neue Sammler, Mr. C. öd. Hamilton, der ßicß
klugerweife, wie es jeßt die meiften „Sammler
von Fach“ tun, einer erftklaffigen Firma an-
vertraut ßat, um ficßer zu gehen und pch in
feinem eigenen drteil erft durch Erfahrung zu
bilden. Von feinen Gemälden fießt man G. Bel-
linis berühmtes „Bacchanal“, das im Rhythmus

der Anordnung , und Aufblühen der Farben bis
ins jaucßzendfte Hell gleicßfam die ganze Ent-
wicklung diefes erftaunlicßen Meifters von feiner
Gebundenheit bis zur größten Freiheit wieder-
holt; ferner ein ftrenges Criptycßon Cimabues,
eine kleine, am öüendepunkt der Entwicklung
fteßende „Kreuzigung“ des Piero dei Francefcßi
auf Goldgrund, und die vielumftrittene, einem
Miniaturgemälde ähnelnde „Judith mit dem Kopf
des Holofernes“, die Berenfon einft demMantegna
ab-, jeßt ißm wieder zugefprocßen ßat.
Mrs. E. H- Huntington fendet einen Vermeer,
„Lautenfpielerin“, der zu den köftlicßften Üderken
des Meifters gehört: küßle, aparte Farbengebung,
fcßattiges Blau der Vorhänge, hellklingendes
Gelb der Jacke, beruhigendes Braun der Laute,
ftilles Abklingen im Schwarz da und dort, fodann
Größe der Raumverteilung und feinftes Abwägen
der Linienführung verbinden pcß zu einem wahren
Meifterwerk. Neben ißm pnden fich noch Rem-
brandts „Gelehrter“ mit der Homerbüfte und die
Porträts feiner zwei Frauen, das der Saskia mit
dem feurig fcßwarzen Auge und das volle, runde
Geficßt der Heudrikje.
Der eifrige Sammler und Kenner Mr. H- Gold-
man ftellt aus: Holbeins „Porträt eines Mu-
fikers“, das zwei Jahre nach den „Gefandten“
in der Londoner National Gallery gemalt ift,
alfo aus der 3eit feines ßöcßften Könnens ftammt;
Cizians, offenbar noch unter dem Einßuß Gior-
giones fteßendes „Männerporträt“, das einen
jungen, auf die Seite blickenden Mann vor einer
Marmorbaluftrade darftellt; ein anderes „Männer-
porträt“ von Bart. Veneto, ehemals in der Crespi
Collection“; eine „Madonna mit Kind“ von Ber-
nardo Daddi, und eine weitere von Gentile da
Fabriano, fowie einen „Sißenden Mann“ von
Frans Hals in deffen breitefter Manier. Dazu
pndet pcß in einer der anderen Abteilungen eine
Marmorgruppe „Madonna mit Kind“ von Jacopo
della Quercia.
Mr. öd. K. Vanderbilt zeigt Holbeins „Lady
Guildford“; Mr. Michael FriedfamA. Brouwers
„Raucßer“ und Roger van der öüeydens Porträt-
kopf des Lionello d’Este; Mr. Cß. öd. Schwab
Cizians Porträt der Kardinal Pietro Bembo; der
Automobilgewaltige, Mr. Joßn N. ödillys, eine
„Madonna mit Kind“ aus der Vollzeit Bellinis
und ein „Mädcßenporträt“, das Dr. A. L. Mayer
dem Velasquez zugefcßrieben ßat, woßl auf feine
Ähnlichkeit in Haltung und Cyp mit einer der
„Spanierinnen“ hin: es ift ficßer ein erftaunlicßes,
den Meifter verratendes öderk.
Der bekannte Bankier Mr. Otto H-Kaßn,
dem die New Yorker Oper fo viel verdankt,
ßat vor allem Botticellis superbes Bildnis des

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