Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

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Von Künftlern und Gelehrten

Neue Graphik

mik, die die größeren Manufakturen und die mehr
handwerksmäßigen, kleineren Eöpfer umfaßte. Im
Mittelpunkt ftanden eine lückenlofe Überfidjt über
die Produktion der Karlsruher Majolika-Manu-
faktur und eine hiftorifche 3ufammenftellung des
„Werkes“ von Max Läuger. Die Bedeutung
der Majolika-Manufaktur liegt in ihrer Funktion
als Sammelbecken für die keramifche Produktion
einer großen Anzahl von Künftlern. Von den
durch Ehoma angeregten Anfängen führt die
Entwicklung in ftetigem 3ufammenhang mit der
Volkskunft zu den Schöpfungen K. Württem-
berg ers, in denen die Manufaktur ihren Höhe-
punkt erreichte. Dann ging die Qualität zurück
durch das mehr fabrikmäßig hergeftellte Luxus-
Kunftgewerbe. Nur in der Baukeramik konnte das
hohe Niveau beibehalten werden. Eine andere
Funktion erfüllt die Werkftatt Läugers als In-
ftrument eines einzelnen Künftlers. Auch hier
erhält die Entwicklung infolge der handwerk-
lichen Bedingtheit und den Schuß Volkskunft,
der in aller Keramik zur Wirkung gelangt, ein
feftes Gerüft. Auf diefem Gerüft baut fiel) die
perfönliche Kunft Läugers auf mit Ornamenten
voll Aktivität und feinfter Differenzierung des
Formen- und Farbgefühls. Die jüngften Werke,
die bei leister Verfeinerung zur Einfachheit zu-
rückkehren, erinnern an oftafiatifche Erzeugniffe.
Auf die keramifche Kultur Badens wirkte Läuger
vor allem durch feine derEedmik entwachfende
Formenfprache und durch die vollendete Eechnik
feiner Glafuren.
Als wertvoller hiftorifcher Unterbau diefer
Ausftellung diente die Vorführung älterer badi-
fcher Keramik aus den Beftänden des Landes-
mufeums. In den Barockräumnn des früheren
Schloffes kommen die Durlacher, Hornberger und
Schwarzwälder Erzeugniffe zu reinfter Wirkung.
Am meiften überrafchten hier infolge ihrer kunft-
gewerblichen und tecfmifchen Vollendung die
alten, anonymen Schwarzwälder Keramiken,
denen gegenüber jedes moderne Werk gekünftelt
erfchien.
Über die Schirmer - Ausftellung, die zum
erftenmal Schirmer als Gefamterfd>einung ge-
recht wurde und die vor allem feine Bedeutung
für die Entwicklung der füddeutfchen Malerei
herausarbeitete, foll fpäterhin ausführlich be-
richtet werden. Hans Curjel.
Von Künftlern und Gelehrten
Kurz nach ihrem 70. Geburtstag ftarb am
27. September in Kopenhagen Paul Gauguins
Witwe, die Dänin Mette Gauguin geb. Gad.
In den kürzlich bei Guftav Kiepenheuer in Pots-

dam erfchienenen Briefen Gauguins mit P. O.
de Monfreid begegnet der Name diefer tapferen
Frau des öfteren, an deren Leiche die beiden
Künftlerföhne des berühmten Paares trauerten,
von denen der eine, Pola Gauguin, als Maler
in Norwegen lebt, während Jean Gauguin als
Eierplaftiker in Kopenhagen einen angefehenen
Namen hat. — Dem Privatdozenten für Kunft-
gefchichte an der Univerfität Tübingen Dr. G e o r g
.Weife, aus deffen Feder die „Monatshefte für
Kunftwiffenfchaft“ jüngft einen grundlegenden
Beitrag über „Denkmäler romanifcher Plaftik am
Oberrhein“ veröffentlichten (Jahrg. 1920, Bd. I),
ift der Eitel eines außerordentlichen Profeffors
verliehen worden. Die gleiche Anerkennung er-
fuhr unfer langjähriger Mitarbeiter, der Privat-
dozent an der Eechnifchen Hocbfchule in Stutt-
gart, Dr. Hans Hildebrandt. — Der Architekt
Martin Elfäffer, Profeffor an derEechnifchei
Hochfchule in Stuttgart, erhielt den Auftrag zu*
Neuordnung der KölnerKunftgewerbefchule
und wurde zu dem genannten 3weck für ein
Jahr beurlaubt. — Den Vorfiß des Bundes „Hei-
matfchuh“ hat Frhr. v. Stein, Berlin, über-
nommen. — An die Landeskunftfchule in
Karlsruhe wurden folgende Lehrkräfte neu
berufen: Für die Meifterabteilungen Prof. Bil-
ling (zugleich Direktor der Anftalt) für Vorträge
und Übungen in Innenarchitektur und Ardjitektur-
plaftik, Prof. Läuger für Keramik; die Maler
Babberger (Frankfurt) und Goebel (Karls-
ruhe) für Malerei; H- Gehri (Freiburg) für Fi-
gurenzeichnen. Außerdem erhielt der Direktor
der Kunfthalle, Dr. Storck, einen Lehrauftrag für
Kunftgefchichte. — Der Privatdozent für Kunft-
gefchichte an der Univerfität Innsbruck, Dr. Hein-
rich Hammer, ift zum a. o. Profeffor ernannt
worden.
Neue Graphik
GrapHik der Galerie FledjtHeim
1. In Memoriam Paul A. Seehaus. Sechs
Radierungen des Künftlers. Umfchlagentwurf
von Heinrich Nauen. Eextbeilage „Erinnerung
an Seehaus“ von Walter Cohen.
2. Georg Eappert, „Der Nachtwandler“.
Acht Holzfehnitte zu dem Gedicht von Eheodor
Däubler.
Die wenigen originalgraphifchen Mappen-
werke, die Alfred Flechtheims rühriges Unter-
nehmertum bisher den Freunden graphifcher
Kunft gefchenkt hat, find Dokumente eines
fieberen künftlerifchen Inftinktes und durchaus
auf Wefentliches eingeftellt. Die Herausgabe der

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