Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

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Bücßerfammelwefen

hervorragende Leiftung, die den Künftler in die
erfte Reihe der Illustratoren neben Slevogt rückt.
Diefes bucßtecßnifche Meifterftück, das die üni-
verptätsbucßdruckerei von Dr. C. ttlolf & Sohn
in München druckte, ift die in 20 Exemplaren
hergeftellte Mufeumsausgabe Ä (M. 2000.—) und
natürlich fchon vergriffen; daneben find noch
eine Äusgabe B in 80 Exemplaren auf etwas
dünnerem 3andersbütten, in etwas kleinerem
Format, die beiden Lithographien nicht koloriert,
fonft aber genau in dem gleichen Einband
(M. 1150.—) und eine Äusgabe C in 400 Exem-
plaren auf ftarkem holzfreien 3andersbütten ohne
die Lithographien in Halbleder gebunden mit
echten Bünden (M. 600.—) erfchienen. Daß der
Drude nach dem in der Münchner Staatsbibliothek
befindlichen Exemplare der älteften deutfehen
Übertragung von L. F. Vifcher aus dem Jahre
1720 (mit einigen kleinen ümftellungen und Fort-
laffung einer langatmigen Reifebefchreibung am
Schluffe) erfolgte, gibt diefer Äusgabe auch eine
literar-hiftorifcße Bedeutung. Der Verlag hat
pd) durch diefes wirklich mufterhafte Druckwerk
um die deutfehe Buchtechnik und die Literatur
gleich verdient gemacht.
Die 99 Mitglieder des Leipziger Biblio-
philen-Äbends erhielten beim lebten Jaßres-
effen als Jahresgabe einen Neudruck der Hu-
moreske „Die feßwierige Äufgabe“ von
Johann Hermann Detmold, der den fchon
1887 mit Segnungen von Klein erfeßienenen
Neudruck ganz wefentlicß übertrifft. Poefcßel
& Crepte haben ißn in der Unger-Fraktur mit
gewohnter Kunft gedruckt, der Leipziger Hans
Älexander Müller hat fünf Radierungen auf
Japan und eine üitelradierung beigefteuert, die
mit feinem 6üi| ein paar in der Humoreske nur
andeutend geftreifte Situationen ausmalen, und
E. Ä. Enders hat den Einband (rotes Maroquin
mit Rückenbünden und feßwarzem üitelfchildcßen
mit Golddruck oder, je nach 6Qahl, blauen Papp-
band) geliefert, und fo ift ein entzückendes kleines
buchtechnifcßcs Kunftwerk entftanden. Ich frage
mich nur, ob diefe Humoreske, die eine kleine
Idee gar zu breit tritt, diefe fplendide Erneuerung
verdiente, und ob nicht Detmolds „Kunftkenner-
feßaft“ mehrÄnfprucß gehabt hätte, wieder her-
vorgeholt zu werden.
Die Leipziger Bibliophilen, die an jedem Jaßres-
effen wetteifern, der ofpziellen Jaßresgabe noch
einige Privat-Sonderfpenden zuzufügen, haben
pch diesmal felbft überboten, ausgerechnet in
der 3eit der angeblichen Materialnot (!): nicht
weniger als noch 12 Spenden wurden verteilt,
Grapßifcßes und Literarifcßes, darunter, was hier
in erfter Linie intereffiert, auch ein paar „feßöne

Bücßer“ und ein typographifeßes Kuriofum. Prof.
Kippenberg, der immer freudig Gebende, über-
reichte in zierlichem hellgrünen Pappbändchen
einen Fakfimeledruck von elf Fabeln Lef-
fings nach der Handfcßrift im Gleimßaus in
Halberftadt. Die Gefellfcßaft der Freunde
derDeutfcßen Bücherei brachte Graf Älexej
Colftojs Gedicßt in 87 Oktaven „Das Bild“
in der eben entftandenen ausgezeichneten erften
deutfeßenÜberfettung von Ärtßur Luther dar,
ein fcßlankes Hocßquartformat, je fünf Oktaven
auf einer Seite in Äntiqua durch rote Linien-
umraßmung zufammengefcßloffen, eine von
Poefcßel & Crepte wieder glänzend gelöfte
feßwierige Druckaufgabe. Der Buchhändler Leo
Jolowicz widmete einen eigens für diefen
3weck gefeßriebenen, von Hallberg & Bücß-
ting in Leipzig in kräftiger Fraktur feßön ge-
druckten Äuffatj von ttlilßelm lüundt „Das
Land Baden im Kriegsjaßre 1866“. Und
Julius 36i11 er, der picß an diefen Äbenden
faft regelmäßig mit originellen Gaben einftellt,
erheiterte mit feinem Gedicßt „Preffe-Haupt-
quartier“, einer gelungenen Parodie auf den
Dadaismus, die noch wefentlicß gefteigert wird
durch das ergößlicße cßaotifcße Druckbild auf
grünem Papier in gelbem ümfcßlag mit ex-
preffioniftifeßem Bildtitel; auch dies eine Glanz-
leiftung von Poefcßel & Crepte. Diefe Ver-
öffentlichungen der Leipziger Bibliophilen pnd
nicht verkäuflich und kommen daßer nur in den
Befiß wirklicher Bücherfreunde; das macht pe
besonders wertvoll. Georg Minde-Pouet.
Die von mir im dritten Heft. S. 132, angezeigten
Drucke des Hesperos-Verlages in München, Höl-
derlins „Hyperion“, Kleifts „Ämpßitryon“ und
Renners „Einer unter Euch“, pnd, wie mir der
Verlag mitgeteilt hat, proviforifcß geheftet nur
für die Bibliograpßifcße Äbteilung des Börfen-
vereins zurÄufnaßme in das Cüöcßentliche Ver-
zeichnis beftimmt gewefen und gegen den Cüunfcß
des Verlages an die Deutfcße Bücherei weiter-
gegeben worden. Da pe alfo in diefem ge-
hefteten 3uftande nicht für die Öffentlichkeit
beftimmt waren und vom Verlage bereits zurück-
erbeten wurden, ift der gegen den Verlag er-
hobene Vorwurf des ünfugs der aus Spekulation
abgeftuftenÄusgabenhinfällig. Minde-Pouet.
!)enri Eftienne und die Frankfurter
Meffe
Äls im Jahre 1919 die altberüßmte Frank-
furter Meffe wieder neu in das Leben gerufen
wurde, erinnerte man pd) aud) gern der An-
erkennung, welcße diefe Meffe feßon im 16. Jaßr-

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