Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

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Die Frankfurter Kunftmeffe und it>r neugeplantes
Verfteigerungs - Unternehmen
Mit zwei ganzseitigen Abbildungen
Aus dem deutfcßen 3u[amm^nt>ruct) wuchs als eine der erften volkswirtfd)aftlid)en
Neufcßöpfungen die Frankfurter Meffe tiervor. Itjr angegliedert waren von An-
*“fang an die Kunftausftellungen des deutfcfyen Kunfthandels. Die erfte
im Palais Oppenheimer, die zweite im Römer. Der wachende Erfolg ermutigte die
Leitung der Kunftausftellungen, fortan Frankfurter Kunftmeffe genannt, das Unter-
nehmen wefentlid) zu erweitern. Die beiden erften Kunftmeffen waren im Grunde aus-
fchließlich Ausheilungen aus dem Befiß des Kunfthandels, die, gefchmackvoll dargeboten,
faft mehr zur genießenden Betrachtung als zum Gefd)äfte einluden. Deutlich kommt
diefe Grundftimmung in der Befpred)ung Franz Rieffels in der Frankfurter 3eitung
zum Äusdruck:
„Ein anfehnliches Aufgebot von merken der Plaftik und Malerei hat fid) in den fallen
und Sälen des Römers verfammelt. Es ift ein h°her Genuß, die mit Kunft jeder Art
feftlich gefüllten Räume zu durchwandern, durch das Halbdunkel der Hallen über die
breite Greppe mit dem malerifchen Ausblick auf den Hof und die hortenfiengefchmückten
Altanen des Nebenbaues in die Prunkfäle des erften Stockwerkes zu fchreiten. Kein
Mufeum, mag es noch fo reich an Meifterfchöpfungen erften Ranges fein, gibt diefes
Hochgefühl kunftgefd)mückten Lebens. Einem folchen Raufd) der Schönheit fid) tyin-
zugeben, feine Augen halb unbewußt an gepflegter Kunft zu weiden, ift eine CHonne...
Aber für den Berichterstatter bleibt hier nicht 3eit, fid) ftaunend zu ergö^en. Er muß
fid) zur Ordnung rufen, um aus der Menge alles Sehenswerten und Schönen einige
befonders bead)tbare Bildnerei und Malerei herauszulefen. Dabei mag es die über-
wältigende Maffe immerhin verfchulden, daß ein Stück zu kurz kommt.-
Es ift erftaunlich, in wie kurzer 3eit Dr. Lübbecke diefe bewundernswert zufammen-
gebracßte und eingeordnete Ausftellung horgerichtet hat. Erftaunlich und des größten
Dankes wert, den ißm denn auch der Strom der Befucher durch die Gat zollt. Schade,
daß fie nur fo kurze 3eit dauern foll. Aber die Kurzlebigkeit ift vielleicht eine Gugend
alles Schönen.“
Unbeftritten waren die Ausheilungen der Kunftmeffe der Höhepunkt aller Veranftal-
tungen der jungen Frankfurter Meffe.
In 3ukunft foll fid) die Frankfurter Kunftmeffe noch mehr in den Meßgedanken
ßineinwachfen, der auf dem gefd)äftlid)en Güteraustaufd) fid) aufbaut, ohne darum
ihrer bisherigen künftlerifchen Gendenz zu entraten.
Diefe Steigerung ins rein Gefcßäftliche foll die Aufnahme großer Kunftauktionen
erbringen, die im Anfcßluß an die Kunftausftellung ftattßnden werden. Die Aus-
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