Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

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Sammlungen — Ausheilungen

mofaiks „La Navicella“, das jetjt, [tark reftau-
riert, über dem Fjaupteingang der alten Kirche
S. Peter in Rom angebracht ift; zwei Rötel-
zeichnungen von Primaticcio, Studien zu den
Freskos in Fontainebleau; eine Rötelzeichnung
von Pontormos Madonna mit Kind und heiligen
darftellend, eine Sepiafkizze von Goya. Im Äpril
vorigen Jahres wurde für das Mufeum eine
Dürerfche Pjandzeichnung „Fjeilige Katharina“
aus der Poynterfammlung in London für das
Mufeum angekauft, die ehemals der berühmten
Sammlung Dürerfcher merke des Bildhauers
Banks angehört hatte. F.
Philadelphia
Neben der diefer Stadt vor nicht fo langer
3eit als Erbe zugefallenen umfaffenden Ge-
mäldefammlung des verdorbenen John G. Jofjn-
fon ift fie jeßt auch in den Befiß einer zweiten
Gemäidefammlung, der des öüilliam L.Elkins,
durch das Ceftament des Sohnes des Sammlers
gelangt. Man fchäßt den ttlert der Gemälde
auf volle zwei und eine halbe Millionen Dollars.
Neben der Sammlung felbft erhält die Stadt
einen Fonds von einer halben Million Dollars
zur Inftandhaltung der Gemälde und zu ihrer
Vermehrung. Das Ceftament beftimmt aber,
daß die Sammlung in den Räumen einer von
der Stadt erbauten und von ihr zu erhaltenden
Galerie zur Aufteilung gelangen full und zwar
innerhalb fünf Jahren, widrigenfalls Sammlung
und Fonds an die Leibeserben zurückfallen follen.
Durch diefe Beftimmung hat fiel) Mr. Elkins als
ein wahrer Freund feiner Vaterftadt noch über
feinen Cod hinaus erwiefen, denn nun wird
man wohl den vor lauter Reden niemals be-
gonnenen Bau einer ftädtifchen Galerie endlich
in Angriff nehmen müffen, weil fonft der Skandal
ein gar zu großer und es felbft den Einwohnern
diefer „fd)led)teftregierten Stadt in den Ver-
einigten Staaten“ zu bunt werden dürfte. Die
Sammlung befteht aus 110 Gemälden der ver-
fd)iedenften Schulen, (Inter den alten Schulen
find die vlämifche, die holländifche und fodann
die englifche des 18. Jahrhunderts am reich-
haltigften vertreten. Von Rembrandt find zwei
öüerke vorhanden. Ferner finden fid) von Ja-
cob vanRuysdael neben anderen ein ungewöhn-
liches merk, eine Marine, von F. Fjals zwei
Bilder, deren eines das „Lachende Kind“ ift.
Die Lifte der Meifter enthält fodann Lerborci),
F. Bol, Fjobbema, Jan Steen, Ceniers, üftade,
Cuyp, Paul Potter, Rubens, van Dyck (zwei
Bildniffe), Murillo, Velasquez. Ob all diefe 3u-
fd)reibungen abfolut authentifd) find, bleibe zu-
nächft allerdings dahingeftellt, denn die Samm-

lung muß zu einer Zeit zuftande gekommen
fein, als man noch vielerlei Schulbilder mit
großen Namen nach Amerika verfchiffte. Von
neueren Meiftern ift die Barbizonfchule befonders
gut vertreten. F.
San Francisco
Das unter der tatkräftigen Leitung Mr. Laur-
viks ftehende Mufeum hat eine fehr beachtens-
werte Neuerung eingeführt, einen Vergleichs-
faal, in dem gegenwärtig eine Landfchaft von
Curner, eine folche von Conftable und eine an-
dere des modernen amerikanischen Impreffioniften
Child Fjaffam nebeneinander hängen, um die Be-
fchauer zum Studium und Erkenntnis gewiffer
Probleme, fowie der Individualität der verfetjie-
denen Meifter durch Vergleich anzuregen. F.
(XI a ff) i n g t o n
Das Ceftament des voreiniger 3eit geftorbenen
weitbekannten Sammlers mtnftlerfcher fowie oft-
afiatifcher Kunft Ch- L. Freer aus Detroit, hmter-
läßt den größten Ceil feiner großartigen, auf
ihren Spezialgebieten unerreichten Sammlungen
dem Smithsonian Institution diefer Stadt,
d. h- alfo eigentlich der Nation, und beftimmt
dazu noch, daß einundeinviertel Millionen Dol-
lars diefem Inftitution aus dem Nachlaß ausge-
zahlt werden follen, um für die Sammlung ein
würdiges Fjeim zu errichten. Dem Detroiter Mu-
feum fällt nur die van St. Gravefendefammlung
von Radierungen als Erbe zu. So hat in fchönfter
(üeife der Lokalpatriotismus diefes Sammlers
fiel) dem Verftändnis untergeordnet, daß feine
einzigartigen Scßäße dahin gehörten, wo fie der
Gefamtnation am eheften zugänglich find. F.
Aufteilungen
Berliner Ausheilungen
Im Auguft 1917 fiel in Flandern Konrad
üleftermayr. Man kannte feinen Namen nur
von einer kurz vor dem Kriege veranftalteten
Ausftellung. Jeßt zeigt uns der bei J. B. Neu-
mann ausgeftellte Nachlaß, daß fein früher Lod
— er wurde nur 34 Jahre alt — einen fchweren
Verluft für unfere Kunft bedeutet. Denn ttlefter-
mayr war ein Künftler, der unbeirrt feine eigene
Straße ging, mit feftem und ehrlichem (Hillen
feinem 3iele zuftrebte und ohne alle Phrafe
feine Kunft gab. (Die fein vorzügliches Selbft-
bildnis zeigt, war er ein über feine Jahre ge-
fefteter Mann, eine zurückhaltende Natur, der
jedes Schmeicheln und jeder Kompromiß fern-
lag. Er ging an die Dinge mit einer gefunden
Sinnlichkeit heran, die in unferen Lagen er-
frifchend wirkt, wie die kraftvolle Gebirgsluft

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