Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

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Äusftellungen

Äusftellungen
Scl)wedifch)e Künftler
In Liljevalchs Konfthall ift die ßerbftaus-
ftellung moderner fchwedifdjer Künftler Ende
Oktober eröffnet worden, die im ganzen zeigt,
wie man fid) in Schweden nur zaghaft zur Er-
kenntnis der neuen fcüahrheit und zum expref-
fioniftifcben Bekenntnis durchringt. Hls eine
der erfreulicbften Erfcbeinungen muß der mehr
als 60jährige Georg Pauli genannt werden,
der geiftig junge und labile Führer der jungen
Künftlergeneration, der fich zweifellos durch die
Bekanntfchaft mit dem franzöfifcßen Kubismus
gewandelt hat und durch die Kartons zu Mo-
numentalgemälden für das Stockholmer Stadsßus
vertreten ift. Leander Engftröms Bilder in
Öl und Gempera zeigen meift italienifche Motive.
Erwähnt fei eine intereffante Kopie nach Loren-
zettis Fresko in Äffifi. Diefen Künftler zeichnet
ein heroifches Landfchaftsgefühl aus, das fich
in ftilifiertem Linienpathos der Landfchaftsftruktur
Husdruck zu verfchaffen fucht („Goldner Äbend“).
Bewußter wirken Einar Iolins venezianifche
Kanalfzenen, auf denen Gondolieri mit akzen-
tuierten Gliedmaßen ftarke (an Fjodlers Holzfäller
erinnernde) Bewegungen auslöfen, weniger ftark
dagegen find Ewald Datdskogs Bilder der
Piazza S. Marco und andere Motive von Ve-
nedig, Florenz und Äffifi. John Steen ift ver-
treten durch einige gobelinartige Darftellungen
von dekorativer Farbenwirkung. In E. Hall-
ftröms Gemälden äußert fich ein ausgefprochen
romantifches Landfchaftsgefühl. Gideon Börje
ift vor allem mit „Stilleben“ vertreten, während
Hrvid Fougftedt in einer Gruppe von Boxern
und einer weiteren, die einige moderne fcßwe-
difche Maler wiedergibt, fich als Porträtift nicht
ohne perfönliche Note zeigt. öüeiter feien- er-
wähnt: Ärthur Percy, johan Johannfon
„Sommerabend“, Äuguft Lundberg mit fünf
Variationen über das Chema „Nature morte“.
Äus dem umfangreichen ttlerk von Greta Fahl-
cranß, das Gemälde, Äquarelle und 3eid)nungen
enthält, fei eine „Franzöfifche Landfchaft“ als
charakteriftifcl) hßrausgehoben und — last not
least—muß Holding Lindquift genannt wer-
den, in deffen „Krankenßausfaal“ etwas von der
graufamen Äbgefchiedenheit jenes Ortes Ereignis
wurde. Die Husftellung als Ganzes zeigt, das
hier das innere feelifche Erleben des Menfchen
noch nicht den Punkt erreicht hat, der nötig ift,
um fid) von einem alten als unzulänglich emp-
fundenen künftlerifchen Äusdrucksgefühl ent-
fchieden abzuwenden. Die ekftatifche Kraft der

Seele, die fich der dielt fd)enkt — auch wenn
diefe des Gefchenkes nicht würdig ift — das
jubelnde Criumphieren des prophetifchen Geiftes
ift hier noch nicht erwacht. Äber auch hier find
Änzeichen für die Ulende vorhanden, Duve.
Äusftellung fpanifdjer Kunft im Bur-
lington Fjoufe
Dank den Bemühungen des Spanifchen Komitees
und vor allem des Präfidenten, Herzogs von Älba,
bietet die kürzlich eröffnete Burlington-Houfe-
Äusftellung einen einzigartigen Überblick über
die beften dlerke fpanifcher Kunft. Velasquez,
3urbaran, Murillo, Greco und vor allem Goya
find glänzend vertreten. Von höchftem Interefje
ift Grecos „Äpotheofe Philipps II.“ aus dem
Escorial, eine Leihgabe des Königs von Spanien.
Von Greco findet fich ferner noch feine „Ver-
kündigung“ aus dem Befifs des Marques von
ürquijo, ein „St. Sebaftian“ und das Porträt
eines alten Mannes, das vielleicht mit Unrecht
als Selbftporträt bezeichnet wird. Unter den
26 Bildern Goyas ragen einige große Landfcßaften
feiner Frühzeit hervor. Für den Herzog von
Ofuna gemalt, erinnern fie an Fragonard. Die
Porträts zeigen Goya von feiner charakteriftifd)-
ften Seite. Äußer einem kleinen Selbftbildnis
find zu beachten die Porträts der Herzogin von
Älba, der Schaufpielerin Maria Rofario Fer-
nandez und des Herzogs von Ofuna. dl.
Ämfterdam
Nach einerNotiz in den holländifchen 3eitungen
hat fich in Ämfterdam ein Äusfrfmß gebildet, der
eine dlanderausftellung von modernen
deutfchen Gemälden durch Holland veran-
ftalten will. Äls Schriftführer fungiert Älbert
Hahn jr., Langeweg 49, ülatergraafsmeer bei
Ämfterdam. Hoffentlich handelt es fich nicht um
ein ähnliches Gefchäftsunternehmen, das vor
kurzem in den Räumen des Stedelijk Mufeums
in Ämfterdam einen greulichen Haufen aller-
fchlimmften Kitfehes unter der Flagge „Öfter-
reichifdßes Kunftgewerbe“ ausftellte.
Im Stedelijk Mufeum wurde am 14. No-
vember die Äusftellung des Vereins „St. Lucas“
eröffnet. Ein Saal enthält nur Kinderporträts.
Die wichtigften Äusfteller ßnd N. Baftert, Suze
Biffchop Robertfon, H- F. Boot, Cjerk Bottema,
Filarfki, S. Garf, C. M. Garms, J. M. Graadt van
Roggen, H- H^yenbrock, Germ, de Jong, J. H-
Jurres, H- M. Krabbe, Harry Kuyten, M. Mon-
nickendam, E. Reitsma Valenca, Coba Ritfema,
George Rueter, Jan Slyuters, M. Vreugde, Prof.
N. van der GQaay, Lizzy Änfingh, G. H- Grauß,
C. Ägterbergen G. Schwarte. Prof. N. van der

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