Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

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Ausheilungen

weiter. Daneben find Radierungen und 5olz-
fdjnitte zu fehen. Die Bilder find fämtlich Do-
kumente des vorigen fonnigen Sommers, voll
Farbe und Formkraft. Cljematifd) ift nichts
Außergewöhnliches zu finden. Reine 3uftänd-
lid)keit bildet den Inhalt diefer Bilder, die aller-
dings nur eine Seite Sdjaeflers zeigt, der in
Figurenfzenen feine Porträtveranlagung bis zu
dämoni[eher Karikatur zu fteigern vermag. Fjier
fießt man (Claldwiefen, romantifd) fülle Leiche,
Brücken, Seen und Berge. Dazu rudernde, ba-
dende Menfcßen. Alles das lebt nun von dem
wundervollen Verfcßmolzenfein von Farbe und
Form zu untrennbarer Einheit. Beherrfchend ift
überall die klingende Farbigkeit, die zu köft-
lid)en Harmonien zufammengefcßloffen ift. Man
fpürt die Intenptät des Farbenerlebniffes. Mit
meifterlicßer Sicherheit pnd die kräftigen Farb-
flächen zufammengefe^t mit einer reichen Skala
fehr kultivierter Klänge, die fo gewählt find,
daß keiner fchrill heraustönt. Diefe COald— und
Seebilder befitjen atmofphärifd)en Gehalt und
Naturunmittelbarkeit. Sie find fämtlich vor der
Natur entftanden und doch ift alles reftlos in
Bildwerte überfeljt. Huch in den Ölbildern ift
die Farbe zu ftarker Leuchtkraft getrieben, doch
bleiben fie in der Art, wie um gelbe und rote
3entren grüne und blaue Farbkränze in prisma-
tifcher Formgebung gelegt find, nicht frei von
Abftraktion. Eine ausgeglichene Kunft bietet
die Graphik. Rein technifch ftehen die Ra-
dierungen gewiß höher als die etwas fchweren
fjolzfchnitte. Überall wird man die wuchtige
Porträtficherheit bewundern müffen, die über
das Phyfiognomifche hinaus die feelifche Atmo-
fphäre des Dargeftellten zu geftalten vermag.
In den figürlichen Darftellungen fcpwebt und
gärt eine düftere Phantafie, die zu chaotifchen
Entladungen drängt. Gerftenberg.
Der Cüerkbund
plant für 1922 eine umfaffende Husftellung
deutfchen Kunftgewerbes, die unter Poelzigs
Führung in München ftattpnden foll. So kühn
der Gedanke, fo groß auch die Schwierigkeiten,
die der Ausführung des (Internehmens je|t und
in der nächßen 3ukunft entgegenftehen. Falfdjer
Ehrgeiz follte nicht auf verkehrte Bahnen hin-
lenken. Erft bedarf es der Gefundung und der
Neuorganifation des Güerkbundes von innen her-
aus, und dazu ift fehr viel Arbeit und 3eit nötig.
Bafel
Die Kunfthalle vereinigte kürzlich eine be-
deutende Kollektion welfch-fchweizerifcher Kunft,
in der vor allem einige jüngere Maler viel-

verfprechend hervortraten. Die beiden führenden
Köpfe diefer Gruppe find Auberjonois und
Bl an d) et. Von diefen ift der letztgenannte auch
als Bildhauer tätig. Das gleiche gilt von Mau-
rice Barraud, der ebenfalls vorzüglich vertreten
war, ähnlich der ihm verwandte Emile Breßler.
Von fonftigen Namen find noch zu notieren die
Maler Fjans Berger, Abraham Fjermanjat, der
eine gewiffe Gleichförmigkeit bekundet und
Albert Muret.
Gleichzeitig mit diefer Ausftellung fah man in
den Sammlungsräumen der Kunfthalle eine Ge-
dächtnisausftellung für den im vorigen Jahre
verftorbenen Bafeler Künftler Ern ft Schieß
(1872—1919), der ein hervorragenderLandfchafter
war und aus dem Süden eine reiche künftlerifche
Ausbeute heimgebracht hatte. r.
Darmftadt
In den Räumen der ftändigen graphifchen Aus-
ftellung des Verlages Karl Lang wurde im Monat
März das graphifche (Clerk Max Beckmanns
gezeigt. Diefe 3ufanimenftellung ift befonders
wefentlich, weil für fie die Privatfammlung Fjans
Cheodor Joel zur Verfügung geftellt wurde, die
einen großen Ceil des Beckmannfchen (Clerkes
in muftergültigen Probe- und 3uftandsdrucken
enthält. Ergänzt wird die Husftellung durch
einige der beften FJandzeichnungen Beckmanns.
Genf
Im Musee des Arts decoratifs (Musee
d’Art et d’Fjistoire) veranftaltet die Genfer Filiale
des Fjaufes Leo S. Olfchki eine Ausftellung
aus ihren Sammlungen illuminierter Fjandfchriften
des 13.—16. Jahrhunderts, Miniaturen, Incunabeln,
bemerkenswerten Drucken des 16. Jahrhunderts,
alten Kunfteinbänden ufw. Der Katalog weift
90 Nummern auf.
München
Die neue Ausftellung im Kunftverein gilt
dem Gedächtnis des 1898 verftorbenen Genre-
malers Louis v. hagn, der 1819 in München
geboren war. Die Ausftellung, die (üerke aus
allen Schaffensperioden des Meifters und reich-
haltiges Skizzenmaterial umfaßt, foll gewiffer-
maßen nachträglich den hundertften Geburtstag
des Künftlers ehren.
tLIiesbaden
Der „Naffauifche Kunftverein — (Clies-
badener Gefellfcbaft für bildende Kunft“
hat wieder eine umfangreiche Ausftellung zu-
fammengebracht, aus deren Fülle als ftärkfte
Eindrücke die gotifierenden Expreffionen von

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