Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

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Äusftell ungen

leidet befindet er fid) in einer Übergangsperiode,
die ihm fid) wiederfinden läßt. (Harten wir erft
fein angekündigtes großes Bibelwerk ab, eße
wir wieder von ißm fpreeßen, feine „Kosmifcße
Liebe“ vermag uns nießts zu fagen.
Seckendorf ßat diesmal Befonderes nießt zu
fagen, Grigoriew, der vor Jaßresfrift begeiftert
aufgenommene Ruffe, verfagt, ErnftFritfcß findet
fieß allmäßlicß in einßeitlicßerem Farbenvortrag,
öüaske verfeßwimmt in nießtsfagenden großen
Formaten. Corintß und Leffer öry find die Klaf-
fiker der Berliner Sezeffion, öry, der immer aufs
neue inErftaunen feßende Virtuos, deffen Straßen-
fzenen, fo oft fie aueß auf den Äusftellungen
erfeßeinen mögen, immer wieder bewundert und
— was ausdrücklich betont fei — zu ftets Zei-
genden Preifen fofort gekauft werden, Corintß,
der unermüdliche und unerfeßöpfließe Meifter
mit jugendlicher Kraft, der wie kein anderer
Künftler feiner Jaßre mit den Jüngeren Scßritt
ßält und ißnen Füßrer und Leßrer bleibt. Bei
ißm nimmt man aueß die Entgleifungen gerne
ßin, die nur fein raftlofes Sucßen bewei|en. So
hätte man gerne das gar zu derbe, in den
Farbenkontraften ßarte Porträt der FJenny Porten
gemißt und würde bei dem Stilleben mit Kind
lieber das Stilleben oßne das Kind feßen. (öäßrend
maneße feiner (üerke den Eindruck erwecken,
als könne er kompofitionelle Bindung nießt meßr
ftraff genug zufammenßalten, wirkt er in an-
deren wieder fo felbftficßer, daß man es kaum
für möglich halten follte, daß derartig divergie-
rende (öerke faft der gleichen 3eit ißre Ent-
fteßung verdanken. Die Cßryfantßemen zeigen
den ftarken, jugendfrifeßen Corintß, der3entaur
und die Baccßantin den lebensfrohen Meifter,
deffen neun Gemälde aueß auf diefer Äusftellung
das Intereffantefte find.
Bei Karl Nicolai ftellt wiederum (üilßelm
Scßmid eine Kollektion von 24 Gemälden aus.
Der Verlag Friedrieß Deßne, Leipzig, über
deffen grapßifcße Publikationen wir bereits früßer
ausführlich berichteten, ftellt fieß zum erften Male
in einer Gefamtfcßau bei (öerkmeifter und in
den Scßaufenftern von Ämelang dem Berliner
Publikum vor.
Nacß der großen grapßifcßen Gefamtkunftfcßau
feiner Mitglieder, die eine impofante Überficßt
über die Gefcßicßte und die derzeitige künft-
lerifcße Bedeutung des Sturm ermöglichte, zeigt
der Salon Fjerwartß [Haidens im November zahl-
reiche (öerke von Hlbert Gleizes, der neben
Braque der wießtigfte Füßrer des franzöfifeßen
Kubismus ift, ferner von Johannes Molzaßn,
der an diefer Stelle demnäcßft in einem eigenen
Beitrag ausführlich gewürdigt werden foll und

von dem Parifer Jacques Villon, der zum
erftenmal mit einer größeren Kollektion vor das
deutfeße Publikum tritt. Über die Äusftellung
felbft wird noeß zu fpreeßen fein. K. Scß.
Elb erfeld
Vor einiger 3eit eröffnete Max Loßmann in
Elberfeld einen Kunftfalon vornehmen Stils. Im
vergangenen Sommer planvoll und gefeßiekt er-
weitert, ift das Loßmannßaus nun zu einem be-
ftimmenden Faktor im Kunftleben des (öupper-
tals geworden. Durcß Verlegung der ttlander-
ausftellungen, der Vorträge des Mufeumsvereins
und der (üerkfeßau der Bergifcßen Kunftge-
noffenfeßaft aus denRäumen desMufeums ßierßer
ßat der Leiter des Mufeums, Prof. Dr. Fries,
meßr Ellbogenfreißeit für feine Tätigkeit be-
kommen, die fieß augenblicklich in der lang-
erwarteten Verausgabe eines Katalogs der Elber-
felder Sammlung kund tut. Mit einer Äusftellung
wertvoller Gemälde aus Elberfelder Privatbefitj
ßat das Loßmannßaus jeßt feine neuen Räume
geöffnet. Man fießt an diefer Bildfcßau, wie-
viel koftbares Gut in den Fjäufern des kunft-
liebenden Elberfelder Bürgertums fieß befindet.
Von früßen altdeutfcßen und altßolländifcßen
Meiftern an, unter denen Namen wie de Vos,
Bega, van Goyen, Brouwer notiert feien, kann
man die Entwicklung der Malerei an cßarakte-
riftifeßen Stücken bis zu den markanteften Ver-
tretern des Expreffionismus, wie Marc, Fjeckel,
Kokofcßka, Jawlenfki u. a., verfolgen. Die Äus-
ftellung erregt Intereffe weit über das bergifeße
Land hinaus. C. R. Scß.
Hannover
Die Keftner-Gefellfcßaft ßat foeben eine
große Nacßlaßausftellung von tüilßelm Leßm-
bruck eröffnet, die fieß an diefer Stelle in den
vorneßm abgeftimmten Räumen des feßönen
Fjaufes an der Königftraße wie eine leßte ftille
Fjuldigung vor dem Cöerk eines großen deutfeßen
Plaftikers ausnimmt, deffen Schaffen — wie fein
Leben felbft — Fragment geblieben ift. Vieles
von dem, was ßier zu leßter überzeugender Ge-
fcßloffenßeit vereinigt ift, war im vergangenen
Sommer fowoßl in Darmftadt wie in Düffeldorf
zu feßen. Äber eßrlicße Kritik muß ßeute ge-
fteßen, daß, fo impofant aueß einige wenige
Ärbeiten diefes Scßöpfers aus dem Gefamtwerk
jenes Jaßrzeßnts ßervortreten, in dem der Begriff
Leßmbruck langfam in denjenigen neugotifeßer
Seßnfucßt überging, vieles nießt eben ßoeß über
einem guten akademifeßen Niveau ßinausragt
und daß diefer Künftler woßl ein prachtvoller
Plaftiker im Gefüßl, aber nie ein Bildhauer ge-
wefen ift. Sein Cöerk war — im ganzen ge-

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