Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

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Älte und neue Graphik — Büdjerfammelwefen

Landfchaft zur Kompoption. 3um lebten 3iel
aber ift Schmidt aud) auf diefem öüeg noch
nicht vorgedrungen.
Ivan Meftrovic
dem berühmten ferbifchen Bildhauer, der auf
der lebten Internationale in Rom 1911 berech-
tigtes Äuffetjen erregte, hat die füdflawifche
Regierung einen Ehrenfold von jährlich 36000
franzöfifchen Francs bis 1950 ausgefeßt, der
im Falle des Codes auf die Erben des Künftlers
übergeht. Diefe wahrhaft vorbildliche Cat eines
kaum konfolidierten jungen Staatswefens ift be-
fchämend für die alte Kultur des weftlichen
Europas, wo die beften Kräfte darben und meift
unverbraucht von dannen gehen.
Än die Kliener Äkademie
wurden als Profefforen Älbin Egger-Lienz,
derCiroler, und der Cüiener Ferdinand Ändri
berufen.
München
Än der technifchen Fjochfcfmle in München hat
fich der Kuftos der ard)itekturgefd)id)tlid)en
Sammlungen der genannten Fjochfcfmle Dr. 5 ans
Karlinger als Privatdozent fürKunftgefd)icf)te
habilitiert.
Älte und neue Graphik
tlnter Leitung von
Dr. Karl Schwarz, Berlin KI. 30,
Hfd)affenburger Str. 20.
Einzelblätter
Der Münchener Verlag Neue Kunft, F)ans
Go 11}, bringt eine Reihe beachtenswerter neuer
Graphiken heraus; zunächft drei Radierungen von
Edwin Scharff, die in ihrer durch die Ver-
wendung von Gelatineplatten erhöhten Präzipon
des Striches von geradezu frappierender Rhyth-
menfchärfe pnd. „Der Reiter“ vor allem ift ein
Blatt, in dem [ich die Geftaltung der äußeren
Form mit feelifchem Inhalte zu wunderbarer
Einheit vermählt. Dasfelbe wäre aud) von der
„Sitzenden“ zu fagen. Die leichte bläuliche Cö-
nung in dem „Segler“ gibt dem feinen Blatte
eine befonders gefchloffene dirkung. (dir ver-
weifen im übrigen auf den Ärtikel über Scharff
in Fjeft 24 des „Cicerone“ und den demnächft
erfd)einenden Band der Serie „Junge Kunft“.)
Richard See wald hat eine neue Lithographie
„Den danderern“ gefcpaffen, die uns jedoch —
befonders in derDarftellung der ruhenden heiligen
Familie — etwas gar zu fehr an Barlach erinnert.
Rene Beeh ift mit einem Blatte „Paffanten“,
Georg Ehrlid) mit zwei Lithographien großen
Formates unter den Neuerfcheinungen vertreten.

Dürer
Im neueften Fjeft der „Berliner Mufeen“ be-
fpricht Geheimrat Friedländer einen außer-
gewöhnlich großen Fjolzfchnitt Dürers, der mit
der Kreuzigung aus der großen Paffion zufam-
menhängt und feine Entftehung kurz vor 1500
für wahrfcheinlid) erkennen läßt. Das Blatt, das
in diefem einzig bekannten 3uftandsdrucke vom
Berliner Kupferftid)kabinett erworben wurde (von
dem die Sammlung bereits mehrere andere 3u-
ftandsdrudke befitjt), wurde von Prof, deisbad)
als eine Ärbeit Dürers erkannt.
Büd)erfammelwefen
tlnter Leitung von
Bibliotheksdirektor Dr. E. von Rath
Leipzig, Ferdinand Rtjodeftr. 35.
Neue fd)öne Bücher
Man glaubt es, daß es liebevollfter Sorgfalt und
monatelanger Vorbereitung bedurfte, wenn der
Golß-Verlag in München feinen Ehrgeiz be-
friedigen wollte, den Robinfon Crufoe gerade
jeßt in einem echten Luxusdruck herauszubringen.
Äber das Kunftftück ift geglückt. Vor mir liegt
ein Großquartband von 318 Seiten, von Karl
Ebert und Frieda Cßierfch in München mit der
5and in gelbbraunes Ganzkalbleder, das zu
ftreicheln ein Genuß ift, gebunden, ftarkes San-
dersbütten befter Qualität, Ciemann-Fraktur in
neu gegoffener, vorher noch nicht verwendeter
Schrift und dazu 85 Fakßimile-Federzeichnungen
von Richard Seewald, teils ganze Seiten
füllend, teils in den Cext eingeftreut, teils reich
gezierte, hoch ft mannigfach geftaltete Initialen
und zwei handkolorierte und fignierte Original-
lithographien. Diefe Illuftration will nicht nur
den Cext veranfchaulichen und dem Druckwerk
ein ftattlicheres Äusfehen verleihen, alfo eine
dem Cexte fich unterordnende Dienerin fein,
fondern fie ift ftärkfter Einbildungskraft und Ge-
ftaltungskraft entfprungene Kunft, die gleich-
berechtigt neben dem Druck fteht und doch
vollendet mit ihm zufammengeht und dem nie
fo Gefehenen oder zu Sehenden im Menfchen-
und Cierleben fuggeftive Äusdrucksform gibt.
Daß mitten in diefer Fraktur die Initialen in
Äntiqua ftehen, empfinde ich merkwürdigerweife
nicht als ftörend. Seewald offenbart aud) hier
wieder, wie in feinen Illuftrationen zu Kleifts
„Penthefilea“ (auch im Gollj-Verlag erfchienen),
fein ftarkes Cemperament, feine höchft dramatifd)
bewegte Formweife, die zu einem Cüirrwarr von
Linien und Flecken pd) fteigern kann und doch
eine wundervolle Ordnung verrät. Eine ganz

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