Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

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Neue Bücher

fchaft, die [ich) den Namen „Der CUaffermann“
beigelegt hat, eine Mappe heraus, die Arbeiten
von Karl Cafpar, Anton Faiftauer, F. A.
Fjarta, Alfred Kubin u. a. enthält. Einzel-
blätter diefer Künftler vervollftändigen das Pro-
gramm des Verlages. K. S.
B eridjtigun g
Im Fjinblick auf die an diefer Stelle, Seite 766,
veröffentlichte Notiz über das in Vorbereitung
befindliche Mappenwerk von Ulilhelm Morg-
ner, bittet PJerr Georg Cappert feftftellen zu
dürfen, daß der Katalog des graphifchen Ulerkes
von Morgner nicht von Adolf Behne bearbeitet
wird, fondern daß Fjerr Cappert felbft die Ka-
taloge der gefamten malerifchen und graphifchen
6üerke von Morgner beforgt. Die Lefer unferer
3eitfchrift werden wiffen, daß CUilhelm Morgner
Freund und Schüler Capperts gewefen ift.
Neue Bücher
Geift, Kunft und Leben Äfiens1
Im Folkwang-Verlag, G. m. b. Fj. (Fjagen
i/GCI.), hat ein neues großes Verlagsunternehmen
zu erfcheinen begonnen, das, einmal mit Erfolg
durchgeführt, wie kaum ein anderes berufen fein
dürfte, uns das geiftige und künftlerifche Erbe
Afiens nahezubringen, Und wenn der erfte, nun-
mehr vorliegende, fehr ftattliche Band von Karl
Ulith (der vor kaum Jahresfrift ein zweibändiges
Ulerk über Buddhiftifche Plaftik in Japan
bei A. Schroll & Co. in Ulien veröffentlichte) ein
Mufter für das geplante Gefamtunternehmen ift,
dann wird diefe neue Bibliothek eine Cat be-
deuten, wie fie ähnlich privater Initiative bisher
kaum zu danken war. — Der erfte Band trägt
zwar den Untertitel „Brahmanifche, buddhiftifche
und eigenlebige Architektur und Plaftik auf Java“,
aber der Cext felbft greift wefentlich weiter aus,
indem er fowohl die gefamten philofophifchen
und künftlerifchen Probleme umreißt, als auch
die hiftorifchen und kulturellen Catfachen ver-
zeichnet und überdies jedem der hier auf 165 Ca-
feln vorzüglich reproduzierten Monumente be-
fchreibende und erklärende Bildnotizen beifügt,
in der Cat ift ja dem Europäer Sinn und Formen-
fchönheit diefer öftlichen Kunftprovinz erft ver-
ständlich, wenn ihm der Geift erfchloffen wird,
der Untergrund und Anreger des künftlerifchen
Schaffens war. Denn die Formprobleme der
Architektur im befonderen, ihre Beziehung zur
Plaftik und diefe felbft (fei fie Bau- oder reine
Bildplaftik), find ohne die metaphyfifchen Grund-
* Bd. I, Java von Karl tUitt).
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lagen kaum zu begreifen, die, aus der Ideenwelt
Indiens erwachfen, zu einem unerhört großartigen
Gebäude transzendental gerichteter CHeltweisheit
ausgebaut wurden, in dem fich die Kunft nur
als eine aus letzter SyntFjefe gezeugte Faffade
vorftellt. Im Sinne des großen Kulturzentrums
von Südafien aber erfdjeint die Infel Java wie
die am äußerften weftlich vorgelagerte FJochburg
braßmanifd) - buddhiftifcher Kultur. ttlitt) fagt,
fie hänge gleich einem koftbaren Schmuckftück
an der Kette, die von den breiten Schultern
FJinterindiens und Vorderindiens herabfällt. Kul-
turgeographifch könne fie deshalb Japan nicht
unähnlich genannt werden. Aber während hier
das hiftorifche Dafein fehr fchnell zu feften For-
men kam, lebt fich diefes auf Java nur in kurzen
3eiträumen aus, um immer wieder von den
heimifchen Urelementen aufgefogen zu werden.
In dem „Kulturgeographifche Vorbemerkungen“
überfchriebenen Eingangskapitel fcFjildert Ulith
mit einer künftlerifchen Schönheit und Eindring-
lichkeit der Sprache, die einem deutfdjen Ge-
lehrten alle Ehre macht, das Schickfalbeftim-
mende für die javanifche Kultur und es hieße
im Rahmen einer Befprechung Unmögliches ver-
langen, wollte man nur von fernher den Ge-
dankengängen diefes Kenners und Künftlers
folgen. Diefer umfangreiche Cext aber will
(Hort für dort gelefen und aufgenommen fein.
Er ift erftaunlich durch feine ihm eigene Form,
durch den tieffcFjürfenden Geift, mit dem das
metaphyfifche Uleltfyftem des Oftens erfaßt und
entwickelt wird und nicht zuleßt durch die reinen
formgeftaltenden und formerklärenden Erkennt-
niffe, die uns die Kunft auf Java felbft nahe-
bringen. Schon die Bekanntfdjaft mit dem Boro-
Budor bedeutet ein künftlerifches Erlebnis fonder-
gleichen. Dies Buch aber ift im lebten keines-
wegs reine Angelegenheit der Uliffenfchaft,
fondern in erfter Linie für den künftlerifchen
Menfchen in jahrelanger Arbeit konzipiert und
gefchrieben worden, eine Großtat deutfdjen
Geiftes, die über die Grenzen der Fjeimat hinaus
in der (Heit für uns zeugen foll. B.
Maler-B üdjer
Als Dokumente der Perfönlichkeit und der
3eit veröffentlicht Fritj Gurlitt, Verlag, Berlin
eine neue Folge von Künftlerbüchern, die die
gefammelten Schriften von Lovis Corinth er-
öffnen. Des weiteren erfcheinen fpäter Bände von
RobertGenin, Oscar Kokofdjka, Fjeinrid)
3 i 11 e, Pech ft ein, Scheurich u. a. m. — Der
gleiche Verlag kündigt ein graphifches Jahr-
buch an mit einer Einführung in die moderne
Graphik von E. Redslob.
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