Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

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Die 3eit und der Markt

Sammlungen
Das Erbe ßagelftanges
In Köln bat man jeßt endlid) den Mut ge-
funden, jene Sammlung moderner Gemälde,
die der verdorbene Hagelftange mit ebenfoviel
Entbufiasmus wie Qualitätsgefübl in den lebten
Jabren feiner Cätigkeit zufammengebracbt, im
Klallraf-Ricbarh-Mufeum auszuftellen. Da früher
bereits mit Beftimmtbeit verlautete, daß ein Geil
diefer Kollektion in dem lebten Kriegsjabre auf
Anregung des inzwifcben aucb verstorbenen
Poppelreutber verkauft worden ift, zeigen die noch
vorhandenen Bilder lediglich einen fragmentari-
[cben Äusfcbnitt aus dem urfprünglicb vorhanden
gewefenen Ganzen, das einmal, rechtzeitig er-
kannt, bahnbrechend für die Entwicklung hätte
werden können. Heute find die Bilder von Ko-
kofcbka (der wundervolle Dent du Midi), Derain,
Vlaminck, Kars, Pecbftein, van Dongen, Levy u. a.
lediglich biftorifcb zu werten. Aber dem Kölner
„Klüngel“, der in der rbeinifcben Kunftpflege
nachgerade fpricbwörtlicb geworden ift, foll man
es troßdem nicht vergeffen, daß eine der beften
Sammlungen moderner Kunft jahrelang der Öffent-
lichkeit ängftlicb vorenthalten wurde, um fdjließ-
licb als Fragment für den Weitblick ihres Ur-
hebers zu zeugen.
Die üljrenfammlung Otto Baer
Der vor einigen Monaten in Chicago verftorbene
Herr Otto Baer, der auch als Deutfcb-Ameri-
kaner die Anhänglichkeit an feine Vaterftadt
Mannheim bewahrte, hat leßtwillig feine febr
wertvolle Sammlung von Eafdjenuhren dem
Mannheimer Altertumsverein für das Vater-
ländifdje Mufeum in Mannheim (Schloß)
vermacht. Die Sammlung umfaßt 140 kunftge-
werblicb wertvolle Cafcbenußren aus der 3eit
von etwa 1530—1830.
Eapeten-Mufeum
Unter dem Namen „Uapeten-Mufeum E. V.“
wurde mit dem Siß in Hamburg ein Verein be-
gründet, welcher die Sammlung hervorragender
Capeten und anderer fUandbekleidung alter und
neuer 3eit bezweckt, um diefelbe einem kunft-
gewerblicben Mufeum anzugliedern. Aus Anlaß
der Gründungsfißung fand in der Kunftgewerbe-
fcßule eine Ausftellung bedeutfamer Stücke der
ficb bereits auf über 20000 Blätter belaufenden
Sammlung ftatt, welche einen guten Überblick
über die Entwicklung der Uapeteninduftrie gab
und welche den ungeteilten Beifall aller Be-
fucber fand. Freunde der Capete, welche ficb

im Befiß intereffanter Capeten, befonders älterer
3eiten, befinden, werden gebeten, diefelben dem
Vorfißenden des Vereins, Herrn Geh. Rat G. Iven,
Hamburg 1 oder dem Schriftführer, Herrn Herrn.
Brandt,, Berlin N., Barfußftr. 1 zu überfenden.
Beide geben gern Auskunft über das großzügig
angelegte Unternehmen und nehmen Anmeldung
zur Mitgliedfcbaft (jährlich M. 24.— Beitrag)
entgegen. Herrn. Brandt.
Ein 5eimatmufeum für Erlangen
In einer vom Verein für Heimatfcbulj und
Heimatkunde veranlaßten Denkfcßrift entwickelt
Dr. OttoMitius einen Plan zur Gründung eines F)ei-
matmufeums, dem das Stadtarchiv, eine Bücherei
und eine naturkundliche Abteilung angegliedert
werden follen. Von den beiden heute mehr noch
als je entfcbeidenden Grundfragen, der Plaß- und
der Geldfrage, fcbeint die erfte endgültig und
glücklich gelöft werden zu können, wenn die
Stadt das Altftädter Ratbaus zur Verfügung
ftellt, das durch verhältnismäßig geringfügige
Umbauten den gedachten 3wecken dienftbar
gemacht werden kann und auf Grund feiner
Lage auch Erweiterungen zuläßt. Die eigent-
lichen Schwierigkeiten, über die man mit bloßem
Optimismus nicht hinwegkommt, beginnen bei
der Koftenfrage. Greifbare Unterlagen für eine
Bilanzierung find offenbar nicht vorhanden. Selbft
wenn die Stadtverwaltung und der Verein bereit
und in der Lage wären, für die laufenden reinen
Verwaltungsausgaben einzutreten, fo bringt ein
folcbes Unternehmen, ganz abgefeben von den
Koften der befcbeidenften Neuerwerbungen, doch
fo viele unvorbergefebene Einzelausgaben mit
ficb, daß die ordentlichen Haushaltmittel dafür
nicht ausreichen. Klober dann dafür die Mittel
nehmen; opferwillige Mäzene gibt es nicht mehr,
feitdem der Staat für eine freiwillige Vermögens-
abgabe nicht mehr äußerliche Anerkennungen als
Gegenleiftung vergibt. Erfreulich wäre es immer-
hin, wenn es gelingen würde, das ftille Erlangen
zu einer Oafe in der Klüfte des Materialismus der
nachrevolutionären 3Gü zu machen. Offenbar
fehlt es nicht an geeigneten Perfönlicbkeiten, die
diefe Aufgabe zu löfen imftande find. Die mate-
riellen Schwierigkeiten fcheinen mir aber doch
recht erheblich, wenn man einen lebensfähigen und
entwicklungsficberen Organismus fcbaffen will.
_ .. . , Otto Pelka.
3urid)
Im Kupferfticbkabinett der eidgenöffifcben
technifchen Hoch fd) ule fiebt man in diefen
Monaten eine gefchloffene Ausftellung von Phi"
lippe de Champaigne, jenem berühmten fran-
zöfifchen Porträtiften des 17. Jahrhunderts, deffen

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