Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

Page: 559
DOI issue: DOI article: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cicerone1920/0587
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Ver fcßiedenes

Äuf (liefen Seiten fteht ein Sa§, der zu denken
gibt: „Denn die 3ukunft wird nicht beftimmt
vom fdjeidenden Älter, fondern von der kom-
menden Jugend in Leben und Kunft“. ünd weiter:
„Äber als abftrakt Fühlende fuchen wir zuerft
nach dem Geift. Sdjwitters hatte den Geift. Qnd
er l)atte den Mut, den daraus geborenen Cyp
in die Öffentlichkeit zu ftellen.“ — Dies unge-
fähr die Cendenz des Büchleins. B.
Verfchiedenes
Die angeblichen Dürer - Miniaturen
3weimal ift kürzlich in diefen Fjeften (Cicerone,
Fjeft. 9, S. 390 und Fjeft 10, S. 419) von dem neuen
Dürer-Fund in Genf berichtet worden, den der
Konfervator der Genfer Bibliothek F>- Delarue
auf Grund einer im Befilj von S. Olfchki befind-
lichen älteren deutfchen Paffions-Fjandfchrift ge~
macht haben will. Im letzten P)eft der Genfer
Kunftzeitfchrift „Pages d’art“ (Mai 1920) ver-
öffentlicht nun Fjerr Delarue feine Entdeckung,
und eine gewiffe Preffe hat fiel) in gutem Glau-
ben an die Äutorität des Gelehrten beeilt, für
diefen angeblichen Dürerfund die Reklame-
trommel zu rühren. In der Morgenausgabe des

Berner „Bund“ vom 25. Juni konftruiert fogar
ein fjerr R. N. (Dr. Ravel Nicolas) eine Fjyothefe
für die Datierung und Äutorfchaft Dürers, die
an Kühnheit und Leichtfertigkeit kaum ihres-
gleichen haben dürfte. (Diefer Beitrag ift übrigens
auch in anderen Schweizer 3eitungen abgedruckt
worden.) Für die von ihm herausgegebene ver-
dienftvolle 3eitfcf)rift „Bibliofilia“ kündigt ferner
der Befißer der Fjandfchrift, Fjerr Olfchki felbft,
eine wiffenfchaftliche ünterfuchung von Prof.
Leitfchuh an (der plöljlich als Dürer-Äutorität
aus der Verfenkung hervorgeholt wird), die eben-
falls den Nachweis erbringen foll, daß nur Dürer
die mit feinem Monogramm verfehenen elf Bilder
ausgeführt haben kann. Nach dem Äufwand an
Mitteln zu urteilen, die für diefe angebliche Ent-
deckung mobil gemacht werden, könnte alfo an
der Bedeutung des Fundes kaum noch ein 3weifel
möglich fein. Crotjdem aber lehnt die wirk-
liche Dürerforfchung diefe Entdeckung
einmütig ab. Die vorzügliche Wiedergabe
jener Miniaturen in der obengenannten Genfer
Kunftzeitfchrift geftattet nämlich ein Urteil, wie
es das Studium der Originalhandfchrift kaum
beffer ermöglichen könnte. Von einer Original-
arbeit des Nürnbergers kann niemals die Rede


alter und
moderner Meifter


Carl Nicolai*Berlin Wio
Viktoriaftraße 26 a

Ängebote aus Privatbefi^
möglicßft mit Ptjoto unter Ängabe von Künftler, Maß u. Preis erwünfcßt

559
loading ...