Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

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Büdjerfammelwefen

Ornamentpicbes überhaupt gelten und ift als Er-
gebnis einer 30jährigen Sammeltätigkeit ein er-
neuertes Dokument für das Fortleben der alten
Craditionen des öfterreid)ifd)en Kulturinftituts.
H-G.
Berlin
Frilj Gur litt-Berlin bat unter dem Eitel
„Verlag für jüdifcbe Kunft und Kultur“ eine
neue Verlagsabteilung begründet, für die er u. a.
die grapbifcben Klerke von Jacob Steinhardt,
Fr. Feigl und Friedr. Cifcbler, fowie Jofepb
Budko erworben bat und mehrere Mappen-
werke diefer Künftler vorbereitet.
Büd)erfammelwefen
ünter Leitung von
Bibliotbeksdirektor Dr. E. von Rath
Leipzig, Ferdinand Ropdeftr. 35.
Neue fd)öne Bücher
(Sendungen von Büchern, die für diese Be-
sprechungen bestimmt sind, mögen unmittelbar
an Herrn Prof. Dr. Minde-Pouet, Direktor der
Deutschen Bücherei, Leipzig, Münzgasse 28, ge-
richtet werden.)
Kler wirklich alles fleht und prüft, was unter
der Bezeichnung „Vorzugs-“ oder „Luxus-“ oder
„Liebhaberdruck“ in die Kielt gefcbickt wird,
der muß erkennen, daß gar zu viele diefer Drucke
in Klahrbeit jedes „Vorzuges“ ermangeln und
aus Liebe zum Buche weder bergeftellt noch
gekauft werden, und der vermag fcbließlicb diefe
Bezeichnung auch nicht mehr aus Bequemlich-
keit nacbzufprecben. Ich habe deshalb feit meinem
lebten Bericht die Überfcbrift „Neue fcböne Bü-
cher“ gewählt, weil die Bezeichnung „Vorzugs-
drude“ ufw. allmählich irreführend geworden
ift, und außerdem manche Bücher als koftbare
Mufterdrucke zu betrachten find, ohne daß fie
als folcbe in prahlenden und hochtönenden Vor-
anzeigen auspofaunt werden. Das Echte tritt
immer nur vereinzelt auf, nicht in Maffen, und
befonders in unferer ftoffarmen 3eit muß allein
febon die ununterbrochen auf uns [ich beran-
wälzende Flut der fogenannten Luxusdrucke
Mißtrauen erregen. Aber auch auf diefem Ge-
biete erfebeint in unferer 3eit der Verfucb, das
Echte im Kampf gegen den Schein zu unter-
ftütjen, ausfichtslos. Klir erhalten viele „Vor-
zugsdrucke“, aber wenig „fcböne Bücher“.
Klas roll uns ein neuer „Fauft“, felbft wenn
Jofef Kleiß ihn gut illuftriert hat, der in Druck
und Papier Durcbfcbnittsware ift und einen Ein-
band mit Leinwandpapier hat, der fchon nach
kürzeftem Gebrauch unanfebnlicb wird!

Dürfen die fjesperos-Drucke, von denen
mir Hölderlins „Hyperion“, Kleifts ,flm-
pbitryon“ und R. M. Renners „Einer unter
Euch“ vorliegen, von [ich Tagen, daß fie „die
Blüte und den Reichtum der heutigen Bucbkunft
aufs vortrefflicbfte zeigen“, wenn fie außer in
Pergament- oder Lederbänden in ödem Papier-
umfcblag erfebeinen? Kann es wirklich „dem
Bücherfreund helles Entzücken bereiten“, wenn
er folcbe Klerke mit Originalgraphik von Rolf
Schott in der Kronenmediäval der Ofßzin der
Mandruck, G. m. b. H-. München auf Bütten ge-
druckt in folcbem minderwertigen ümfcblage er-
hält? Hier zeigt [ich klar der Unfug der aus
Spekulation abgeftuften Ausgaben.
Löft die Ruppred)t-Preffe ihre Aufgabe,
ihre Drucke immer „in einer Form herauszu-
bringen, die eine Einheit mit dem Kiefen des
Klerkes bildet und ficb dabei deutlich als ein
Erzeugnis unferer 3eit darftellt“, wenn pe ihre
dritte, vierte und fünfte Veröffentlichung, und
zwar„Hegel in feinen Briefen“, Klielands
Verserzäbiung „Geron der Adelige“ und
Klilbelm Niemeyers Dichtung „Nicola
Culdo und Santa Catarina im Kerker zu
Siena“, glänzend druckt, aber in febreienden
Buntpapieren gebunden darbietet? „Erzeugniffe
unferer 3eit“ pnd diefe Papiere, aber „eine Ein-
heit mit dem Kiefen des Klerkes“ bilden pe nicht.
Anftelle diefer Buntpapierumfchläge werden auf
Grund jeweiliger Vereinbarung befondere Ein-
bände entworfen; ich ziepe es vor, diefe üm-
fcbläge zu erhalten, um zu zeigen, was in der
modernen deutfeben Bucbkunft möglich war —
leider fogar in der Rupprecbt-Preffe mit ihrer
feinpnnigen künftlerifcben Leitung, die doch die
Schwierigkeiten, die die heutige Materialnot dem
febönen Buche bereitet, in ihren erften beiden
Veröffentlichungen (vgl. Cicerone, Jg. XI, H-^E
S. 346) zu überwinden wußte.
In dem eben erfebienenen „Almanach der
Rupprecbt-Preffe auf das Jahr 1920“ werden diefe
Schwierigkeiten zugegeben, und wird unfere
3eit als „denkbar ungeeignet für die Experi-
mente“ der neuen Preffen bezeichnet, zugleich
aber verlangt, daß, wo Mängel befteben, „der
gute Klille gewürdigt werden muß“,. . . „klein-
licher Nörgelei und aus manchen Enttäufcbungen
erwaebfenem Überdruß zum Crob“, • • • „weil
es in diefer heillofen und doch zum Heü ftre-
benden 3eit mehr als notwendig ift, ftatt Kritik
Cat ... zu geben“. Das ip künftlid) konftruiert,
und ich fe£e diefen Behauptungen ein ent-
febiedenes Nein! entgegen. Gerade in diefer
heillofen 3eit ip nichts notwendiger als Kritik,
jtrengfte Kritik, auch in der Bucbkunft! Klie

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