Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

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Büd)erfammelwe[en — Neue Bücher und 3eitfd)riften

ftücke früherer 3ßiten, wie die Erftausgaben
alter Klaffiker, die Rldinen, Elzevire und Bodoni-
drucke (und anderes mehr) werden zwar nicht
gerade mißachtet, doch haben fle unzweifelhaft
wefentlich an Intereffe eingebüßt. Überhaupt
fpielt der Inhalt des Buches nur noch eine ge-
ringe Rolle, ausfchlaggebend ift fein künftlerifcher
Schmuck. Eine befondere Vorliebe befteht für
die Fjolzfchnitte gotifchen Stils, welche die
Wiegendrucke zieren, da ihre primitive Äus-
druckskunft dem modernen Kunftgefühl ftark
entgegenkommt. Äber auch die köftlichen Bü-
cher, die die Franzofen des 18. Jahrhunderts ge-
fchaffen haben, werden heute faft zu jedem
Preis erworben, während die Buchkunft der
Renaiffance mit Äusnahme Dürers und feiner
Schule etwas mehr in den Hintergrund tritt.
Daß nicht zuletzt auch der künftlerifche Einband
von den fo feltenen Lederfchnittbänden an bis
zum franzöfifchen Maroquinband des 18. Jahr-
hunderts zahlreiche Käufer findet, ift bei diefer
Einteilung der Sammler nur zu erklärlich.
Ich muß es mir leider verfagen, diefe Skizze
im einzelnen auszuführen, jeder aufmerkfame
Lefer neuer Äntiquariatskataloge, jeder inter-
effierte Teilnehmer an Bücherauktionen ift dazu
felbft in der Lage. Äuf die ausfcblaggebende
Rolle, die die Kunft nicht nur für die Liebhaber
moderner Vorzugsdrucke, fondern auch für den
Sammler alter Bücher fpielt, ift ja ausreichend
hingewiefen worden. Daß hier 3ufammenhänge
beftehen, liegt auf der Fjand, icb brauche nur
an Morris und fein Intereffe an der deutfchen
Buchilluftration der Gotik zu erinnern. So ift
es denn nur berechtigt, daß auch der Lefer des
Cicerone fortlaufend über diefes Sammelgebiet
unterrichtet wird. Äuf einige Probleme mehr
buchgefchichtlicher Hrt, die ich heute nur an-
deuten konnte, hoffe ich in den nächften Über-
fichten zurückkommen zu können. Schließlich
foll auch die Preisfrage, bei unferem Valuta-
ftand ein befonders trübes Kapitel, gelegentlich
mit in den Kreis der Betrachtungen gezogen
werden. Doch wird man es mir nicht ver-
denken, wenn ich mir in der Behandlung diefes
heiklen Themas eine gewiffe 3urückhaltung auf-
erlege, denn alle Hoffnung, daß auch in diefer
Hinficht einmal glücklichere 3eiten wiederkehren,
braucht man ja noch nicht aufzugeben. v. R.
Neue Büdjer und 3e^fd)riften
Der Nacßlaß Äuguft Mackes
Dem Werk des allzufrüh dahingerafften Rhein-
länders wendet fich eine Veröffentlichung zu, die
foeben bei Lothar Erdmann, Bonn erfdpenen

ift. Diefer wird eine Folge von Mappen mit
Zeichnungen und Äquarellen des Künftlers ver-
öffentlichen. Die erfte Mappe umfaßt auf 20 Blät-
tern 22 3eichnungen. Später Jollen noch andere
Mappen folgen. Äls zweite Veröffentlichung er-
fcheintin der erften Hälfte des Jahres eineÄuswahl
von Äquarellen aus den lebten Lebensjahren des
Künftlers, die zwölf Blätter in farbiger Wieder-
gabe bringt. Äls dritte Veröffentlichung hat der
Verlag die Herausgabe jener Äquarelle vor-
gefehen, die Macke im Frühjahr 1914 von einer
Reife nach Tunis mitbrachte.
Die erfte Mappe (3eichnungen), die in einer
fehr befchränkten Äuflage numerierter Exemplare
erfchien, fchöpft prachtvolleDinge aus dem reichen
Erbe diefes Künftlers und gewährt einen tiefen
Einblick in die fleißige Werkftatt diefes reichen
Talentes. Die Reproduktionen find meifterßaft
gelungen. Der Preis diefer erften Mappe be-
trägt für Subfkribenten M. 165.—. Die zweite
Mappe wird vorausfichtlich M. 350.— koften.
Man möchte dem in jeder Weife dankenswerten
Unternehmen einen genügenden Erfolg wünfchen,
damit es der Verleger reftlos durchführen kann.
Lg Fauconnier
Der Ämfterdamer Verlag C. L. H- van der
Linden hat kürzlich eine Mappe mit fehr fchönen
Reproduktionen nach 16 Gemälden des franzö-
fifchen Malers herausgebracht, für die der Hol-
länder Jan Toorop eine Einführung verfaßte.
Die hier vereinigten Wiedergaben zeigen in guter
Überficht den Weg der Entwicklung, den Le
Fauconnier feit dem Jahre 1908 in feiner Kunft
zurückgelegt hat. Manches von diefen Bildern
ift auch in Deutfchland bekannt geworden. Und
wenn man früher annehmen durfte, daß der
Maler fich ftärker nach dem Kubismus hin orien-
tieren würde, fo zeigt gerade die jüngfte Periode
des Künftlers eine nicht unintereffante Äbketjr
von diefem Prinzip und eine Hinlenkung zu
einem mehr malerifchen Stil, der fich wieder
enger an die Traditionen eines Cezanne anlehnt.
Die fchöne Veröffentlichung wird auch deutfchen
Kunftfreunden willkommen fein. b.
Der Katalog der Sammlung Jofef
Stranfky
über die der „Cicerone“ im Jahre 1916 eine
reichilluftrierte Veröffentlichung aus der Feder
von Frank E. W. Freund brachte, ift inzwifchen
durch den Befiljer fertiggeftellt worden und in
einer fchönen Buchausgabe in englifcher Sprache
in New York herausgekommen. Das mit präch-
tigen Äbbildungen durchfe^te Katalogwerk offen-
bart noch einmal den großen Reichtum diefer
Galerie, die Freund damals einen Vorpoften

Der Cicerone, XII. Jafyrg., Heft 1

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