Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

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Von Künftlern und Gelehrten — Büdjerfammelwefen

herausgegeben bat, bedeuten den vorläufigen
Söhepunkt; befonders gewaltig erfcheinen die
beiden F>olzfd)nittfolgen „Jüdifche Motive“ und
die „10 Plagen“, in denen es dem Künftler ge-
lingt, Schwarz-öüeiß-ttlirkungen von gewählter
Schönheit und einer Eindringlichkeit zu erzielen,
die die reife Fülle der ihm zu Gebote ftehenden
Modulationsfähigkeit durch den Vergleich mit
den zarten Kaltnadelradierungen diefes Jahres
und den lithographifchen Buchilluftrationen er-
kennen läßt.
Das graphifche Kabinett von Älbrecht Blau
zeigt eine Kollektivausftellung von Magnus
3eller, deffen Cllerke auf der diesjährigen Äus-
ftellung der Berliner Sezeffion in größerer 3aßl
vertreten waren.
In der Bleibtreuftraße zu Charlottenburg ift
eine neue Kunfthandlung von Älfred FJeiler
eröffnet worden, die zunächft die bekannten
Künftler der Berliner Sezeffion wie Corinth,
Seckendorf, Jaeckel, Kohlhoff, Krauskopf vor-
führt.
Von Künftlern und
Gelehrten
Prof. CGalter Ciemann, der bekannte Gra-
phiker und Schriftkünftler, wurde als Nachfolger
des verdorbenen Max Seliger zum Direktor der
Leipziger Akademie für graphifche Künfte und
Buchgewerbe ernannt. Ciemann fteht im 44. Le-
bensjahre. — Dr. Sans Kauffmann, bisher
Silfsarbeiter am Kaifer-Friedrich-Mufeum in
Berlin ift als Äffiftent von Dr. Sofftede de Groot
nach dem Saag übergefiedelt. — Anders 3orn,
Schwedens berühmterer Maler und Radierer, ift
am 22. Äuguft im Älter von 60 Jahren auf feinem
Befi^tum in Mora geftorben. Über die Ein-
fettung 3orns auf dem internationalen Kunft-
markt berichtete das letzte Seft diefer 3eitfd)rift
anläßlich der Berliner Äusftellung. — Dr. Martin
CHackernagel, bisher außerordentlicher Prü-
fe ffor an der Leipziger üniverfität, wurde als
Ordinarius für Kunftgefchichte an die Landes-
univerfität Münfter berufen. — 3um Direktor
der Nürnberger Kunftgewerbefchule wurde der
Ärchitekt Prof. Eduard Brill ernannt. — Der
Hffiftent am kunfthiftorifchen Inftitut Strzygowfki,
Cüien, Dr. Seinrich Glück, hat ßich an der
tüiener öniverfität für Kunftgefchichte des Orients
habilitiert. — Dr. Frig ttleege, Privatdozent in
Salle, wurde als Nachfolger Foerfters auf den
Breslauer Lehrftuhl für klaffifctje Ärchäologie
berufen. — Der Ärchitekt E. Fahrenkamp ift
zum ordentlichen Profeffor an der Düffeldorfer

Kunftakademie ernannt worden. — In Frank-
furt hat fiel) unter dem Namen „Ghat“ eine
neue Ärbeitsgemeinfdjaft von Künftlern und
Kunfthändlern auf wirtfd)aftlich-künftlerifd)er
Grundlage zufammengefchloffen, bei der Sandler
und Künftler zu gleichen Anteilen an allen Ver-
käufen beteiligt find, aber auch Spefen und Rifiko
gemeinfam tragen. Mitglieder der neuen Gruppe
find zunächft die Künftler Emil Beller, Gott-
fried Diehl und Sanns L.Kah und der Kunft-
händler Cramer. — Auch in Dresden haben
fich jüngere Künftler zu einem 'neuen Verband
„Die Schaffenden“ zufammengetan, um auf
der Bafis wirtfchaftlicher Solidarität die gegen-
wärtige Krifis auf dem Kunftmarkt zu über-
winden. Die erfte Äusftellung des Verbandes
foll im Oktober in den Räumen des Sächfifchen
Kunftvereins ftattfinden. Der Gruppe gehören
u. a. an: der Bildhauer Edmund Moeller und
die Maler Ä. Bertelsfon, Jofef Segenbarth,
Otto Meifter und GQi 1 h- Rudolph- Gefchäfts-
führer des Verbandes ift der, Maler Bertelsfon.
Bücherfammelwefen
(Inter Leitung von
Bibliotheksdirektor Dr. E. von Rath
Leipzig, Ferdinand Rtjodeftr. 35.
Meifterwerke der BucSmalerei
Äus Sandfchriften der Bayerifchen Staatsbiblio-
thek ausgewählt von Georg Leidinger.
Die Äbficht Georg Leidingers, aus den 50000
Sandfchriften der von ihm verwalteten welt-
berühmten Sammlung der Bayerifchen Staats-
bibliothek eine Äuswahl der kunftgefchidjtlich
wichtigften Denkmäler zu veranftalten, wird von
Kunfthiftorikern und Bücherfammlern des In- und
Auslandes freudig begrüßt werden. Crof5 des
großen Intereffes, das die Kunftgefchichte an der
Buchmalerei des Mittelalters nimmt, fehlt es,
wenn man von dem monumentalen, aber bei-
nahe nirgends vollftändig vorhandenen tüerk
des Grafen Baftard abfieht, bisher faft ganz an
umfaffenderen Veröffentlichungen, die uns durch
die Ärt ihrer öüiedergabe einen Begriff von der
Farbenfchönheit der Originale geben.
Probetafeln zu Leidingers Cüerk, deffen Verlag
Sugo Schmidt in München übernommen hat,
konnte ich in diefem Sommer in München fehen.
Ihre Ausführung in Vier- und Mehrfarbendrucken
verdient in jeder Beziehung das höchfte Lob und
vermittelt wirklich eine Änfchauung von der ein-
zigartigen Schönheit diefer Prachthandfchriften.
Leidinger, in dem wir einen der feinften Kenner
des fchwierigen Gebietes der mittelalterlichen
Sandfchriftenilluftration verehren, wird den Ca-

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