Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

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Alte und neue Graphik — Bücherfammelwefen

ftaatlichen Sammlung noch gar zu fpärlich, um
[ie neben Choma, Liebermann und Menzel zur
rechten Geltung zu bringen. Cüas aber Jufti in
feiner Einleitung als Vorausfetjung zum Be-
trachten von 3eid)nungen fagt, ift vorzüglich
und hebt das (Uerk über den ttlert eines Füh-
rers zu einem anregenden Belehrer zum rich-
tigen Sehen und belebenden Kunftgenuß. K. S.
Neue grapljifdje Veröffentlichungen
Mappenwerke
Älbrecht Dürer, Die vier Qdzrdmittfolgen:
Die Offenbarung St. Johannis, Die große Paffion,
Die kleine Paffion, Das Marienleben. Verlag
Ämsler & Ruthardt, Berlin.
Das zunehmende Intereffe weiter Kreife für
nnfere großen deutfchen Meifter und die wad)-
fende Bedeutung für unfer Geiftesleben doku-
mentiert fich auch bei unferen feriöfen Kunft-
verlagen in den Publikationen, mit denen fie
die Allgemeinheit auf die Dokumente altdeutfcher
Kunft hinweifen. In der Form, wie Dürer feine
unfterblichen Bilderfolgen felbft zu feinen Leb-
zeiten in die tüelt gefdjickt hat, hat fie nun
Ämsler & Ruthardt in originalgetreuen Abbil-
dungen herausgegeben, die fid) dank der vor-
züglichen Kliedergabe viele Freunde erwerben
werden.
3eid)nungen und Radierungen von El-
friede öüendtlandt. Mappe mit 6 Radie-
rungen, 25 Lichtdrucken und 5 3inkätzungen.
Verlag Max Barrwitj, Nikolasfee-Berlin. M.200.—.
Der Profpekt, den der Verlag mit einem kur-
zen, empfehlenden Beiworte von Peter Jeffen
verlegt, verfpridjt mehr, als die Originalmappe
zu halten imftande ift. Denn mehr als eine ge-
wiffe Anmut und zarte Gefinnung ift diefer
Sammlung, die fid) im übrigen durch meifter-
liche Reproduktionen in Lichtdruck und Zink-
ätzung auszeichnet, kaum zu entnehmen. Eine
ed)t frauliche Erfindungsgabe, eine Märchen-
natur, erfreut wohl beim erften Anblick, genügt
aber, befonders in den Abzeichnungen, nicht
immer. Über die Exlibris-Blätter ließe fid) oft
prinzipiell ftreiten, denn das öüefen des Buch-
zeichens, das typenhaft Gefchloffene, Stempel-
artige, das id) als die Vorbedingung für diefe
Kunftgattung erachte (jedoch nur feiten in den
modernen Exlibris erfüllt fehe), kommt auch
hier nicht zur Genüge zum Ausdruck.
Ankündigungen
Demnächft erfcheint im Verlag von Ämsler &
Ruthardt, Berlin das graphifche ttlerk von Karl
Stauffer-Bern, das fämtliche 37 Radierungen

des Meifters in Kupferdruck wiedergibt und zum
Subfkriptionspreis von M. 700.— in 150 Exem-
plaren mit einem Vorwort von Bans Cd. Singer
zur Ausgabe gelangt.
Berlin
Vom 9. bis 12. Februar findet bei Bollftein
& Puppel die Verweigerung wertvoller Kupfer-
ftid)e,Sd)abkunftblätter,Radierungen undFarben-
drucke aus dem 17. und 18. Jahrhundert ftatt,
wobei feltene Blätter von Boucher, de Marteau,
Drevet, Fragonard, Reynolds, Lancret zum Äus-
gebot gelangen. Von den Deutfchen find be-
fonders Chodowiecki und Georg Friedrich Schmidt
vorzüglich vertreten, darunter Blätter, die höchft
feiten im Bändel Vorkommen. Robert Nanteuil
wird man wohl fchwerlid) wieder in folcher
Reichhaltigkeit zufammenßnden. önter den
Farbenftichen findBlätter von auserlefener Schön-
heit, fo daß fich um fie ein harter Kampf bilden
wird. Eine Sammlung Schweizer Änfid)ten und
Schweizer Künftler wird ebenfalls viel Intereffe
erregen.
Im März follen bei Ämsler & Ruthardt Du-
bletten aus dem Kupferftichkabinett der Staats-
fammlungen verfteigert werden, darunter Ar-
beiten von Befemann, Krüger und Menzel.
Bücherfammelwefen
tlnter Leitung von
Bibliotheksdirektor Dr. E. von Rath
Leipzig, Ferdinand Rol)deftr. 35.
Die erfte FJauptmann-Bibliograpljie
Als Neujahrsgruß hat der Antiquar Martin
Breslauer einer Anzahl feiner Freunde den
Katalog einer Bauptmannfammlung zugefchickt,
den man wohl als den erften Verfuch einer
Bibliographie der Schriften diefes Dichters be-
zeichnen kann. Die Sammlung felbft ift bereits
in fefte Bände übergegangen; aber der Bearbeiter
des Kataloges wollte doch diefe Vereinigung
der Schriften des Meifters im Drude fefthalten,
da fie in der Cat in folcher Vollftändigkeit bis-
her nirgends verzeichnet waren. Von den feltenen
Stücken hebe ich die vom Verfaffer aus dem
Buchhandel zurückgezogene Dichtung „Prome-
thidenloos“ und „Das bunte Buch“, das durch
den Konkurs des Verlegers überhaupt nicht in
die Öffentlichkeit gelangt ift und daher auch den
größten Bibliotheken fehlt, hervor. Von den
paar Kleinigkeiten, um die diefe Sammlung nod)
vermehrt werden könnte, nenne ich den erften
Druck von „Elga“ in der neuen Rundfchau 1905,
Beft 1, und die fchöne Vorzugsausgabe des
„Keßers von Soana“, die 1918 vom Fifd)erfd)en

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