Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

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Von Künftlern und Gelehrten

Neue Graphik

fehen — mehr erfter Änfafe zu einem Neuen hin
als Erfüllung, mehr reflektiv empfangen als in-
tuitiv geboren. So feljr wir das, was über der
3eiten Vergänglichkeit fteht, mit Recht in feinem
Schaffen bewundern, fo fehr bringt uns jede
einfeitige Überfchäljung in Gefahr, wefentlichere
Dinge diefer 3eü auf Koften des einen zu ver-
kennen.
Die neue Galerie von Garvens, deren Ini-
tiative vielverheißend das Kunftleben Hannovers
erfrifcht, zeigt in einer leider nur kurz bemeffenen
Äusftellung im Schmuck des Chryfanthemum
prachtvolles altes China-Porzellan und japanifche
Fjolzfchnitte. Dazu Graphik von James Enfor. B.
Wiesbaden
In der Galerie Banger ift eine große Kol-
lektion Graphik von Kokofcf)ka,FelixMüller,
He ekel, Nolde u. a. ausgeftellt. Darunter auch
ein neuer Name, C. Eh- Protgen, München, mit
einer auch als Mappe erfchienenen Folge von
Lithographien „Äus meiner Gefangenfchaft“, Blät-
tern von hoher Schönheit, aus denen ein originell
geprägter Stil von außerordentlich rhythmifcher
Schwungkraft fpridjt. — Die Äusftellungen von
Gemälden und 3eichnungen von Olaf Chri-
ftianfen, dem Sohn Fjans Chriftianfens, ver-
dient ebenfalls Beachtung. Der junge Künftler
fteht noch im Kampf mit fich und feinem Stoff;
doch zeigen befonders die Bildnisftudien ein
ftarkes Erfaffen des Wefentlichen im pfycholo-
gifchen Moment. d).
Von Künftlern und Gelehrten
Prof. Dr. F. Bock, ehemals an der Äkademie
in Pofen, ift als Nachfolger Schubrings als Do-
zent für Formenlehre an die technifche Hoch-
fchule Berlin berufen worden. — Die technifche
IJochfchule in Hachen hat Prof. Fjoelzel und
den Hrchitekten Prof. Karl B o n a ^ - Stuttgart,
ferner den Fabrikanten Peter Bruckmann-
Heilbronn in Hnerkennung ihrer Verdienfte um
das deutfdje Kunftgewerbe zu Ehrendoktoren
ernannt. — Der Maler Karl Hofer wurde als
ordentlicher Lehrer für Malerei an die Berliner
Kunftakademie berufen. — Den Vorfitj der
Keftner-Gefellfchaft in Hannover, deren Ver-
dienfte um die Pflege der modernen Kunft be-
kannt find, hat der Herausgeber diefer 3eitfchrift
Prof. Georg Biermann übernommen. Äußer
ihm wurden neu in denVorftand gewählt: Prof.
Ernft Vetterlein von der technifchen Hoch-
fchule Hannover als ftellvertr. Vorfi^ender und
der junge Sammler Fri^ Beindorff jr. als
Schriftführer. — Der Maler Kay H- Nebel, bis-
her in Darmftadt tätig und Mitglied der Darm-

ftädter Sezeffion, wurde als Lehrer an die Kunft-
akademie in Kaffel berufen. — Der Maler
Walter Georg Rößner, Mitglied der Berliner
Sezeffion, wurde zum Lehrer an der Berliner
ftaatlichen Kunftfdmle ernannt. — Prof. Heinrich
Eeffenow hat den Ruf als Nachfolger Poelzigs
an die Ärchitekturklaffe der Dresdener Kunft-
akademie angenommen. — Van Riemsdijk,
der erfte Direktor des „Rijksmufeums“ in Ämfter-
dam, der kürzlich feinen 70. Geburtstag feierte,
hat feine Entlaffung eingereicht.
Veränderungen an den Mündjener
Mufeen
Vom 1. Äuguft ab wurde das Ärmeemufeum
in München dem bayrifdßen Kultusminifterium
unterteilt. Mit der Wahrnehmung der Gefchäfte
der Direktion wurde der Direktor des National-
mufeums, Prof. Dr. Pt). M. Halm betraut, dem
der Eitel eines Generaldirektors verliehen
wurde. 3uHauptkonfervatoren am Ärmeemufeum
wurde Oberft a. D. Julius Muxel und Kunft-
hiftoriker und Hauptmann a.D. Dr. Hans Stöck-
lein ernannt, zum Konfervator Major a.D. Jo-
fef Hofmann. Äm Nationalmufeum wurde
vom 1. November ab an Stelle von Dr. Hans
Buch heit, der nach Stuttgart berufen wurde,
Konfervator Dr. Georg Lill zum Hauptkonfer-
vator befördert, Konfervator Dr. Johannes
Jacobs erhielt Eitel und Rang eines Haupt-
konfervators. Der Äffiftent an der Graphifchen
Sammlung Dr. Rudolf Berliner wurde zum
Konfervator am Nationalmufeum ernannt. Der
Konfervator amNationalmufeumDr.Max Hautt-
mann hat fiel) an der Münchener üniverfität
mit derÄrbeit: „Gefdjichte der kirchlichen Bau-
kunft in Bayern, Franken und Schwaben von
1550—1800“ habilitiert.
Neue Graphik
Stedjerkunft der ÜLIerkgemeinfdiaft
(Oorpswede
Die graphifchen Künfte, die einft bet uns durch
großer Meifter Hände zu Ehr’ und Änfetjen ge-
langt, mußten fich lange 3ßit eine ftiefmütter-
licße Behandlung in ihrer Urheimat gefallen
laffen. Seit einem Menfchenalter aber ungefähr
find fie aufs neue erblüht und find nunmehr
wieder in den Vordergrund des Intereffes ge-
treten. Die jüngfte diefer Künfte, die Litho-
graphie, wird heute am meiften geübt; fie er-
freut fich neben der Radierung der befonderen
Gunft bei Künftlern wie Publikum. Den Holz-
fchnitt hat die moderne Kunft zu ihrem Favo-
riten erklärt; er ift die Eechnik, die dem mo-

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