Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

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Verfcßiedenes — Der Kunftmarkt

gelegenen Feind zu feiern, dem man durch un-
geheure Mittel nod) den lebten, wahrlich nicht
„Gnadenstoß verfemt hat) [ich nicht anfchickt,
ihren Rat einzuholen. Da der Federation taufende
von Künftlern angehören, halten diefe es für
felbftverftändlicß, daß ohne ihre Mithilfe keine
Entscheidung in diefer Frage getroffen werde.
Falls diefe Federation etwa dafür verantwortlich
war, daß vor einem Jahre zur [Haffenftillftands-
zeit und auch fchon früher die ganze 5. Avenue
in eine Straßenausfteilung für Kriegsbilder ver-
wandelt wurde, auf der im buchftäblichen wie
übertragnen Sinne die Kunft auf die Straße, ja
noch mehr in die Goffe ßinabftieg und [ich ernft-
haft zu nehmende Künftler wie G. Bellows ein
unauslöfchliches Schandmal geholt haben, fo
kann man dem Stadtkomitee nur dazu gratu-
lieren, wenn es fiel) von diefen „Überpatrioten“
fern hält, wenn man auch theoretifd) in diefer
Frage auf feiten der Künftler fteßen muß, zu-
mal das Stadtkomitee fießer aus ganz anderen
Gründen nicht den Rat der Federation einzu-
holen gewillt ift. So oder fo kann man nur mit
einem gelinden Grauen dem drohenden Sieges-
denkmal entgegenfeßen. F.
Kunftpropaganda in Ämerika
[Hie eifrig, auch auf künftlerifcßem Gebiete,
hierzulande franzöfifeße Propaganda betrieben
wird, beweift die jeßt in Paris ftattfindende Aus-
ftellung von Gemälden amerikanifeßer Künftler,
der bald eine folcße franzöfifeßer Kunft im Me-
tropolitan Museum of Art folgen foll. Die letztere
wird fpäter durchs ganze Land ziehen, um überall
für Frankreich zu werben. Damit aber nicht
genug, befteßt feßon feit einiger 3eit ein fran-
zöfifeßes Kunftzentrum in New York, das
eifrig an der Arbeit ift, das Intereffe für fran-
zöfifeße Kunft hierzulande zu ftärken. Es follte
nießt [Hunder nehmen, wenn ißm ein ähnliches
englifcßes Zentrum bald zur Seite träte. F.
Eine interalliierte Kunftkommiffion in Klien
Journal des Debats vom 9. Dezember 1919 gibt
bekannt, daß fieß eine interalliierte Kunftkom-
miffion nach dlien begeben habe, um den öffent-
lichen und privaten Kunftbefitj Öfterreicßs zu in-
ventarifieren. Diefer Kunftbefiß [teile ein un-
fcßätjbares Fauftpfand für die Hllierten dar. Die
Vertreter Frankreichs in diefer Kunftkommiffion
find Raymond Koecßlin, A. Dreyfus und Paul
Vitry. 3wei weitere Delegierte werden folgen.
Elje Vasari Society G'
Die Londoner Gefellfcßaft, der wir die wunder-
vollen farbigen Cüiedergaben alter Meifter ver-
danken, will ißre Cätigkeit in diefem Jahre wieder

aufneßmen, wenn fie genügend Subfkribenten
auf die Jaßresmappe findet. Sie beabfießtigt
fernerhin auch Meifterwerke des 19. Jahrhunderts
in ißr Programm aufzunehmen. Der Subfkrip-
tionspreis von einer Guinee bleibt weiterbefteßen.
Sekretär der Gefellfcßaft ift ehrenhalber \Mr.
Ä. M. Fjind vom British Museum in London, der
weitere Auskünfte erteilt.
Madrid
Rm 29.November findGoyas fterblicßeÜber-
refte vom San Ifidro-Kircßßof, wo fie begraben
lagen, feierlich nach der Krypta von San Antonio
de la Florida überführt worden, und diefe Kirche
wurde zum Nationaldenkmal erklärt. F>.
Der Kun ft markt
Vom amerikanifcljen Markt
Der kürzlicße Ankauf des Doppelbildniffes der
Misses Bickford von Romney in der Duke of
Fjamilton-Auktion in London durch das Fjaus
Duveen, das es für den Rekordpreis von
£ 54600 erftand, ßat in England die Furcht
vor dem Abwandern diefes und fo mancher
anderen Kunftwerke, hierzulande die Gewißheit,
daß dies gefeßeßen werde, von neuem geweckt.
Das Romneybild, deffen Preis zu feiner künft-
lerifcßen Bedeutung natürlich in gar keinem Ver-
hältnis fteßt, foll auf alle Fälle, wie die Duveens
ankündigen, nach Amerika gebracht und hier aus-
geftellt werden. Ob es fpäter wieder feinen [Heg
zurück nach England finden wird, ift zweifelhaft
genug, denn für die Kunft Romneys gibt es hier
viele Liebßaber in genügender 3ahL fpreeßen
doch diefe ganz auf Äußerlichkeit und eine ge-
wiffe Duftigkeit geftimmten Bilder auf den erften
Blick zu den Augen des „müden Gefcßäftsmannes“.
Ein bedeutendererVerluft — vom künftlerifcßen
Standpunkt aus — ift für England die Verfcßickung
des Frans Fjalsbildniffes des Oberften Aernout
Druyvefteyn, das früher dem Sir Fjugß Lane ge-
hörte. [Heitere jüngft von England hierher ge-
feßiekte Gemälde find Sir A. Mores Bildnis des
Sir Eßomas Gresßam, Rembrandts „Saskia
als Flora“, aus dem Nachlaß des verdorbenen
Mr. Lockett Agnew, Eß. Lawrences Bildnis des
Sir Joßn Fagge, Gainsborougßs kleines Bildnis
des einft berühmten Cänzers Mr. Veftris, der
feinerzeit in Paris erftandene Rouffell Corot und
desfelben Meifters „Ganz der Nymphen“ aus der
Alexander Youngfammlung, mehrere CHßiftlers,
darunter das offenbar bisher unbekannt gebliebene
Bildnis eines kleinen Mädchens, ein Porträt des
Dr. Joßnfon von Reynolds und zahlreiche andere

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