Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

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Ausheilungen

Von Künftlern und Gelehrten

Der elfte Salon des artistes deco-
rateurs in Paris
Im Pavillon Marsan ift diefe Äusftellung
Änfang März eröffnet worden, die wiederum
nach) deutfcßer Art eine Reibe einzelnfter Innen-
räume von Sue, Follot, Groult, Selmersbeim,
Jallot, Dufet und Francis Jourdain umfaßt. Das
deutfcße Arrangement der Äusftellung, die be-
fonders engen Beziehungen Follots und Selmers-
ßeims zu deutfcßen Innenarchitekten geben der
Preffe Gelegenheit, von neuem auf das deutfcbe
Kunftgewerbe zu fchelten. „1910“, fchreibt Jean
Louis Vandoger im Echo de Paris, „verfuchte der
große Elefant von München die kleine Parifer
Libelle zu zertreten. Jeßt find dem Elefant
Gott fei Dank die Beine abgefcßlagen; und wir
haben ihm das Blut abgezapft. Die Libelle
aber fliegt hßiter auf ins Land der Schönheit.“
Allgemein wird das deutfche Kunftgewerbe ge-
legentlich diefer Äusftellung verachtungsvoll
herabgefe^t. Der Sieg des beimifcßen Kunft-
gewerbes auf der üleltausftellung fei fchon jeßt
gefiebert. 0. G.
Erfurt
In den neu hergerichteten Räumen des Kunft -
vereins ift am 15. März die erfte Äusftellung
unter Leitung des neuernannten Mufeumsdirek-
tors Dr. Kaesbacb eröffnet worden. Sie umfaßt
eine Kollektion von Ölgemälden und Aquarellen
des Profeffors Curt ßerrmann, Berlin, die
einen Überblick über des Künftlers Schaffen in
den lebten zehn Jahren geben. Man erkennt
wie der Künftler die Feffeln des Naturalismus
nach und nach immer mehr abftreift und fcßließ-
licb mit Formen und Farben, die der Natur ab-
gerungen find, in freiefter tüeife künftlerifcb
komponiert. Leuten Endes kommt dadurch eine
Klirkung zuftande, die durchaus gefeßmäßig den
Begriff des Stilvollen in der Malerei wahrt und
dabei das perfönlicbe Temperament und Stil-
gefühl Curt Fjerrmanns individuell zum Ausdruck
bringt. Die vornehme dekorative öüirkung, die
die einzelnen Gemälde auslöfen, wird durch die
wundervollen Möbelftücke und Porzellane aus
dem Befit) des Mufeums, welche, bei diefer Ge-
legenheit zum erften Male würdig gezeigt, den
fonft kahlen Räumen einen andeutungsweife
wohnlichen Charakter verleihen, in überrafeßen-
der öüeife gehoben; wobei fid) wieder zeigt,
daß edle Kunft aller Jahrhunderte ficb ftets bar-
monifcb zufammenfügt. Ä. P.
Pjameln
Die Stadt in Gemeinfcbaft mit dem Deutfcßen
Klerkbund, Ortsgruppe Hannover, wird vom

1. Juli bis zum 15. September eine Niederdeutfcbe
Kunftausftellung in Fjameln veranftalten. Die
Äusftellung wird Gemälde, Graphik und Plaftik
fowie Arbeiten des Kunftgewerbes enthalten,
jedoch keine Möbel. Der Deutfche öderkbund
(Fjannover) wird im Sommer 1921 eine zweite
Äusftellung in Fjameln folgen laffen, die das
gefamte niederdeutfcbe Kunftbandwerk vereini-
gen foll. Diefe zweite Äusftellung wird ficb auf
Kunftbandwerk befebränken und eine Vorfcbau
bilden für die große Gewerbefcßau, die für das
JaF)r 1922 in München geplant ift.
Anmeldungen für die Niederdeutfcbe Kunft-
ausftellung find an die Ärbeitsgemeinfcbaft des
Deutfcßen Klerkbundes, Fjannover, Ädelßeidftr. 4,
zu rießten.
Paris
In der Galerie Druet veranftaltete Andre
Lßote eine Sonderausftellung, die von der Pa-
rifer Kritik feßr anerkannt wurde.
Der junge Parifer Kritiker Paul Guillaume
ftellte in der Galerie Devambez hundert Bilder
zufammen, in denen er eine Überficßt der mo-
dernen Kunft geben wollte. Vertreten waren
Braque, Derain, van Dongen, Dufy, Lßote, Ma-
tiffe, Picaffo, Vlaminck, Utrilla, Juan Gris, Friesz
und Delaunay.
Im Februar und März fand in Paris die
31. Äusftellung der Independants ftatt, die über
5000 Nummern umfaßte. Die Parifer Kritik hielt
diefe Äusftellung für frifeßer und lebendiger als
den Fjerbftfalon des lebten Jahres. Die alte
Garde diefer Gruppe, Paul Signac, Valtat, Bou-
nard, Vuillard, war vollzählig erfeßienen; nur
Matiffe, Marquet und Valloton fehlten. Picabia,
Juan Gris, Meßinger, Bracque ftellten neue ku-
biftifeße Bilder aus. O. G.
Von Künftlern und
Gelehrten
Philipp Franck
der bekannte Leiter der Kunftfcßule zu Berlin,
feierte am 9. April feinen 60. Geburtstag. Franck,
deffen neueftes grapßifcßes Mappenwerk wir in
Fjeft 5 unferer 3eitfcßrift befproeßen haben, ift
in Frankfurt a. M. geboren, war Schüler von
Steinle und Gebhardt und fiedelte anfangs der
neunziger Jaßre nach Berlin über, wo er ficb der
neubegründeten Sezeffion anfcßloß. Als Maler
und Graphiker geniej3t er das Änfeßen eines
feinfinnigen Künftlers, der ficb befonders als
Landfcßafter hervorgetan bat. K. S.

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