Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

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Von Künftlern und Gelehrten — Alte und neue Graphik

wird und deshalb in ißrer abgefcbmackten Gräß-
lichkeit die fatale Grenze des Komifcben ftreift.
Es ift eine Überrafcbung, was in demfelben
Künftler für ein feinfinniger Grapbiker fteckt.
Seine Holzfcßnitte find ein äftbetifeßer Genuß.
Klieder ein Beweis, daß die große Kunft unferer
3eit die Graphik ift. Ein Beweis, den aud)
Eberz mit feinen radierten Illuftrationszyklen
bringt. Eberz ift gewiß als Maler bedeutend,
aber trotzdem wird er manchem als Graphiker
näberkommen. In den ausgeftellten Radierungen
läßt er feinem Hang zur Romantik freien Lauf,
jener poetifeßen, feßwärmerifeben und ein wenig
grufeligen Romantik der Großväterzeit. Er weiß
das Illuftrative außerordentlich taktvoll zu faffen,
oßne breit zu werden, und doeß nicht bloß
gloffierend. Er erzählt, indem er blitzartig Pointen
erfaßt und, was im Cext nur eine Blendung,
als ein Motiv ßoeß bebt und gaukelnd vor uns
fpielen läßt, daß unfere Pßantafie daran ge-
weckt wird. M. E.
Von Künftlern und
Gelehrten
<IIill)elm Keller-Reutlingen
der bekannte Münchner Landfcßafter, ift am
10. Januar kurz vor Vollendung feines 66. Jahres
einem Scßlaganfall erlegen. Klar diefer Künftler
aueß kein entfeßeidender Schrittmacher im Sinne
des Impreffionismus, fo doch eine der fym-
patßifcßftenErfcheinungen im Rahmen der Münch-
ner Landfchafterfcßule, deren Klerken heute alle
Merkmale des rein Fjiftorifcßen anßaften.
KunfUjiftoriker im Kunftljandel
Dr. Grete Ring, bisher Hilfsarbeiterin am
Berliner Kupferfticßkabinett, bat kürzlich einen
leitenden Poften bei Paul Caffirer übernommen.
Dr. ßermann Burg, früher Hilfsarbeiter an
der Staatsgalerie in Klien, foll, wie uns aus Düffel-
dorf berichtet wird, demnäcßft in Köln die dortige
Filiale einer Berliner Kunftßandlung übernehmen.
Erfurt
Dr. KI. Kaesbacß, bisher Beirat an der Na-
tionalgalerie, ift zum Direktor des Erfurter Mu-
feums ernannt worden und bat damit das junge
Erbe Redslobs übernommen. (Hie man uns aus
Erfurt mitteilt, ftand mit dem neuen Direktor in
engfter Klaßl nur noch Dr. Berrer, Affiftent am
ßeffifeßen Landesmufeum in Kaffel.
G öttingen
Die Nacßfolgefcßaft von Alfred Scßmid auf
den Leßrftuhl für Kunftgefcbicßte an der ßiefigen
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öniverfität ift neuerdings dem Kieler Ordinarius
Dr. Georg Graf von Vitzthum angeboten
worden.
München
Dr. Adolf Feulner, unfer langjähriger Mit-
arbeiter, bisher Affiftent am Generalkonferva-
torium München, ift zum Kuftos des neuen Re-
fidenzmufeums ernannt worden.
Alte und neue Graphik
Unter Leitung von
Dr. Karl Schwarz, Berlin (II. 30,
Äfd)affenburger Str. 20.
Deutfdje 3Gicbcnkunft im neun-
zehnten Jaf)rhundert
Ein Füßrer zur Sammlung der fjandzeießnungen
in der Nationalgalerie. Von Ludwig Jufti.
Verlag Julius Bard, Berlin.
Im ehemaligen Kronprinzenpalais findl003eicß-
nungen deutfeßer Meifter vom „Ausklang der
alten Kunft“, die durch Jüger, Scßadow und
Kobell repräfentiert wird, bis zu Pecßftein, Nauen,
Feininger und Fjeckel ausgeftellt worden, die
Ludwig Jufti gleichzeitig in einem von Julius
Bard liebevoll ßergeftellten Bande, in dem fie
alle muftergültig reproduziert erfeßeinen, erläu-
tert und dem Betrachter näherzubringen ver-
fueßt. Der Verfaffer ßat fieß eine feßwere und
undankbare Aufgabe geftellt; feßwer befonders,
da fieß das vielfeitige Kiefen der modernen
3eicßenkunft kaum an 100 Beifpielen eindeutig
erklären läßt, undankbar aber vor allem, da die
jüngften Kunftricßtungen noch nicht fo weit zu
überfeßen find, daß man fie oßne GCIiderfprucß
mit Mufterbeifpielen belegen kann. Das in an-
regender Form gefeßriebene Bucß wird vielen
Befucßern der Ausftellung die Augen öffnen,
dankbar manchen Belehrung fueßenden Kunft-
freund dem Kiefen der 3Gicbenkunft näber-
bringen, manchen aber aueß unbefriedigt laffen.
Das perfönlicße Klerturteil über eine Kunft, mit
der wir alle noeß fo eng verknüpft find, ift fo
vielen Schwankungen ausgefeßt, daß es kaum
möglich ift — und ficßerlicß aueß nicht in der
Abficßt des Verfaffers liegt —, ißm in allem zu
folgen. Das Gebiet, das er fieß ftecken mußte,
war ein eng begrenztes; manch auffcßlußreidjes
Erklärungsmoment, das die Hinzuziehung der
franzöfifeßen Sßicbenkunft im 19. Jahrhundert
für den Ablauf der deutfeßen Entwicklung ge-
geben ßätte, mußte er fieß verjagen, durch
Klort und Bild näßer zu beleuchten. Für die
neuefte Kunft, ja felbft für Meifter wie Corintß
und Slevogt, ift das vorhandene Material der
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