Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

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Äusftellungen

Von Künftlern und Gelehrten

Sd)rimpf und die in ihrer feftgefd)lof[enen
Farbenfkala wohltuend klaren Stilleben von
Kars verbleiben. Unter den graphifchen Ärbeiten
treten Radierungen von Scharff und Fjand-
drucke von F)echt hervor. Es wäre einmal an
der 3eit, die Frage zu erörtern, wie viel idealer
Nutzen aus derartigen Maffenausftellungen den
Künftlern oder fagen wir der Kunft entfpringt;
zu erörtern wie einerfeits das Maß des Ge-
botenen, das die Äufnaßmefäßigkeit des Be-
fcßauers überfteigt, das Publikum zu jenem ge-
dankenlofen Durchlaufen erzieht, das das Elend
der großen Jahresausftellungen unferer Kunft-
ftädte ift; wie andrerfeits die 3wangsvor~
ftellung des Mufeums gähnende Vielräumigkeit
(17 Säle und Kabinette!) zu befiegen, zu einer
wachsenden ^eranraffung des Mittelmäßigen
treibt. Es handelt fich hier um Bedenken, die
um fo fchärfer betont werden müffen, da die
Äusftellungsleitung — an fich erfreulicherweife —
programmatifch die junge Kunft vertritt, aber
darum die um fo größere Pflicht ftrengfter Äus-
wähl hat, weil das Publikum zu leicht geneigt
ift, dem Neuen gegenüber fich ablehnend zu
verhalten, und nach dem Mittelmäßigen fein
Urteil bildend, von dem (Hollen und Können
der Beften unferer 3^it fcßiefe Begriffe erhält.
In der Galerie Banger find Münchner Künftler,
zum Ceil älterer Richtung; von monumentaler
CUirkung zwei große, unter dem Eindrücke des
Kriegs gefcßaffene CUerke von Büffinger. d).
3ürid)
In der neuen Äusftellung des Kunftßaufes
hat Fjodlers monumentales CUerk „Die Lebens-
müden“ einen Ehrenplaß. Das Bild ift kürzlich
aus Ulien nach der Schweiz gelangt. Än gleicher
Stelle fieht man ferner eine bedeuifame Kollek-
tion von Bildern und Plaftiken E. de Fioris
und eines zweiten ihm wefensverwandten Künft-
lers, Eugen Steinhof, der ebenfalls mit ma-
lerifdßen und plaftifchen Ärbeiten vertreten ift.
Von den übrigen (Berken der Äusftellung feien
noch Bilder von Rud. Dürrwang, Rud. Löw
und Cheodor Goppelsröder erwähnt; da-
neben eine kleine Sammlung von Ärbeiten des
Bildhauers Älbiker.
Der Kunftfalon (Uolfsberg hat vor kurzem
eine fehr feine Cuno Ämiet-Äusftellung er-
öffnet, die vor allem entwicklungsgefchichtlich
fehr auffchlußreich ift. Prof. Ärtßur CUeefe
aus Bern war eigens nach 3ürich herüber-
gekommen, um den Füefigen Kunftfreunden in
einem Vortrag das künftlerifche Schaffen Ämiets
zu erläutern.

Von Künftlern und
G eiehrten
Prof. F)enry van de Velde
ift, wie uns mitgeteilt wird, nun für dauernd aus
der Schweiz, wo er fich in Ütwil am Bodenfee
einen kleinen Befiß gekauft hatte, nach Fjolland
übergefiedelt: Fjier fand er im Fjaag bei dem
bekannten Großinduftriellen und Kunftfammler
Kröller, für den auch Peter Behrens 1911 ein
großartiges Landhaus mit Bildergalerie entworfen
hatte (f. F. Fjoeber, P. Behrens, München 1913,
S. 200ff., Äbb. 230—234), begeiftertes Verftändnis.
Er baut ihm zur3eit ein neues Mufeum für die
Cüerke der franzöfifchen Impreffioniften, van
Goghs ufw., die Kröller befißt. — Uns Deutfdrjen
bleibt nichts übrig als zu bedauern, daß niemand
bei uns es verbanden hat, diefen Pionier der
modernen Nußkunft durch eine feiner würdigen
Stellung zu feffeln! F. Y).
Dr. Carl Georg F)eife
bisher Äffiftent an der Fjamburger Kunfthalle,
der fich vor einigen Jahren vielverfprechend mit
einem Buch über die norddeutfche Malerei in
die Kunftgefd)i.chte einführte, ift als Nachfolger
Schäfers zum Direktor des Lübecker Mufeums
ernannt worden. Dr. Fjeije ftand zuleljt im (Uahl-
kampf mit Dr. Fjartlaub-Mannheim und Dr. Stier-
ling-Ältona, und ift im Einblick auf die Overbeck-
Gefellfchaft und die Gemäldegalerie gewählt
worden.
Dr. E. ÜX Braun
der verdienftvolle Leiter des fchlepfchen Landes-
mufeums in Uroppau beging am 23. Januar d. J.
feinen 50. Geburtstag. Dr. Braun, der fich durch
feine zahlreichen wertvollen Publikationen als
Kunfthiftoriker einen bekannten Namen gemacht
hat, ift auch den Lefern des Cicerone durch
feine Ärbeiten über europäifches Porzellan wohl
bekannt.
Friedrid) v. Duljn
der bekannte Fjßidelberger Ärdßäologe, über
deffen Bedeutung die „Kunftchronik“ vom 12. März
einen längeren Ärtikel veröffentlicht, hat feine
Lehrtätigkeit als Siebzigjähriger aufgegeben.
Äntoine Sdjmidt
einer der hoffnungsvollen jüngeren Schweizer
Maler, ift kürzlich, 29jährig, an der Schwindfucht
in Montana geftorben. Im Frühjahr 1918 hatte
er zum erftenmal gefchloffen in 3ürich ausge-
ftellt. Er war fchon damals als Einer von denen
erkannt worden, die nur ihren eigenen Uleg
gehen wollten, und der führte von der abfoluten

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